Grefrath: „Heidebube“ Horst Fliegen reizt mit Herz

Grefrath : „Heidebube“ Horst Fliegen reizt mit Herz

Der Skatspieler erreichte bei den Deutschen Meisterschaften in Würzburg Platz 4.

Grefrath. „Oh Gott, das kannst du abhaken.“ Petra Ditgens, leidenschaftliche Skatspielerin im Grefrather Club „Heidebuben“, hatte sich im Internet den Zwischenstand bei den in Würzburg ausgetragenen Deutschen Skatmeisterschaften angeschaut. Vereinskamerad Horst Fliegen lag zu dem Zeitpunkt, nach drei von acht gespielten Runden, an 235. Stelle.

Doch der 49-jährige selbstständige Spielautomatenaufsteller spielte sich weiter, immer weiter nach vorn. Nach der letzten Runde fehlten ihm nur 14 Punkte fürs Treppchen.

Horst Fliegen kam noch auf den vierten Platz. Sein bisher größter Erfolg im Einzel. Auch dafür gab es einen Pokal, den Horst Fliegen nun zum wöchentlichen Clubabend in die Gaststätte „Zum Fürsten Blücher“ mitbrachte.

Bevor an vier Tischen gespielt wurde, nahm sich Fliegen Zeit, sich an den Beginn seines Hobbys zu erinnern: „Ich war 13, 14 Jahre alt, als mir mein Opa Johannes das Spiel beibrachte. Wir haben Bauern-Skat gespielt. Ich bin dem Opa, als er in Grefrather Kneipen spielte, gefolgt und habe ihm dabei oft über die Schulter geschaut und von ihm gelernt.“

Mit seinen Kumpels spielte Horst Fliegen erst im Keller von Herbert Falter, bis er sich gemeinsam mit Guido Janssen und Alex Falter 1982 dem Grefrather Skatclub, den es seit 1979 gibt, anschloss. Die Jungs wollten richtige Turniere spielen, nachdem sie bei Preisskats einige Dinge gewonnen hatten, darunter eine Kaffeemaschine, einen Wurstkorb, auch mal einen 50-Mark-Schein.

Die jungen Spieler kamen in der Mannschaft oder im Einzel zu ersten Erfolgen, holten sich 1984 die Team-Meisterschaft auf Verbandsebene.

Derzeit spielt Fliegen mit seiner Mannschaft (mit Guido Janssen, Thomas Karmanns, Christoph Döring, Stefan Klausing, Stefan Spielmann und Bernd Walters) in der Regionalliga. Man ist Tabellenzweiter. Drei Spieltage stehen noch aus. Der Aufstieg in die Zweite Bundesliga ist möglich; in dieser Klasse hatte man schon vor einigen Jahren gespielt.

Horst Fliegen, Skatspieler

„Etwa 70 Prozent ist Können und zu 30 Prozent ist es Glück, gute Karten zu bekommen“, sagt Fliegen. Ihm ist eine Partie bei der Deutschen Meisterschaft in unangenehmer Erinnerung. Fliegen hatte in Mittelhand keine Buben, stattdessen Kreuz-Ass, Herz-Ass, König, Dame, Neun, Acht und Sieben, außerdem Karo Acht, Pik Acht und Zehn. Er wollte Herz-Solo spielen, bekam das Spiel mit 24, fand aber im Stock neben der Karo Dame den Kreuz Buben. Er musste also den Herz-Solo auf den „Schneider“ spielen, heißt: seine zwei Mitspieler durften keine 30 Punkte bekommen. Dies ging bis zum letzten Stich gut, ehe seine blanke Pik Zehn (Fliegen hatte Pik Acht und Karo Dame gedrückt) auf Pik Ass traf.

Fliegen, der in Neukirchen-Vluyn wohnt, ist seit 1995 Vorsitzender der „Heidebuben“. Die Spieler kommen aus Wankum, Viersen, Neukirchen-Vluyn oder Broekhuysen. Aus Grefrath sind unter anderem sein Vater, Karl-Wilhelm Fliegen, der einzige noch lebende Mitgründer, Matthias Swenne, und Marliese Spielmann dabei. Gemeinsam mit ihr spielen auch die 89-jährige Käthe Surmann (Wankum) und Petra Ditgens (Viersen) im Verein.

Petra Ditgens (59) spielt seit 1994: „Skat ist für mich ein absolut schönes Hobby, das Spiel wird nie langweilig. Ich fühle mich bei den Heidebuben bestens aufgehoben.“ „Und man wird geistig gefordert“, ergänzt Fliegen.

Weitere Liga-Spiele und Turniere stehen an. Neben dem Deutschen Skatverband (DSKV) gibt es mit ISPA West einen zweiten Verband. Bei der ISPA spielt das Achter-Team der „Heidebuben“ in der Königsklasse.

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