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Im Kempener Hospital werden Millionen investiert

Medizinische Versorgung : Das Hospital plant den „großen Wurf“

Neues Bettenhaus, ein Parkhaus für 250 Autos, neue OP-Säle – im Kempener Hospital werden Millionen investiert. Ein Gespräch dazu mit Geschäftsführer Thomas Paßers.

Es ist schon so etwas wie der „große Wurf“, sagt Thomas Paßers, Geschäftsführer des Hospitals zum Heiligen Geist, während er vor mehreren Bauplänen steht. Wenn mit den Genehmigungen alles nach Plan läuft, beginnt 2021 eine längere Phase mit Um- und Neubauten auf dem Krankenhaus-Areal zwischen Mülhauser Straße und Von-Broichhausen-Allee.

Herzstück des Großprojektes wird der Neubau eines sogenannten Bettenhauses für mehrere Stationen sein. Dieses Gebäude soll „der neue A-Trakt“ werden. In den Neubau sollen unter anderem Kardiologie, Urologie und Neurologie einziehen. Als Fläche dafür vorgesehen ist ein Bereich am bisherigen A-Trakt. Denn dieser Trakt wird abgerissen – inklusive altem Bettenhaus, Kantine und bereits leerstehender Cafeteria. Der Neubau wird den bisherigen A-Trakt aber nicht baugleich ersetzen, so Paßers. „Wir planen einen Neubau, der etwas schräger angesetzt ist. Dadurch können wir auch breiter bauen.“

Das sei der Grund, warum man sich letztlich zum Neubau entschieden hat, so der Geschäftsführer. „Es gab auch die Überlegung, den A-Trakt so zu sanieren wie die anderen Gebäude in den vergangenen Jahren. Dann hätten wir aber letztlich nur auf einer Seite Zimmer schaffen können“, sagt Paßers. Mit einem breiteren Neubau sei sowohl bei der Kapazität als auch beim Komfort wesentlich mehr möglich. Unterm Strich werde sich die Bettenzahl des Hospitals von 280 auf 310 erhöhen.

Die Kapelle des Hospitals
soll aufgegeben werden

In den Planungen, die bereits seit zwei Jahren laufen, gab es auch ein sehr sensibles Thema, wie Paßers mitteilt. Denn für das neue Projekt muss die Kapelle des Hospitals zum Heiligen Geist aufgegeben und abgerissen werden. „Uns ist bewusst, dass dies für das Hospital ein schwieriges Thema sein wird“, sagt der Geschäftsführer. Vertreter der Kempener Kirchen seien frühzeitig eingebunden worden. In diesem Zusammenhang habe man das Einverständnis von der Krankenhausseelsorgerin Sylvia Bolz und Propst Thomas Eicker bekommen, die Kapelle aufzugeben. „Es wird an anderer Stelle ein Ort der Stille, ein Ort zur religiösen Besinnung eingerichtet“, so Paßers. Dieser soll unweit des Foyers entstehen. Gottesdienste wird es aber nicht mehr geben. Dies sei aber schon längere Zeit – nicht nur wegen Corona – nur noch sporadisch der Fall gewesen, sagt der Geschäftsführer.

Ebenfalls neu eingerichtet wird eine Cafeteria – in Anbindung an eine Mitarbeiterkantine. „Wir wollen Patienten und Besuchern eine neue und moderne Aufenthaltsmöglichkeit bieten“, sagt Paßers. Derzeit steht im Foyer ein mobiler Café-Wagen mit Snacks. Das soll sich im neuen Konzept dann wieder ändern.

Langfristig will Artemed das Personal in Kempen aufstocken

Zum Neubau kommt noch ein Um- und Anbau des bisherigen OP-Bereiches und der Intensivstation. Zur Mülhauser Straße hin soll angebaut werden – somit erhöhe sich die Zahl der OP-Säle von fünf auf acht, ergänzt der Geschäftsführer. „Verbunden mit dem Ziel, dass wir langfristig das Personal aufstocken. Wenn man die Zahl der OPs erhöht, ist das zwangsläufig so“, sagt Paßers auf Nachfrage.

Mehr Betten, mehr OP-Säle, mehr Personal, mehr Patienten, mehr Besucher. „Dann brauchen wir auch mehr Parkplätze“, greift Paßers eine Kempener Debatte auf, die im vergangenen Jahr während der Veränderungen am Ärztehaus, Von-Broichhausen-Allee, aufgekommen war. „Die Parkplätze sind dort sinnvoll, weil sie für das Ärztehaus und weitere Praxen benötigt werden“, so der Geschäftsführer. Aber für das nun anstehende Großprojekt brauche man auch eine große Lösung für den Verkehr. „Uns ist klar, dass die Situation im Bereich von Ludwig-Jahn-Straße und Heyerdrink angespannt ist.“

Nun will Artemed als Betreiber des Krankenhauses beim Thema Parken eine langfristige Lösung sicherstellen. „Auf dem bestehenden Parkplatz an der Ecke Berliner Allee/Mülhauser Straße werden wir ein Parkhaus bauen“, sagt Paßers. Vorgesehen ist ein Neubau, in dem künftig 250 Autos abgestellt werden können. Damit sei man für Mitarbeiter und Besucher gut aufgestellt. „Wir gehen davon aus, dass sich die Situation insgesamt deutlich entzerren wird.“ Zumal an der Mülhauser Straße weitere Stellflächen geschaffen werden können.

Der Parkhaus-Bau soll der Auftakt des Großprojektes sein

Mit eben jenem Parkhaus soll das Millionenprojekt, zu dessen genauen Kosten Artemed keine Angaben macht, beginnen. „Wir müssen beim Thema Parken anfangen, damit wir bei der Fertigstellung des Neubaus nicht in Schwierigkeiten geraten“, so Paßers. Zuerst müsse die Verkehrssituation geregelt sein. Anfang 2021 soll es mit dem Parkhaus losgehen, wenn denn Ende 2020 die Genehmigungen vorliegen. Derzeit bearbeite die Stadt Kempen den Bauantrag, der Anfang des Jahres eingereicht worden war.

2022 will das Betreiberunternehmen aus Bayern dann mit dem Neubau beginnen. „Unser Ziel ist, dass wir 2024 fertig sind“, sagt Thomas Paßers, der dann zehn Jahre im Unternehmen tätig wäre. „Wir entwickeln das hier mit großer Freude. Und der Neubau ist so etwas wie der Abschluss der Neuausrichtung der vergangenen Jahre.“ Für die nächsten vier Jahre, in der das Bauen eine Menge Raum einnehmen wird, sichert die Geschäftsführung zu, dass die medizinische Versorgung „unverändert auf einem sehr guten Niveau bleiben wird“.

Bei allen Veränderungen wird übrigens eins gleich bleiben: die Adresse und der Haupteingang des Hospitals an der Von-Broichhausen-Allee 1. „Im Zuge des Abrisses des A-Traktes und einer gewissen Öffnung des Areals gab es Überlegungen, den Haupteingang zu verlegen“, sagt Thomas Paßers. Das sei dann verworfen worden. So wie es ist, habe man die beste Lösung und den Erhalt der bekannten Adresse erreicht. Das Parkhaus soll dann eine eigene Adresse bekommen, um diese in die Navigationsgeräte eingeben zu können.