In Kempen steht ein Schnullerbaum

Im Altstadt-Geflüster geht es heute um originelle Nucki-Entwöhnung. Außerdem gibt es reichlich Musik und Kunst, Erinnerungen an längst vergangene Zeiten sowie eine Antwort auf die spannende Frage, ob im Rathaus schmutzige Wäsche gewaschen wird.

Kempen. Was wächst denn da am Baum an der Judenstraße? Vor „Radieschen“, dem Second-Hand-Geschäft mit Kinderkleidung und mehr, steht nun ein Schnullerbaum. Die Idee, das verriet Chefin Silke Zander, dem Flüsterer, stammt aus Dänemark. So ein Bäumchen soll den Kleinen den Abschied vom geliebten Nucki leichter machen. Nach Möglichkeit sollten Kinder bis zum zweiten Geburtstag vom Schnuller entwöhnt werden. Das Nuckeln kann schließlich zu Zahn-, Kiefer- und Zungenfehlstellungen führen, was wiederum Sprachfehler bedeuten kann. Statt den Sauger aber einfach wegzuwerfen, bekommt er am Schnullerbaum noch einen schönen Platz — und beim Bummel durch die Altstadt kommt man auch noch hin und wieder daran vorbei. Da fällt die Trennung sicher nicht so schwer. Zur Deko hängen schon die ersten beiden Schnullis im Baum. Dazu ein aufmunternder Spruch: „Häng deinen Nuckel in diesen Baum, du bist schon soo groß, du brauchst ihn doch kaum! Deine Schnullerfee.“ Wenn das nicht motiviert . . . Das Grün, das zuvor die Stelle vor dem Geschäft schmückte, war übrigens dem Buchsbaumzünsler zum Opfer gefallen, so Silke Zander. Das wollte sie sich nicht noch einmal antun und entschied sich für ein Prunus-Bäumchen, das nun hoffentlich bald „Früchte“ trägt. Das erste Kind habe schon Interesse gezeigt, konnte sich aber vom Schnulli noch nicht endgültig trennen. Mal sehen, wann es so weit ist.

Parkplätze — ein Dauerthema in der Kempener Altstadt. Meist gibt es davon einfach zu wenige. Wenn nun bald die neuen Verwaltungsgebäude hinter dem Bahnhof gebaut werden sollten, dann wird auch das Auswirkungen auf die Parksituation dort haben. Denn dann werden auch Busparkplätze wegfallen. Aber die Stadtverwaltung hat schon einen B-Plan ausgearbeitet. Busse, die Tagestouristen in der Stadt absetzen — und dann warten müssen, weil es ja bekanntlich kein Hotel gibt, das so viele Gäste für eine Nacht beherbergten kann — sollen dann nämlich auf einer Spur des Möhlenrings parken. Wie es sich mit einer Spur auf dem Möhlenring so fährt, haben die Kempener ja im Sommer bereits einige Wochen dank Baustelle testen dürfen. Nun wird getestet, ob sich die Spur auch als Busparkplatz bewährt.

Altstadt-Geflüster

Bleiben wir noch beim Thema neues Verwaltungsgebäude und der dazugehörigen Diskussion des Liegenschaftsausschusses vom vergangenen Dienstag: Mit Spannung hatten die Beobachter auf die Zahlen des Bürgermeisters gewartet — schließlich will die Stadt 9,6 Millionen für das Projekt ausgeben. Bislang standen 8,25 Millionen im Raum. Für diesen Zahlensprung und die erheblichen baulichen Veränderungen waren die Nachfragen aus Teilen der Fraktionen eher ernüchternd. Denn statt sich um wegweisende Aspekte des Projektes Gedanken zu machen, verloren sich einige Politiker eher in Detailfragen. Zum Beispiel Peter Fischer, der nach der Notwendigkeit von Räumen für Waschmaschinen fragte. Was wiederum kurz die Frage aufkommen ließ, ob im Rathaus schmutzige Wäsche gewaschen wird. „Klares Ja“, wie Kämmerer und Projektgruppenleiter Jörg Geulmann bestätigte. Und zwar die Putzlappen, die das Reinigungspersonal zum Wischen benutzt. Ein weiteres Kernthema wurde die Frage, ob den ausreichend ausgestattete Wickelkommoden vorgesehen seien. Günter Solecki (Die Linke) hatte darin offenbar einen Eckpfeiler des Projektes erkannt. Auch dazu gab es ein Geulmann’sches Ja. Der Umgang der Politiker mit dem Thema am Dienstag zeigte, dass es noch großen Beratungs- und Informationsbedarf gibt. Die Hauptausschusssitzung am 10. Oktober dürfte deutlich gehaltvoller werden — hoffentlich.

