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Kaldenkirchen: Böllerschüsse zu Fronleichnam

Kaldenkirchen: Böllerschüsse zu Fronleichnam

Noch vor 50Jahren wurde die Prozession lautstark untermalt – auch in Kaldenkirchen.

Kaldenkirchen. Die Einwohner von Hornberg probten so lange das Böllerschießen zum feierlichen Einzug ihres Landesherrn, bis ihnen das Pulver ausging. Daher das Sprichwort "Das ging aus wie das Hornberger Schießen".

Damals wurde dann Knallen durch Klatschen ersetzt. Die Tradition des Böllerns halten auch heute noch Schützen-, Trachten- und Heimatvereine aufrecht. Vor einem halben Jahrhundert galt das auch bei der Fronleichnamsprozession in Kaldenkirchen.

Die Prozession wurde erstmals 1675 erwähnt. Unter Pfarrer Sticker (1825-1858) - nach dem in Kaldenkirchen eine Straße benannt worden ist - wurde sie im wesentlichen so gestaltet, wie Pfarrer Bendick sie 1927 in der "Jahresschau Kaldenkirchen" beschrieb: "Zahllose Bräutchen begleiten wie Engel das heiligste Sakrament."

Der Kaldenkirchener Hans-Willi Curvers, der heute in Slowenien lebt, hat einen der drei Böller ausfindig gemacht und dem Bürgerverein zur Verfügung gestellt. Der sucht nun nach einem geeigneten Standort - wahrscheinlich im Bürgerhaus an der Kehrstraße. Diese Art von Standböllern, Grauguss der 1950er-Jahre, wurde in nahezu allen katholischen Gegenden Deutschland zur lautstarken Untermalung bei Fronleichnams-Prozessionen bis etwa Mitte des 20.Jahrhunderts verwendet.

Ältere Kaldenkirchener erinnern sich, dass die Böllerschüsse bis Anfang oder Mitte der 1950er-Jahre zur Fronleichnamsprozession üblich waren. Im deutschen Sprachgebiet - also auch in Kaldenkirchen - war es üblich, an vier Stellen Halt zu machen. Es wurden in alle vier Himmelsrichtungen segnend die vier Evangelienanfänge gesungen und der Segen erteilt. Die Prozession wurde als Teil der Sorge für das Gemeinwesen betrachtet. In Kaldenkirchen zogen auch Stadtverordnete und Verwaltungsangestellte mit.

An das sich anschließende gemütliche Beisammensein, zum Beispiel im Haus Bousselot, heute Deutsche Bank, erinnern sich noch ältere Stadtverordnete und Verwaltungsangehörige.