Grefrather Jugendtheater führt Mary Poppins auf

Oedt: Begeisterung über Mary Poppins-Aufführung des Grefrather Jugendtheaters: Bei Mary Poppins bebt die Mooren-Halle

Das Grefrather Jugendtheater begeistert mit drei gelungenen Vorstellungen das Publikum im ausverkauften Saal.

Superkalifragilisticexpialigetisch – diesen Zungenbrecher beherrschen seit dem Wochenende wohl nicht nur alle 26 Darsteller des Grefrather Jugendtheaters, sondern auch die Zuschauer fehlerfrei.  Drei Vorstellungen von „Mary Poppins“ gab die Gruppe um Magdalena Bartkowiak, drei Mal war die Albert-Mooren-Halle ausverkauft. Verdientermaßen, denn was die Jugendlichen im Alter zwischen elf und 23 Jahren den Zuschauern boten, waren nicht nur tolle Schauspielkünste, sondern auch erstklassiger Live-Gesang, komplizierte Choreographien mit Stepp-Elementen und sogar ein wenig Magie. Wer braucht da schon den Broadway?

Mary zeigt den Kindern ihre phantastische Welt

Im Haus von Familie Banks herrscht pures Chaos. Sohn Michael, in wechselnden Vorstellungen gespielt von Moritz Maier (elf) und Louis Beurskens (zwölf), und seine Schwester Jane (Caroline van de Sandt, 13) tanzen nicht nur ihrer Mutter (Elisa Schwirtz, 17) auf der Nase herum. Mit ihren frechen Sprüchen haben die beiden schon viele Kindermädchen vertrieben. Vater George (Julian Göbel, 23) kümmert sich kaum um die Kinder, er erwartet von seiner ganzen Familie Disziplin und Ordnung. Also muss ein neues Kindermädchen her. Kaum ist dieser Wunsch ausgesprochen, steht plötzlich eine Dame im Wohnzimmer der Familie, die sich als Mary Poppins (Jasmin Druyen, 18) ausgibt. Die Kinder sind zunächst nicht begeistert von der Neuen, die behauptet, vollkommen ohne Fehler zu sein. Doch das ändert sich, als Jane und Michael in ihre phantastische Welt eintauchen. Ein Spaziergang durch den Park, bei dem die Kinder den Schornsteinfeger Bert (Moritz Delschen, 17) kennenlernen, entwickelt sich zum Beispiel zu einem bunten Treiben, bei dem Statuen lebendig werden und allerhand komische Gestalten auftauchen. In dieser Szene ließ es sich Theater-Leiterin Bartkowiak nicht nehmen, als Königin Victoria an dem großen Tanz teilzunehmen. Für zahlreiche Lacher sorgte während des gesamten Stückes immer wieder der Parkwächter, der mit sächsischem Dialekt sang und für Ordnung sorgen wollte, es aber nie so recht schaffte. Ebenso komisch war das Zusammenspiel der Bediensteten der Familie Banks.

Während aller Szenen wurde eines aber komplett vergessen: Das Alter der Schauspieler, die keinen einzigen falschen Ton anstimmten und keinen Einsatz versäumten. Die magischen Elemente auf der Bühne sorgten vor allem bei den kleinen Zuschauern für Staunen. So zauberte Mary Poppins einen ganzen Hutständer aus ihrer kleinen Tasche oder schwebte federleicht mit ihrem Regenschirm Richtung Himmel. Das Bühnenbild war abwechslungsreich und aufwendig gestaltet. Dank LED-Wand konnten die Hintergründe schnell ausgetauscht werden. Ergänzt wurden die jeweiligen Szenen durch Requisiten wie eine begehbare Treppe oder das Hausdach der Familie, das mal über dem Geschehen schwebte, mal selbst als Kulisse diente. So zum Beispiel während des Liedes „Über die Dächer Schritt für Schritt“, in dem viele Schornsteinfeger auf den Dächern Londons tanzten. Mit Steppschuhen und schnellen Schrittfolgen brachten die talentierten Darsteller die Mooren-Halle zum Beben. Dabei bezogen sie das Publikum mit ein, denn sie verteilten glückbringende Rußflecken auf den Gesichtern der Zuschauer. Am Ende hielt es keinen Gast auf seinem Platz. Belohnt wurden die Darsteller mit minutenlangem Applaus. „Alles, was wir wollen kann passieren, wenn man das Herz am rechten Fleck hat“, so Bartkowiak nach der letzten Vorstellung. „So ist es bei meiner Gruppe und bei den Eltern, die das Bühnenbild gebaut, genäht und geholfen haben.“

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