„Offenes Scheuentor“ in Grefrath Musik, die das Publikum zu umarmen scheint

Grefrath · Unter dem Motto „Litauen – Saiten und Seiten“ präsentierte Schauspieler Markus Veith Texte von Rimantas Kmita, begleitet von der Harfenistin Giedre Siaulyte.

Die litauische Harfenistin Giedre Siaulyte zog auf dem Bautenhof in Grefrath das Publikum in ihren Bann.

Die litauische Harfenistin Giedre Siaulyte zog auf dem Bautenhof in Grefrath das Publikum in ihren Bann.

Foto: Norbert Prümen

(b-r) Die Vögel zwitscherten (nicht ganz) im Takt zu Händels Largo, ein Pferd wieherte in ein litauisches Volkslied hinein – das „Offene Scheunentor“ präsentierte am Sonntagnachmittag ein Konzert mit literarischen Einschüben mitten auf dem Land: auf dem Bautenhof in Grefrath. „Litauen – Saiten und Seiten“, so hatte die Grefrather Kulturinitiative (KinG) ihr Programm genannt. Eingeladen waren die litauische Harfenistin Giedre Siaulyte und der Dortmunder Schauspieler Markus Veith, der Texte des litauischen Autors Rimantas Kmita las.

Litauische Autoren, deren Werke in deutscher Übersetzung existieren, sind rar. Rimantas Kmita gehört zu ihnen. Er ist 1977 geboren. Mit dem 2016 erschienenen und 2019 übersetzten Roman „Die Chroniken des Südviertels“ lässt der Autor die Leser und Leserinnen in die Atmosphäre der 1990er Jahre in seinem Land eintauchen. Aus der Sicht eines Jugendlichen wird in dem Roman die Situation der Menschen nach dem Abzug der Sowjets im Umbruch zur Demokratie geschildert.

Schauspieler Markus Veith schlüpfte lesend gekonnt in die Rolle des 17-Jährigen, der mit seiner Freundin Pizza isst, Cocktails trinkt und über russische Literatur sinniert. Auch einen politischen Text von Rimantas Kmita stellte Veith vor: „Das schrecklich schöne Jahr 1989“ ist ein Essay, der auf nachdrückliche Weise den Grat zwischen Befreiung und Unfreiheit schildert.

Litauische Volkslieder
und schottische Melodien

Mit der Kombination aus Literatur und Musik ermöglichte die Kulturinitiative den Gästen einen Einblick in eine teilweise nicht ganz so vertraute Welt. Die in Litauen geborene Harfenist Giedre Siaulyte lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Sie entführte mit ihrem faszinierenden Spiel nicht nur nach Litauen und begeisterte mit einer Musik, die das Publikum zu umarmen scheint.

An der keltischen Harfe spielte sie mit Harfenbearbeitungen von Stücken von Händel und Pachelbel klassische Werke. Zur großen Freude des Publikums präsentierte sie mit „Down by the Salley Gardens“, „Greensleeves“ und „Glenlivet“ irische, englische und schottische Melodien. Litauische Volkslieder und die inoffizielle litauische Hymne interpretierte Giedre Siaulyte an der Klankes, einer an eine Zither erinnernde litauischen Harfe.

„Saiten und Seiten“ war die vierte Veranstaltung im Rahmen des Programms der Kulturinitiative in Grefrather Scheunen. Aus der Not geboren, weil ein Veranstaltungsort fehlte, kamen die Mitglieder der Initiative auf die Idee, auf Höfe zu gehen. Der Gitarrist Joscho Stephan war bereits zu Gast, eine Lesung und ein Poetry Slam wurden veranstaltet. Und das Erfolgsmodell geht weiter: Im Dezember wird die Jazzcombo Furiopolis mit Markus Türk und Manfred Heinen auf dem Bautenhof auf „Wilde Weihnachtsfahrt“ gehen.

(b-r)
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