Kalte Reise durchs Mittelalter

Trotz des starken Schneefalls kamen viele Besucher nach Kempen. Zum vierten Advent gab es Schmiedekunst, Buchdruck und Armbrust-Schießen.

Kempen. Mittelalterliches Treiben bestimmte am Wochenende das Bild auf dem Kempener Buttermarkt. Etwas versteckt lag er dort, der Mittelaltermarkt, zwischen Imbissbuden und fliegenden Händlern — eingebettet in den „normalen“ Weihnachtsmarktbetrieb in den Straßen und Gassen der Kempener Altstadt. Es war die Idee vom Werbering, das Mittelalter nach Kempen zu holen. Als Ersatz für die Märchentage, die in den Vorjahren am vierten Adventswochenende an selber Stelle vom Verkehrsverein veranstaltet worden sind.

Flüssige Geschenkideen präsentierte Michael Owens aus Nidde bei Gießen in seiner „Weinpanscherey“: Mit Obst, Gewürzen und Kräutern veredelte er Weiß- und Rotweine nach altem Rezept. Beispielsweise der Hypokras aus dem 14. Jahrhundert mit Ingwer und Zimt.

Vorbei an „Pilgerblut“ und Met wurde es bei „Little Luna“ kindlicher: Hölzerne Armbrüste, Ritterhelme und Schilde luden zum Spielen ein. „Lehrling gesucht“ war an der Schreibstube des „Gutenbergs“ Hans Josef Altmann zu lesen. „Erst einmal ist das Lehrgeld zu zahlen“, scherzte Altmann, der die Anleitung zum Briefe falten gab und über Kalligrafie und Buchdruck aufklärte.

Die selbsternannten „Drachen des Nordens“ boten große Abenteuer für kleine Leute: Hufeisen selber schmieden, Spiele im Lederbeutel basteln. Das fand auch Kay Berg (10) spannend und toll. Er war mit seinen Eltern aus Mönchengladbach zum Mittelaltermarkt nach Kempen gekommen. „Hier gibt es viele vernünftige Geschäfte und man bekommt etwas geboten“, war sich Familie Berg einig.

Wurstwaren nach traditionellem Rezept bot die „Räucherey“, nebenan konnten sich Nachwuchs-Tells beim Armbrust-Schießen versuchen — per Gummipfeil zum kleinen Sachpreis. „Langos“ heißt eine ungarische Spezialität: In Pflanzenfett gebackener Hefeteig mit Schinken, Käse oder Knoblauchsauce. Der Kempener Verkehrsverein schenkte zudem Glühwein und Kakao aus — natürlich waren die Mitglieder in mittelalterlichen Kostümen auf dem Markt. Der Erlös geht an den Kinderschutzbund.

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