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Holiday on Ice: Galaktische Weltpremiere in Grefrath

Holiday on Ice : Galaktische Weltpremiere in Grefrath

Die neue Show „Supernova“ von Holiday on Ice kam beim Premierenpublikum im Eisstadion in Grefrath bestens an. Choreograph Robin Cousins setzt auf Spitzensport und viele Wow-Effekte.

Robin Cousins’ Gespür für Schnee ist großartig. Der Brite spielt mit der Schönheit von Eiseskälte. Mit der Zartheit leicht fallenden Neuschnees. Und bläst dann den Grefrathern eine Stunde später einen Schneesturm um die Ohren.

Als Choreograph kann sich der ehemalige Olympiasieger im Eiskunstlauf von 1980 darauf verlassen, dass die Wirkung seines Sports vor farbensprühender Kulisse, fließenden Leinwand-Bildern und Musikbegleitung die  Akzentuierung bekommt, die er Szene für Szene auf dem Eis verlangt: von Anmut und Grazie bis hin zu Kraft-strotzendem Temperament. Weltklassesportler setzen seine Ideen auf Kufen um.

Wucht der Begeisterung von 2018 wird nicht erreicht

Das Grefrather Eis ist für sie aufbereitet. Für ihre Reise von der Erde zu den Sternen. „Supernova“ heißt die Revue mit garantierter  Heimkehr. Grefrath war am Mittwochabend zum siebten Mal Startrampe für eine Holiday on Ice-Welttournee. Es ist also wieder Showtime, Programm eins nach dem grandiosen Jubiläum 2018, das die Premierengäste von ihren Sitzen riss.

An die Wucht der Begeisterung, die die Geschichte  2018 aufs Eis brachte, reichen Schlussapplaus und Nachklang der neuen Show nicht heran. Zu prächtig und fulminant war die Inszenierung zum 75. Geburtstag. Und trotzdem ist es ein Premierenabend der Extraklasse. Einer, der Sportlern und Zuschauern gleichermaßen gehörte. Die Lichtshow versetzt in eine andere Galaxie. Sie rückt die ins Licht, die internationale  Meister ihres Fachs sind: Die Hauptdarsteller Wesley Campbell, Natalia Ogoreltseva,  Alexsandra und Ivan Bich sowie Mariyah und Peter Gerber.

Der deutlich reduzierte Einsatz von fahrbaren Bühnenelementen lässt Solisten, Paaren, dem gesamten Ensemble mehr Raum. Man setzt auf ihre Klasse und ihre Leidenschaft für den Tanz auf dem Eis. Manchmal ist es in der vollbesetzten Halle so leise, dass neben der Klavierbegleitung nur dieses eisige Knirschen der Kufenfahrt zu hören ist. Grefrath ist höchst zugetan und aufmerksam: Dreifach-Sprünge werden  bejohlt, pfeilschnelle Pirouetten und atemberaubende Hebefiguren bestaunt, kleine Patzer aufmunternd weggeklatscht. Mehr Livegefühl geht nicht. Szenenapplaus beseelt die Akteure.

In Zeiten von TV-Formaten wie „Let’s dance“ und „Dancing on Ice“ weiß ein Millionenpublikum, welch’ harte Arbeit vor einem Auftritt liegt. Die Grefrather wissen es auch. Die Choreographie auf dem Eis wirkt leichtfüßig und schwerelos. Strapazen der Trainingswochen sind ausgeblendet. Das ist die Show, die Peter O’Keeffe, CEO von Holiday in Ice, versprochen hat: Tempowechsel, Perfektion und Schönheit.

Für die Holiday-Crew ist Grefrath eine Art Zuhause

 O’Keeffe  sagte vor der Premiere, es fühle sich an wie ein „coming home“, wieder in Grefrath zu sein. Wie Familie. Genauso fühlen die Grefrather Premierengäste. Ihnen muss man nichts über das Eislaufen erzählen. Sie können die Leistungen beurteilen, weil sie das Eislaufen von Kindesbeinen an kennen. Und so überschütten sie die zehnjährige Macey Mellema aus den Niederlanden mit Beifall, als das Talent der Holiday on Ice-Academy seinen bemerkenswerten Solo-Auftritt  hat.

Ebenso emotional spenden sie Applaus, als die Gaststars Sarah Lombardi  und Joti Polizoakis ihre Sieger-Kür der ersten „Dancing on Ice“-Staffel präsentieren.  Sarah Conner singt dazu vom Band „Wie schön du bist“, einer der wenigen Original-Titel im Programm. Vielleicht auch deshalb so emotional. Der Glamour des Kurzauftritts ist wie Zuckerguss. Wie ein zusätzliches Blitzlichtgewitter.

Versprochene Wow-Momente bleiben nicht aus: Als die Eiskunstläufer schneeweiße Tierfiguren hereintragen, leicht wie Wolken am Himmel, gehalten mit Stäben, geht ein Raunen durch die Halle. Schwan, Hase und Eisbär,  Sternbilder  in der Nähe des Himmelsäquators. werden über den Köpfen balanciert. Sogar Pegasus, das weiße Pferd mit Flügeln, kreuzt die Eisfläche. Wundervolle Bilder. Die Szenen der Tänzer sind beeindruckend.

Noch mehr gefallen die Choreographien für Formationen. Vorneweg der Tanz der Roboter-ähnlichen Geschöpfe in silber-glänzenden, eng anliegenden Anzügen. Die Version des Dance-Klassikers „Insomnia“ (Faithless) macht die Szene zu einem Guss. Mitreißend.

Galaktisch gut sind die Kostüme. 300 Looks wurden gefertigt. Kurze Röcke, knappe Hosen, Lack und Leder – Sexappeal gehört zur Show. Aber die Outfits sind vor allem schön und farbenprächtig. Verstärkt durch das Licht der Scheinwerfer schweben und wehen Stoffe wie Farbbänder übers  Eis. Die Choreographie setzt wieder auf den Effekt der Schwerelosigkeit. Eistänzer verlassen den glatten Boden, schweben – gehalten von Bändern – mehrere Meter hoch über dem Eis. Sie verschmelzen mit dem Weltall, das von der Leinwand Lichtblitze sendet. 

Auch Schlittschuh-lose Akrobaten garantieren Extraklasse

Die kraftraubenden Szenen der Eisläufer werden zwei Mal durch die Akrobaten Taisia Bondarenko und Tim Yang unterbrochen. Sie tanzen an der Stange oder turnen schwerelos  in einem Draht-Würfel. Auch sie garantieren Extraklasse.

Eine farbenprächtige Explosion, die Supernova, befeuert das Finale. Dabei bedient man sich einer Geräuschkulisse wie beim Silvesterfeuerwerk.

Ein Meer von Nordlichtern beginnt zu leuchten. Robin Cousins lässt mehr als 20 Eiskristalle einfahren, einen Meter im Durchschnitt. Die Eisläufer haben sie auf ihrem Rücken geschnallt. Ein letztes Mal haben die Solotänzer und Paare ihre Kostüme gewechselt. Pelzbesetzte, schneeweiße Jacken und Röcke, Mützen. Das Schlussbild der Show samt der Musik von Alex Christensen („Feels Like In Heaven“) ist berührend schön wie eine Polarlandschaft.

Unsichtbar bleiben die kreativen Köpfe der Show.  Neben Robin Cousins sind das Stefano Canulli (Kostüme), Chris Moylan (Licht-Design) und  Jeroen ten Brinke (Sound). Aber ihr Gespür für Shows auf Eis ist allgegenwärtig.