Heute stehen im Irish Pub „The Whistle“, St. Huberter Straße 20, gleich zwei Bands auf der Bühne: das Trio „Blazzmusic“ und die Gruppe „what a:bout“. Blazzmusic bringen unverblümt Rock und Blues zu Gehör. Sie schaffen es sogar, moderne Progression mit Country oder Heavy zu einem neuen regionalen Sound zu entwickeln. Neben eigenen Songs greifen sie daher auch immer wieder auf Cover ihrer musikalischen Zeitgenossen wie Robben Ford, David Grissom oder ZZ Top zurück. Worum es geht, wird sich der Zuhörer der Band what:about schon nach einigen Takten nicht mehr fragen. Sie bieten groovige Musik im Stilmix zwischen Rock, Pop, Funk und Soul. Anleihen der 80er und 90er Jahre sind hörbar und werden neu interpretiert. Beide Bands bieten einen Abend mit handgemachter Musik. Beginn des Doppelkonzertes ist um 21 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf zum Preis von acht Euro im „The Whistle“. An der Abendkasse kostet der Eintritt zehn Euro.

Bleiben wir noch kurz beim Thema Musik. Denn in der Haltestelle an der St. Töniser Straße findet am Samstag, 14. Oktober, ein Familienkonzert statt. Erzählt wird die Geschichte „Peter und der Wolf“ mit musikalischer Begleitung. Beginn ist um 15 Uhr, Einlass ist um 14.15 Uhr. Karten gibt es zum Preis von 15 Euro für Erwachsene und sieben Euro für Kinder. Eine weitere Veranstaltung in der Haltestelle ist am Mittwoch, 18. Oktober. Zum zweiten Mal besucht die WDR5-Moderatorin und Jazz-Sängerin Ariane Jacobi die Thomasstadt. Im Gepäck hat sie eine musikalische Lesung über „Herr X“. Karten kosten 15 Euro, Einlass ist um 18.45 Uhr. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr. Alle Karten gibt es per E-Mail, in der Schuhkolade an der Peterstraße 29.

kontakt@haltestelle-kempen.de

Wir kommen zur bildenden Kunst. Die Kempener Künstlerin Gitta Radtke zieht um: Noch vor Weihnachten wollen sie und ihr Mann ein umgebautes Haus in Hinsbeck beziehen, wo sie dann auch ihre Arbeitsstätte haben wird. Früher hatte sie ein Atelier am Heyerdrink, zuletzt hatte sie vor allem in den Niederlanden gearbeitet, der Heimat ihres Mannes. Nach einer klassischen Ausbildung zur Keramikerin hatte die gebürtige Gütersloherin an der Fachhochschule in Krefeld Keramikdesign studiert. Diverse Ausstellungen in der Region, auch in Kempen selbst. Bei der Ausstellung Manufactum zur Ermittlung der Staatspreise sind ihre Arbeiten derzeit (bis 5. November) im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen. Vertreten ist sie mit „Field of Gold“, einer Installation, bestehend aus 16 Teilen aus Porzellan.

Bei der Vorstellung der neuen Schwester-Ina-Medaille wurden Erinnerungen wach. Wie berichtet ziert die neue Gedenkmünze zugunsten der Schwester-Ina-Stiftung ein Bild des neu eingeweihten Rathauses vor 50 Jahren. Auf dem Foto aus dem Jahr 1967 sind im Vordergrund Autos zu sehen, die auf dem Buttermarkt parken. Alt-Bürgermeister Karl-Heinz Hermans erinnerte sich da an die Anfänge seiner politischen Karriere. Denn er und einige andere Händler der Altstadt wollten unbedingt verhindern, dass „die da oben“ mit ihrer Idee von der autofreien Altstadt den Händlern das Leben schwermachen. Mittlerweile muss Hermans aber zugeben, dass das eigentlich eine ganz gute Idee war. Nur einen Kritikpunkt hat er, der ihm Anfang der 80er Jahre wohl noch nicht in den Sinn gekommen war. Wo er doch nun öfter mal mit dem Rollator unterwegs ist, muss er doch sagen, dass der Altstadtpflaster nicht so optimal ist. „Ich hoffe, in 20 Jahren sieht es in der ganzen Stadt aus wie in der Judenstraße“, sagte Hermans dem Flüsterer.

Wo wir gerade in die Vergangenheit blicken, schauen wir doch auch noch mal zurück auf einen Herrn, der schon länger nicht mehr unter uns weilt. In dieser Woche, genau am 26. September, jährt sich zum 100. Mal der Todestag von Konrad Kramer — dem Namensgeber des Kramer-Museums im Kulturforum Franziskanerkloster. Dieser hatte ziemlich genaue Vorstellungen, was mit seinem Erbe geschehen sollte. So hat der Flüsterer aus den bekannten „gut informieren Kreisen“ erfahren, dass es in Kramers Testament einen besonderen Passus gibt. Demnach sollen alle Bürger an seinem Todestag freien Eintritt ins Museum erhalten — wenn dieser nicht auf einen Sonntag fällt, dann am darauffolgenden Sonntag. Das wäre also morgen. Nun hat der Flüsterer von der Stadt dazu noch nichts gehört. Aber das Kramer-Museum wird ja bekanntlich eh schon seit längerem umgebaut. Und Möglichkeiten zu Baustellenbesuchen bieten sich in und um die Altstadt ja zurzeit so einige.

Last but not least werfen wir noch einen Blick in die Moosgasse. Dort erstrahlt das Haus Nummer 6, in dem auch die WZ untergebracht ist, in neuem Glanz. Die Fassadenarbeiten sind erledigt, das Gerüst ist weg, ebenso die Folie. Die Redaktion hat also wieder völlig freie Sicht aufs Rathaus am Buttermarkt.