Holiday on Ice: Premiere Grefrath mit Olympiasiegern

Jubiläum – 75 Jahre Holiday on Ice : Ein Eis-Traum wird wahr

Mit einer fulminanten Show will Holiday on Ice 75. Geburtstag feiern.

Es waren atemberaubende Würfe und Pirouetten. Hebefiguren, bei denen den Zuschauern – in der Eishalle und vor dem Fernseher sitzend – die Luft weg blieb. Dazu eine Synchronität in der Bewegung, die das Prädikat „Perfektion auf Kufen“ rechtfertigte. Kurzum: Es war Kunst auf dem Eis, die einen über vier Minuten nicht aus ihrem Bann ließ. Die Traumkür von Aljona Savchenko und Bruno Massot bei den Olympischen Spielen von Pyeongchang/Korea wurde mit 159,31 Punkten und damit mit einem neuen Kür-Weltrekord belohnt. Kurz darauf hatten sie das Band mit ihrer Goldmedaille um den Hals, die Nationalhymne im Ohr und die Weltpresse vor sich.

Spätestens jetzt kann man ermessen, welche Freude Bernd Schoenmackers einige Wochen später erfasst haben muss, als der Geschäftsführer des Eissport- und Eventparks davon erfuhr, dass eben dieses gefeierte Eiskunstlauf-Goldpaar seine spektakuläre Kür und noch mehr live auf sein Eis bringen würde. Auf das Eis, das er von seinem Bürostuhl aus in zwei Minuten Fußweg den Flur entlang erreicht. Das dürfte sein nach-olympischer Gänsehaut-Moment in Grefrath gewesen sein.

Olympiasieger und Weltmeister zum Anfassen nahe

Jetzt nimmt die Vermarktung der neuen Produktion Fahrt auf. Gerade so, als nehme man Anlauf für den Dreifach-Axel mit perfekter Landung. Die Sport-Weltstars in Grefrath, Weltmeister und Olympiasieger im Selfie-Abstand, zum Erleben ohne Fernbedienung – das wird ziehen. Der Vorverkauf ist vielversprechend. Die Pressekonferenz, die den Vorhang hier und da hob, auch. Weltklasse-Entertainement – darunter soll es nicht gehen. Holiday on Ice feiert seine 75-jährige Geschichte mit vielen Glanz-, aber auch einigen Tiefpunkten, geht auf Tournee rund um den Globus und verknüpft auf der Bühne und Backstage die Geschichten von acht Hauptakteuren und die Romanze zwischen Produzent und Showgirl mit Happy End.

Holiday on Ice setzt mehrere Ausrufezeichen hinter „Showtime“. Den Rotstift haben die Macher, wenn man ihren ersten Enthüllungen zu Inhalt, Personal, Kostümen und Kulisse folgt, jedenfalls nicht angesetzt. Diese Show soll gigantisch werden, spektakulär, verblüffend, farbenprächtig, eben „big“. „Eine ganz große Nummer!“ So formuliert es der Niederländer Willem Metz, der Consultant Executive Producer Holiday on Ice, der schon vor der Premiere der Vorjahresshow „Atlantis“ in die Vorbereitungen 2018/19 gestartet ist.

Der Mann stellt ein Team vor, dessen Akteure für prominente Namen gearbeitet haben. Creative Director ist Kim Gavin, der Bühnenshows für Take That und Robbie Williams arrangiert hat. Der Sprung der „Queen“ als „Bond-GIrl“ aus dem Helikopter bei der Eröffnung der Olympischen Spiele 2012 in London gehe laut Metz auf eine Idee von Gavins Tisch zurück. Der Mann bringt jetzt zum ersten Mal eine Show aufs Eis. Choreograph ist Eiskunstlauf-Olympiasieger Robin Cousins. Das Bühnenbild hat Misty Buckley entworfen, deren Namen man mit Welttourneen von Coldplay und Shows von „Victoria Secret“ in Verbindung bringen kann. „Michael Sharp, unser Kostümdesigner, hat ein Budget zur Verfügung, so groß wie nie“, erzählt Metz, schwärmt und spricht von 350 Kostümen.

40 Eisläufer der Spitzenklasse, vier mehr als bei Atlantis 2017, werden ab November in 27 Städten der Tournee auftreten. Eine 18 Meter breite LED-Wand ist ihr Hintergrund, Rahmen, ihre Zeitmaschine. „Opulente Teile“ gehören zur Kulisse. Eine 20 Meter lange Dampflok mit Waggons fährt aufs Eis. Ein Globus wird über der Eisfläche schweben. Er ist begehbar, um die Welttournee begreifbar zu machen, den schnellen Wechsel von Land zu Land.

Die Holiday on Ice-Geschichte setzt im Jahr 1943 ein und entführt in mehreren Akten bis ins Tomorrowland, die Show-Zukunft. „Erwarten Sie das Unerwartete“ ist ein Motto der Macher. Auf das Unerwartete, das Unbekannte lässt sich 2018 auch die italienische Eiskunstläuferin Valentina Marchei ein. Sie übernimmt die weibliche Hauptrolle in der Romanze zwischen Starlet und Regisseur.

Wettbewerbsgestählt und erfolgreich dekoriert mit 15 European Championships und elf World Championships, betritt sie nun eine andere Bühne. Damit tauche sie in eine ganz neue Welt ein, erzählt sie von eigener Aufgeregtheit und von dem Stolz ihrer Eltern, die vor Freude platzen, weil die Tochter bei Holiday on Ice mitmacht.

„A dream come true“, ein Traum werde wahr“, sagt die 28-Jährige aus Mailand. Sie habe sich nach dem Anruf der Produktion, ob sie 2018 Teil von Showtime sein wolle, kneifen müssen. Die Eltern haben sich zur Premiere in Grefrath angekündigt. Dann wird ihre Tochter Valentina gemeinsam mit Aljona Savchenko und Bruno Massot auf dem Eis Holiday-Geburtstag feiern. Vielleicht mit Ovationen wie bei den Olympischen Spielen im Frühjahr. Grefrath kann Gänsehaut. Davon muss Bernd Schoenmackers nicht mehr träumen.

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