Initiative will Druck machen

160 Besucher kamen zum Infoabend von „Denk mal an Kempen“. Die Diskussion war fair und lebendig.

Kempen. 600 Unterstützer im sozialen Netzwerk Facebook und 160 Gäste beim ersten Infoabend — die 16-köpfige Bürgerinitiative „Denk mal an Kempen“ hat einen Einstand nach Maß hingelegt. Wie groß das Interesse am Erhalt des Denkmals Peterstraße 20 ist, zeigte sich am Donnerstag im vollbesetzten kleinen Kolpinghaus-Saal.

Foto: Tina Hellmich

Auch wenn die ersten Pläne des Eigentümers der denkmalgeschützten Immobilie, der Baufirma Ralf Schmitz, nach Protest verworfen wurden - abfinden will sich die Initiative damit noch lange nicht. Gründungsmitglied Klaus-Peter Hufer stellte die sieben zentralen Forderungen der Bürgerinitiative vor.

An erster Stelle steht der Erhalt des Denkmalschutzes von Peterstraße 20. Zweiter Punkt ist die vollständige Revision der Denkmalliste. Dritte Forderung ist die Einberufung eines Denkmalbeirates mit fachkundigen Bürgern für mehr Unabhängigkeit. Für Forderung vier, die Trennung von Bau- und Denkmalausschuss, gab es Applaus. „Da kollidieren bislang öffentliche Interessen“, sagte Hufer.

Forderung fünf sieht die Erarbeitung eines langfristigen, sozialverträglichen baulichen Konzepts für die Kempener Altstadt, das deren unverwechselbaren Charakter langfristig sichert, vor. Die Einführung eines Denkmalpflegeplans lautet Forderung sechs. Bravorufe gab’s bei der Verlesung der siebten Forderung: transparente Entscheidungswege und Abstimmungen bei Bauvorhaben, die das Kempener Stadtbild betreffen.

Bei der anschließenden Diskussion bündelte Moderatorin Ute Schmitz die Aussagen der Wortmeldungen und sorgte für ein faires Miteinander. Ein Streitpunkt waren die existierenden Denkmal-Regeln, die laut Initiative-Mitglied Marcel Rau von der Firma Schmitz „verletzt wurden“. Applaus gab es für die Forderung, die Kempener Identität solle nicht einzelnen Interessen überlassen werden.

Einig waren sich die Anwesenden in dem Punkt, den „bürgerlichen Druck auf die Politik“ fortführen zu wollen. Politiker meldeten sich sympathisierend zu Wort - es ist schließlich Wahlkampf.

„Es ist zu spät für eine Initiative“, meldete sich ein Bürger zu Wort. „Besser spät, als nie“, konterte Stadtführerin Tina Hellmich. Einmal mehr wurde Kritik am geplanten dreigeschossigen Bau an der Ecke Peterstraße/Donkwall laut. Marcel Rau verdeutlichte, dass der von der Firma Ralf Schmitz beauftragte Architekt die bisherigen Baupläne überarbeitet: „Alles, was kommt, werden wir offen und ehrlich kommunizieren.“

Der einleitende bebilderte Vortrag von Initiative-Mitglied und Historiker Hans Kaiser hatte verdeutlicht, dass „nicht alles, was alt ist, auch erhalten“ bleiben muss. Dennoch nannte Kaiser Beispiele, wo erhaltenswerte Häuser wie etwa die Kerzenfabrik Foerster am Spülwall 13 abgerissen worden waren. Ganz ohne Polemik kam Kaiser nicht aus - dieses Thema reibt auch erfahrene Historiker auf. Nun will die Initiative das Feedback auswerten und in ihre Arbeit einbeziehen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung