Ingrid Filipcyk stellt an der Moosgasse in Kempen aus

Ausstellung : Die Künstlerin Ingrid Filipcyk und die Reduktion auf das Wesentliche

Die Ausstellung der Künstlerin in der Galerie dreivier an der Moosgasse ist bis zum 21. Dezember zu sehen.

Mehrteilige Leinwandarbeiten ziehen sich wie ein Fries über die Wände der Produzentengalerie dreivier in Kempen, wo Ingrid Filipcyk am Freitagabend ihre neue Ausstellung eröffnet. Klare, kräftige Farbflächen in unterschiedlicher Breite wechseln in ihnen einander ab. Assoziationen zu realen Motiven stellen sich nicht ein. Das ist auch nicht vorgesehen. „Ich brauche nichts zu machen, was schon da ist“, erklärt die Malerin. Auch wenn ihre Arbeiten häufig auf einem real gesehenen Motiv basieren. „Es steckt immer etwas Reales dahinter.“ Da kann ein Segelschiff zu einer Reihe über die Geometrie des Dreiecks werden. Wenn aber ein Entwurf zu sehr einem Regenbogen oder einem Karomuster ähnelt, wird er
verworfen.

 Klarheit, Harmonie, Ordnung, Rhythmus und verhaltene Bewegung, das sind die ersten Eindrücke, die die Bilder von Ingrid Filipcyk auslösen. Die in Hagen geborene Künstlerin hat Mathematik, Kunst und Musik fürs Lehramt studiert. Berufsbegleitend besuchte sie die Freie Akademie der bildenden Künste in Essen, wo sie 2009 nach einem Postgraduiertenstudium ihre Studien abschloss. Dass die Mathematik und die Musik Ingrid Filipcyk und ihre Kunst prägen, ist offensichtlich. Die Bilder sind stark durchrhythmisiert, folgen einem bestimmten inneren Takt. Sie laden ein, sich in sie zu vertiefen, sie meditativ zu betrachten und zu erforschen.

Die Malerin befasst sich intensiv mit dem Goldenen Schnitt

Erzählt die Malerin allerdings über die Entstehung ihrer neuen Serien, über die Ideen, die zu ihnen führen, dann erhält das Gefühl, das beim Betrachten der Bilder entsteht, eine theoretische Basis. Dann begreift der Betrachter auch mit dem Verstand, warum sein Gefühl ihm Klarheit und Takt, Symmetrie und Harmonie signalisierte. Filipcyk beschäftigt sich intensiv mit dem Prinzip des Goldenen Schnitts, dieses seit der Antike bekannten Teilungsverhältnisses, das Grundlage für wahrgenommene Schönheit in der Architektur, der Musik, der Malerei ist. Das sich aber auch in der Natur, zum Beispiel in der Anordnung von Blättern und in Blütenständen von Pflanzen, findet.

Die Anordnung der Farbflächen in den friesartigen Bildreihen greift formal das Teilungsverhältnis des Goldenen Schnitts auf. Farblich orientieren sie sich an dem von der Malerin entwickelten neunteiligen Farbkreis, der auf den Grundfarben und dem daraus aufbauenden Farbkreis aus sechs Farben basiert. Filipcyk gibt der Ausstellung den Titel „Rekursion“. Darunter versteht sie die Tatsache, dass etwas auf sich selbst zurückgreift. Ein Motiv wird wiederholt, ein Objekt erhält immer wieder die ursprüngliche Struktur. Rekursion gibt es aber auch in der menschlichen Entwicklung: „Vorhergehende Erfahrungen prägen persönliche Entscheidungen, die oft ohne bewusste Schlussfolgerungen getroffen werden“, so Filipcyk. Sie stellt die Rekursion in ihrer künstlerischen Entwicklung
fest.

Filipcyk hat in den letzten Jahren ein umfangreiches malerisches, grafisches und fotografisches Werk geschaffen, das von einer großen Reduziertheit charakterisiert ist. Ihre konzeptuellen Arbeiten sind gründlich durchdacht und theoretisch untermauert. Und ihre Arbeiten sind von hoher
Ästhetik.

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