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Heinrich Dieckmann: Der vergessene Künstler

Heinrich Dieckmann: Der vergessene Künstler

Heinrich Dieckmann wurde in Kempen geboren. Buch und Ausstellung sollen ihn würdigen.

Kempen. Er gehört zu den Begründern der modernen Glasmalerei. Trotzdem gerieten die Werke von Heinrich Dieckmann (1890-1963) nach seinem Tod in Vergessenheit. Um das noch einmal mit Nachdruck zu ändern, gibt es im Kramer-Museum ab Sonntag eine Ausstellung mit knapp 100 Werken des in Kempen an der Peterstraße 13 geborenen Künstlers.

Parallel dazu hat die Sparkassen-Stiftung gestern den siebten Band der „Schriftenreihe über Leben und Werk niederrheinischer Künstler“ präsentiert. Darin beschäftigt sich die Autorin Monika Joggerst mit der Kunst Dieckmanns. „Ich bin seinen Werken während meines Volontariates im Kramer-Museum von 1990 bis 1992 zum ersten Mal begegnet“, sagt Joggerst.

„Seitdem hat mich seine Kunst nicht mehr losgelassen.“ Die Ergebnisse sind eine 900-seitige Doktorarbeit und eben jetzt das Buch der Sparkassen-Stiftung. Begleitet wurde Joggerst, die mittlerweile in Offenburg lebt, von der Kempener Kunsthistorikerin Margret Cordt.

Zum ersten Mal seit 1990 gibt es die Werke Dieckmanns wieder geballt in Kempen zu sehen. Damals wurde sein 100. Geburtstag mit einer Ausstellung gewürdigt. „Dieses Mal ist noch mehr zu sehen“, sagt Joggerst. Zum Beispiel einige frühe Grafiken. Die bekanntesten Werke Dieckmanns sind Kirchenfenster, die auch in vielen Gotteshäusern in der Region hängen.

Allein in der Kempener Propsteikirche hat er sieben Fenster gestaltet. „Die wurden Gott sei Dank zum Schutz vor Bomben im Zweiten Weltkrieg ausgebaut“, ergänzte Bürgermeister Volker Rübo. So konnten diese beeindruckenden Werke — zum Beispiel das Motiv der Schutzmantel-Madonna — erhalten werden.

Dieses Madonnen-Motiv findet sich auch in den expressionistischen Malereien des Künstlers. „Das kehrt immer wieder“, sagt Joggerst. Wer Dieckmann von seiner Glaskunst her kennt, wird überrascht sein über so manches Bild in Buch und Ausstellung. Markante Porträts — zum Beispiel „Die Tänzerin“ (1925-1930) — setzen sich von sakraler Kunst ab.

Bleibt noch die Frage, warum ein so bedeutender Künstler wie Heinrich Dieckmann in Vergessenheit geraten konnte. Joggerst: „Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte der Stil Dieckmanns keine große Rolle mehr. Alles sollte möglichst neu sein. Mit dem Alten wurde abgeschlossen.“ Aber jetzt soll Dieckmann wieder in den Fokus rücken — mit einer ausdrucksstarken Ausstellung und dem Begleitband der Sparkassen-Stiftung.