Grüne fordern ein Grobkonzept für ein Naturbad

Bäder-Debatte : Naturbad als Lösung für Grefrath?

Die Grünen können sich eine entsprechende Anlage statt des Freibads vorstellen.

In der Diskussion um die unsichere Zukunft des Grefrather Freibads bringt die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen nun eine neue Idee ins Spiel. Sie hat einen Antrag gestellt, dass die Verwaltung ein „Grobkonzept“ zur Umwandlung des Dorenburg-Bads in ein sogenanntes Naturbad erstellen soll.

In einem Naturbad sehen die Grünen viele Vorteile. Das Wasser in einer solchen Einrichtung werde ausschließlich mit Hilfe biologischer und mechanischer Mittel aufbereitet. Auf die Verwendung von Chlor und anderer Chemikalien werde verzichtet. Und weil es in der Grefrather Freibad-Debatte vor allem ums liebe Geld geht, führen die Grünen auch finanzielle Argumente ins Feld. Der Umbau in ein Naturbad sei kostengünstiger als konventionelle Schwimmbad-Bauten. Ferner seien auch die Unterhaltungskosten geringer. Positive Beispiele aus anderen Kommunen führen die Grünen ebenso in ihrem Antrag an: so in den westfälischen Kommunen Brackwede und Versmold.

Um negative Aspekte eines Naturbads anschaulich zu machen, muss man indes gar nicht bis nach Westfalen fahren. Da reicht schon eine kurze Fahrt nach Hüls. Dort kämpft die Stadt Krefeld seit zwei Jahren mit dem schlechten Zustand des Naturfreibads. Während des abgelaufenen „Jahrhundert-Sommers“ war das Bad meist geschlossen, weil das Wasser nach Angaben der Stadt zu sehr eingetrübt war. Aus Sicherheitsgründen sei deshalb das Schwimmen nicht zulässig, hieß es zuletzt mehrfach. Eine dauerhafte Lösung ist in Hüls immer noch nicht in Sicht.

Dass ein Naturbad nicht nur Vorteile hat, verschweigen die Grünen auch nicht in ihren Antrag. Demnach seien der biologischen Wasseraufbereitung Grenzen gesetzt. „Gerade an heißen Tagen wird unter Umständen ein Einlass-Stopp erforderlich sein“, so die Fraktion. Eine Situation, mit der die Grefrather ja schon jetzt umgehen müssen: Weil die technische Ausstattung des Freibads veraltet ist, besteht derzeit eine Beschränkung seitens des Kreis-Gesundheitsamtes. Es dürfen nur maximal 1400 Gäste gleichzeitig auf dem Gelände sein. Vor Jahren waren in Spitzenzeiten bis zu 3500 Besucher im Freibad, wie Verantwortliche zum Beispiel 2012 gegenüber der WZ geäußert hatten.

Allerdings ist die Besucherzahl im Grefrather Freibad meist deutlich geringer. „Es ist erstaunlich, wie schlecht Ihre Bäder besucht sind“, hatte der von der Gemeinde beauftragte Gutachter Dietmar Altenburg jüngst im Sportausschuss gesagt.  Je Öffnungsstunde seien 2017 sechs Schwimmer gezählt worden – der Bundesschnitt liege bei 20 Besuchern. Insofern ist die Lösung „Naturbad“ für die Grünen eine Alternative. An den meisten Tagen seien weniger als 1000 Besucher im Dorenburg-Bad. Kritisch werde es für eine biologische Wasseraufbereitung erst ab etwa 1500 Besuchern. Mit Blick auf ein Naturbad merkte Gutachter Altenburg im Fachausschuss übrigens an, dass die Konkurrenz solcher Einrichtungen in der Region recht hoch sei. So sei zum Beispiel die „Blaue Lagune“ (Herongen) ein beliebtes Ziel. Ebenfalls in der Nähe liege der Eyller See (Kerken).

Die Zukunft der Bäderlandschaft wird in Grefrath heiß diskutiert. Ein Lösungsvorschlag, um das Verlustgeschäft Freibad aufgeben zu können, ist der Bau eines Kombibads auf dem Gelände von Hallenbad und Schwingbodenpark (die WZ berichtete). Die Lösung benötigt Grefrath aus Sicht der Grünen nicht, wenn für eine ähnlich hohe Summe das bestehende Freibad saniert werden könnte. Deshalb beinhaltet der aktuelle Antrag neben dem Naturbad-Aspekt auch einen „preiswerten Sanierungsplan für das Freibad, der zunächst nur alle wirklich erforderlichen Maßnahmen zu einem sichergestellten Betrieb enthält“.

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