Kirche : Von einem jungen Mann, der als Kirchenmusiker arbeitet

Julian Gerst ist 25 Jahre alt und spielt Orgel in der evangelischen Kirchengemeinde.

„Sie sind ja so jung. Ich dachte, Kirchenmusiker seien eher alt.“ Über diese Bemerkung einer älteren Dame muss Julian Gerst immer noch schmunzeln. Der Willicher ist 25 Jahre alt und Kirchenmusiker der evangelischen Kirchengemeinde Grefrath/Oedt – 9,2 Stunden in der Woche.

Mit 16 Jahren wurde Gerst in Richtung Orgel geschubst. Von Klaus-Peter Pfeifer, Kreiskantor in Willich. Da hatte der junge Mann, der 2013 sein Abitur an der Gesamtschule in Willich gemacht hatte, bereits sechs Jahre Klaviererfahrung. „Das ist eine gute und notwendige Voraussetzung, um Orgel zu lernen“, weiß Gerst. Nach dem Abitur hat er mit dem Studium der Musikwissenschaften in Düsseldorf begonnen. „Aber ich glaube, ich werde ins Fach Musikpädagogik wechseln. Das ist praxisorientierter“, sagt er.

Die erste Hürde in Richtung Kirchenmusiker hat Julian Gerst mit der Orgelprüfung für den D-Schein genommen. Im März des Jahres folgte der C-Schein. Die eineinhalbjährige Ausbildung dafür hat er bei der evangelischen Kirche im Rheinland in Düsseldorf bei Jürgen Schmeer absolviert. „Mit einem finanziellen Zuschuss dank des Superintendenten Burkhard Kamphausen“, sagt Gerst.

Zur Ausbildung gehörten Orgel- und Klavierspiel, Kirchenmusikgeschichte sowie Liturgie. Und mit dem C-Schein rückte der 25-Jährige wieder ins Blickfeld von Kreiskantor Pfeifer, der ihm einen Job als Kirchenmusiker in Mönchengladbach-Hardt verschaffte, wo sich die ältere Dame über die Jugend des neuen Organisten wunderte.

Er habe dort zwar gerne „georgelt“, wie er sagt, doch die geringe Stundenzah habe nicht genug Ertrag gebracht, da er mit 25 Jahren auch als Student selbst für die Krankenkasse aufkommen muss. Was wiederum den Willicher Kreiskantor auf den Plan bracht, der die evangelische Kirchengemeinde in Grefrath ins Spiel brachte, wo Kirchenmusiker Wolfgang Schöllhammer aufhören wollte.

Er spielt bei Andachten,
Abendmal und Gottesdiensten

Dort stellte sich Julian Gerst zunächst Dr. Hans-Peter Feyerabend vom Presbyterium vor. „Als ich ankam, war auch Pfarrerin Barbara Münzenberg da. Und so habe ich beide kennengelernt.“ Und als dann auch das Presbyterium seine Zustimmung gab, hatte Gerst den Job. Seit August spielt der Willicher bei Andachten, Abendmahl, Gottesdiensten in den Kirchen in Oedt und Grefrath, im Altenzentrum in Oedt und auch in der Friedhofskapelle. „Im Altenzentrum steht ein Klavier und in der Kapelle habe ich sogar ein Harmonium“, sagt Gerst. Die Liturgie gibt auch die Richtung der Musik des jeweiligen Gottesdienstes vor. „Aber ich bin frei in den Stücken, die ich am Anfang und am Ende spiele, sowie manchmal nach der Predigt und in der Meditationszeit“, sagt Gerst. Der junge Kirchenmusiker mag „beschwingte“ Sachen, die auch gut bei den Zuhörern ankomme. Aber auch moderne Komponisten wie Michael Schütz oder die Pop-Orgel-Stücke von Matthias Nagel. „Natürlich spiele ich auch Bach und andere ältere Komponisten.“ Selbst komponiert er nicht.

Obwohl er nicht aus eigenem Antrieb den Weg an die Orgel gefunden hat, so hat Gerst schnell die „Liebe zur Königin der Instrumente“ gefunden. Auch wenn er nach der Schule und während der Abi-Zeit immer in die Willicher Kirche musste, um zu üben. Die Koordination vom Spiel mit den Händen auf den Manualen und Füßen auf den Pedalen erfordert schon einige Konzentration. Zumal ja auch noch die Noten gelesen und Register gezogen werden müssen. Die Orgel vermittle ihm ein mächtiges Gefühl, da sie mit ihrer Musik mal mächtig, mal wie ein Flötenspiel klingt und so die Kirche beherrschen könne. Seine Lieblingsorgel steht nach wie vor in Willich. „Sie ist wie die in Oedt eine Peters-Orgel und klingt sehr voll“, sagt Gerst, „Anders als die in Grefrath, die ein bisschen kreischt.“

In der Zukunft sieht sich Gerst als Lehrer. „Ich gebe Anfängern Klavierunterricht und habe einer Dame ihre ersten Stunden an der Orgel geben.“