Janet Antonissen leitet den Fontys-Standort im Kempener TZN

Chefin der Fontys-Hochschule : Diese Frau kennt keine Grenze

Janet Antonissen vertritt die Hochschule Fontys aus Venlo im Kreis Viersen. Sie muss Menschen verbinden: Nur so finden kluge Köpfe und spannende Firmen aus beiden Ländern zusammen.

Wenn Janet Antonissen gefragt wird, ob sie sich eher als Niederländerin oder als Deutsche fühle, antwortet sie diplomatisch: manchmal so und manchmal so. Was der 50-Jährigen, im Nachbarland geboren und aufgewachsen, in ihrer Heimat unter anderem gut gefällt, ist die Innovationsfreude, verbunden mit einer gewissen Risikobereitschaft. Ein gutes Beispiel sei die Digitalisierung von Schulen, die in den Niederlanden deutlich fortgeschrittener sei als hierzulande. „Das ist wie Tag und Nacht“, beschreibt sie die Unterschiede.  Bekanntlich hat der sogenannte Digitalpakt für die künftige Finanzierung digitaler Projekte große und in nicht wenigen Augen zu langwierige Diskussionen zwischen Bund und Ländern ausgelöst. Vom konkreten Beispiel losgelöst, findet Janet Antonissen: „Irgendwann muss man einfach mal machen.“

Die Hochschulvertreterin steht in Kontakt mit Wirtschaftsförderern

Janet Antonissen zeigt eine seltene Mischung aus im positiven Sinne quirlig und gelassen. Neben ihrer fachlichen Kompetenz ist das wohl nicht die schlechteste Voraussetzung für ihre Aufgabe: Seit fast einem halben Jahr leitet die Frau aus der niederländischen Provinz Drente die Niederlassung der Venloer Hochschule Fontys im Kreis Viersen, genau gesagt im Kempener Technologiezentrum Niederrhein, kurz TZN.

Nach einer ersten Vorstellung im vergangenen August hat die WZ sie nun an ihrem Arbeitsplatz am Industriering Ost 66 besucht. Wie ist ihre Arbeit angelaufen? Rund 30 Unternehmenskontakte habe sie seitdem geknüpft, berichtet sie. Zudem ist sie mit den lokalen Wirtschaftsförderungen vernetzt, etwa mit Markus Hergett für die Stadt Tönisvorst und Christian Hehnen für Willich.

Antonissen lehrt auch, wie Führungskräfte arbeiten sollen

Antonissen ist zuvor weit herum gekommen. Sie ist in Borger geboren und hat in Emmen – „auf der Höhe von Meppen“ – ihr Abitur gemacht. In Groningen studierte sie Wirtschaft und Marketing, machte ihren Master in Hamburg und Newcastle in Großbritannien. Danach war sie bei verschiedenen Unternehmen in Deutschland tätig, ehe sie im Jahr 2010 zur Fontys kam.

Sie unterrichtet selbst unter anderem Change-Management, „ein Softskill-Fach“, wie sie erklärt. Mittels Theorien und Rollenspielen geht es unter anderem darum, wie Führungskräfte eine Reorganisation innerhalb eines Unternehmens oder einer Abteilung umsetzen können. Und zwar, ohne die Mitarbeiter zu verprellen. Vielmehr soll das Team auf positive Weise in die richtige Richtung gebracht werden.

Studierende und Firmen sollen einander kennenlernen

Mindestens einmal pro Woche ist Antonissen im Büro in Kempen. Für angehende Studenten ist das die Gelegenheit zur persönlichen Studienberatung. Bei jungen Deutschen ist die Fontys gefragt, sie machen 70 Prozent der insgesamt etwa 4200 Studenten in Venlo aus. Sie kommen dabei nicht nur aus dem Kreis Viersen, Krefeld und Mönchengladbach. Auch Leverkusener oder Wuppertaler besuchen die Fontys.

Für hiesige Unternehmen bietet die Fontys-Präsenz die Chance, Know-how zu bekommen und junge Hochschulabsolventen als Nachwuchs zu gewinnen – „Fachkräftemangel“, lautet das allseits bekannte Schlagwort. Wie bringt man die Mitarbeiter von morgen und die Firmen zusammen, und das möglichst frühzeitig? Darum geht es im Kern. Dafür spricht Antonissen mit großen und namhaften Konzernen, aber eben auch mit „hidden champions“ – den unbekannteren aber erfolgreichen Unternehmen.

Mit ihrem Mann – einem „Ur-Neusser“ – und ihren beiden Söhnen (11 und 14), die zweisprachig aufwachsen, wohnt die Niederländerin in Willich. Seit 2007 hat sie ihre Adresse in Wekeln.

Wenn es wie jetzt auf Heiligabend zugeht, kommt ihre „deutsche Seite“ zum Vorschein. Sie mag die Weihnachtsmärkte, die es in ihrer Heimat in dieser Form nicht gebe. „Sie kennen ja sicher die vielen niederländischen Busse, die deswegen Düsseldorf ansteuern“, sagt sie und lächelt.

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