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Kammerchor Nota-Bene tritt zum Stadtjubiläum in Kempen auf

Konzert zum Kempener Stadtjubiläum : Konzert zum Stadtjubiläum regt zum Nachdenken an

Die Mitglieder des Kammerchors Nota-Bene gaben den Gedanken zum Stadtjubiläum musikalischen Ausdruck.

Grund zum Danken habe man in Kempen genug, führte Propst Thomas Eicker zu Beginn des festlichen Konzertes in der Propsteikirche aus. Dank für viel Gutes, das in der langen Zeit seit der Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1294 geschehen sei, Dank auch an alle, die nicht mehr unter uns seien und sich in vielfältiger Weise um ihre Mitmenschen und die Stadt verdient gemacht hätten. Denn das Engagement der Wohltäter würde den Menschen oft erst nach deren Tod bewusst. Aber auch Bitte sei vonnöten – vor allem um den Frieden in der Welt und um ein nicht von Hass und Missgunst geprägtes Miteinander in unseren unruhigen Zeiten.

Diesen letzten Gedanken griff der Kammerchor Nota-Bene – ein Ende 2018 gegründetes gemischtes Vokal­ensemble, dessen 16 Sängerinnen und neun Sänger Propsteikantor Christian Gössel zu einer vorbildlich homogenen Singgemeinschaft geformt hat – sogleich auf. „Verleih uns Frieden gnädiglich“, heißt es bei Felix Mendelssohn Bartholdy – hier in einer Fassung für Chor und Orgel (Ute Gremmel-Geuchen an der großen Emporenorgel).

Als Ausdruck des Dankes interpretierte die Künstlerische Leiterin der Kempener Orgelkonzerte mit reichem Klangfarbenspektrum und lebendiger Artikulation „Nun danket alle Gott“ aus den Choralimprovisationen op.65 von Sigfrid Karg-Elert (1877-1933). Besonders eindrucksvoll war, dass der Kammerchor daran ohne Pause den Choral mit demselben Text aus Mendelssohns „Lobgesang“
anschloss.

Dank und Bitten verband der Cellist des „Morgenstern-Trios“, Emanuel Wehle, in dem mit großer Einfühlsamkeit gestalteten „Prière =Gebet“ für Cello und Orgel von Camille Saint-Saens (1835-1921).

Schon auf den Allerseelentag verweisend, stand am Ende des Konzertes das „Requiem“ op.9 von Maurice Duruflé (1902-1986). Der französische Komponist widmete das 1947 entstandene Werk dem Andenken seines Vaters. Wie bei Gabriel Fauré, dessen Requiem Duruflé als Vorbild diente, fehlt auch hier das „Dies irae“, die ausführliche Schilderung der Höllenqualen, und das Werk ist ebenfalls stark von gregorianischen Melodien bestimmt. In der Propsteikirche erklang nicht die ursprüngliche Fassung für Chor, Solisten, großes Orchester und Orgel, sondern die etwas später entstandene, ebenfalls vom Komponisten autorisierte Version, bei der das Orchester fehlt, die Orgel aber umso mehr Gewicht bekommt.

Zuhörer dankten allen Mitwirkenden mit reichem Beifall

Die Mitglieder von Nota-Bene, von Christian Gössel bestens vorbereitet und stets aufmunternd geleitet, wussten die überwiegend lichten Klangfarben und den tröstlichen Grundton des an der Spätromantik orientierten Opus mit vorbildlicher Durchsichtigkeit und bewundernswerter Ausgeglichenheit zu vermitteln. Für die dramatischen Aufschreie im „Libera me“ fehlte dennoch nicht die nötige Intensität.

Ute Gremmel-Geuchen bewältigte trotz des großen Abstands zwischen Kirchenschiff und Empore ihren anspruchsvollen Part mit Präzision und im Einklang mit dem Chor. Peter Rembold wusste mit ausdrucksstarkem Bariton in seinen Soli im Offertorium und im „Libera me“ zu gefallen, und Johanna Werhahn war das „Pie Jesu“ übertragen. Im Verein mit dem trefflichen Cellisten Wehrle wurde ihre farbenreich und voller Leuchtkraft gestaltete Arie zum Höhepunkt des „Requiems“. Reicher Beifall dankte allen Mitwirkenden für einen musikalisch reichen und zum Nachdenken anregenden Abend.