Hohes Tempo auf Ex-Naafi-Gelände

Am Industriering wurde gestern Richtfest gefeiert. Mieter für neues Logistikzentrum steht noch nicht fest.

Kempen. Am Industriering Ost wird derzeit ein Trend gesetzt. Das zumindest verspricht Jan Dietrich Hempel, Geschäftsführer des Hamburger Unternehmens Garbe Industrial Real Estate. Die Firma baut derzeit auf dem Grundstück des Ex-Naafi-Geländes ein neues Logistikzentrum. Dafür hat Garbe bereits einige Gebäude abgerissen, um Platz zu schaffen. Und genau darin liege der Trend, wie Hempel gestern beim Richtfest für die 22 000 Quadratmeter große Immobilie erläuterte: „Es gibt immer weniger Flächen auf der grünen Wiese für solche Projekte. Deshalb schauen wir uns intensiv in bestehenden Gewerbegebieten um. Statt einer Greenfield- haben wir hier in Kempen eine Groundfield-Entwicklung.“

Und mit dieser ist das Hamburger Unternehmen mehr als zufrieden. Im Juni ist mit dem Bau begonnen worden. Gestern folgte das Richtfest. Die Fertigstellung der Halle ist für Dezember geplant.

Nach Angaben von Jan Dietrich Hempel ist das Kempener Gelände, von dem aus früher die britischen Truppen in Europa mit Lebensmitteln versorgt worden waren, ein idealer Standort für die Logistikbranche. „In der Region Duisburg/Niederrhein sind attraktive Flächen für logistische Ansiedlungen knapp.“ Deshalb habe sich Garbe auch entschlossen, zuzugreifen und zu bauen, obwohl das Unternehmen nach eigenen Angaben noch keinen Mieter für den Neubau hat. Man sei aber zuversichtlich, dass bald ein Name präsentiert werden kann. „Wir sind in Gesprächen mit mehreren Interessenten. Zu Namen kann ich nichts sagen“, so Hempel.

Bereits im August hatte sich das Unternehmen auf eine WZ-Anfrage zugeknöpft gegeben. Wie gestern auch hieß es damals, dass Garbe 28 Millionen Euro in das Kempener Projekt investiert, ohne eine feste Mietzusage zu haben — „spekulativ“ nennt man das in der Branche.

Nach Informationen der WZ ist in Kempen die Ansiedlung eines Unternehmens aus der Transportbranche möglich. Entsprechende Projekte hat Garbe bereits mehrfach umgesetzt — zum Beispiel für den Paketzusteller DHL. Für den Standort in Kempen soll auch der amerikanische Transportriese FedEx ein Kandidat sein. Kommentieren will Garbe aber keinen der Namen.

Keinen Zweifel ließ Geschäftsführer Hempel gestern daran, dass die Entwicklung in Kempen ein wichtiges Projekt für die Hamburger ist. Er stellte zudem in Aussicht, dass das bestehende Gebäude auf dem Ex-Naafi-Gelände aus den 80er Jahren „irgendwann“ ebenfalls einem Neubau weichen wird. Derzeitiger Mieter der 27 000 Quadratmeter großen Halle ist das britische Konsortium Clipper, zu dem die Krefelder Spedition Geist gehört. Diese hat seit 2012 den Standort am Kempener Industriering Ost 93.

Kempens Bürgermeister Volker Rübo griff anlässlich des Richtfests ins Archiv der Stadt. Denn vor fast genau 30 Jahren — am 15. September 1987 — hat die Stadt das Gelände an die Krefelder Entwickler Münstermann verkauft. Diese wiederum bauten das Logistikzentrum für den britischen Truppenversorger Naafi. 1996 war schon wieder Schluss mit diesem Projekt. Es folgten mehrere Mieter aus der Logistikbranche — unter anderem eine Tochter des US-Konzerns WallMart, der sich auf dem europäischen Markt aber völlig übernahm und so 2006 den Kempener Logistik-Standort (SCM) aufgab.

„Dieser Standort war immer wichtig für die Stadt Kempen“, so Volker Rübo. Viele Arbeitsplätze seien entstanden und wieder abgebaut worden. Während der Naafi Zeit hätten rund 300 Menschen auf dem Gelände gearbeitet. „Deshalb freue ich mich sehr, dass die Firma Garbe hier investiert.“ Beeindruckt hat den Bürgermeister das Vorgehen der Hamburger, die ihre Pläne vor Ort vorgestellt und kurze Zeit später bereits losgelegt hätten. „Und das ohne eine feste Mietzusage. Das kennen wir aus anderen Verhandlungen mit der Wirtschaft anders“, sagte der Bürgermeister.