Haferbrei wie aus dem Mittelalter

Im Freilichtmuseum Dorenburg erlebten die Kinder gestern den Alltag der Bauern vor vielen Jahren.

Grefrath. Einmal leben wie im Mittelalter — davon träumt so mancher Fan von Rittern und Burgen. Teilnehmern der Ferienaktion im Niederrheinischen Freilichtmuseum wird dieser Wunsch erfüllt. Für 20 Kinder geht es in dieser Woche auf eine viertägige Reise durch die Zeit. Das Ferienprogramm für Kinder von sechs bis zehn Jahren wird drei Mal angeboten.

„Wisst ihr, wie die drei Stände im Mittelalter hießen“, fragte Museumspädagogin Rabea Badeda, die die Ferienaktion leitete. Schnell waren alle Stände gefunden: Adel und Ritter, Klerus und Bauern. „In diesem Lehnsystem waren alle voneinander abhängig. Die Ritter boten Schutz, der Adel die Ländereien und die Bauern die Lebensmittel. Deshalb nannte man die Bauern auch den Nährstand“, erklärte Badeda.

Gestern drehte sich alles um die Bauern. Was haben die vor weit mehr als 500 Jahren angebaut? „Was meint ihr, gab es das schon?“, fragte Badeda und hielt eine Stange Porree hoch. Einige Kinder glaubten ja, andere nein. „Ja, den gab es schon“, klärte die Museumspädagogin auf. Bei der Banane waren sich alle Kinder einig: Die gab es hier noch nicht.

„Ein besonders wichtiges Lebensmittel war früher der Hafer“, so Badeda. „Von einem Topf Haferbrei werden heute noch viele Menschen satt.“ Da auch den Kindern langsam der Magen knurrte, wurde auf der Hofanlage Waldniel ein großer Topf gekocht. Statt an den Herd ging es ans offene Feuer. „Wie wurde denn das Feuer gemacht?“, fragte Badeda. „Mit Feuersteinen“, wusste Lavinia (7). Ausnahmsweise wurden gestern aber Streichhölzer zu Hilfe genommen.

Nachdem zwei Liter Milch in den Kessel geschüttet wurden, zählten alle gemeinsam 80 Löffel Haferflocken ab. Dann hieß es warten. Als die Masse zu kochen begann, gab es noch zwei wichtige Aufgaben. Damit so ein Haferbrei auch schmeckt, muss er süß sein. Collin (6) gab etwas Honig in den Topf und Jona (8) durfte probieren. „Das schmeckt gut so“, fand sie. Schnell scharten sich alle mit einer Schale um den dampfenden Kessel, um den Brei selbst zu probieren.

Anschließend ging es frisch gestärkt an die nächste mittelalterliche Aufgabe. Wer Feuer gemacht hat, hat sicherlich schmutzige Finger, die gewaschen werden müssen. „Viele denken, dass im Mittelalter alle schmutzig waren. Das muss aber nicht stimmen, denn Seife gab es schon damals“, sagte Rabea Badeda (siehe Kasten). „Die Seife ist zwar schwarz, aber mit Wasser schäumt sie weiß auf und reinigt“, erklärte die Museumspädagogin.

Heute steht der Tag im Zeichen der Ritter. Am Freitag werfen die Kinder einen Blick in den Alltag der Mönche und Bischöfe.