Grefrath: Neues vom Niers-Flüsterer : Der Karneval braucht kreative Köpfe

Die kfd-Damen Mülhausen sind in der heißen Phase für ihren Auftritt. Im Niers-Geflüster geht es aber auch um Ausflüge und Essen.

Der Sekt steht auf dem Tisch, süße und salzige Knabbereien, Luftschlangen: Annemie Brehmer-Frohn, Ulrike Ebus, Hildegard Heller und Anke Melchers haben es sich am Esstisch von Hildegard Heller gemütlich gemacht. Sie prosten sich zu und stimmen an: „Nehmd et Gläske, un drenk et ut. Un maht om Joddes Wille nit son sure Schnut. Denn wenn he nit denge fiere, do jöv et nis tu amüsiere. En bötsche lache, da drht su juut, un die Welt süht drek janz angersch uut.“ Noch zwei weitere Strophen des Lieds „Gläske“ folgen. „Wir stoßen bei jedem unserer Treffen auf eine gute Session an“, sagen die jecken Damen der Katholischen Frauen (kfd) St.Heinrich Mülhausen. Sie bereiten zurzeit ihre Auftritte für die Damensitzung am 19. Februar in der Oedter Albert-Mooren-Halle vor. Weitere Frauen haben ihre eigenen Treffen, so dass es schließlich 15 bis 20 Akteure auf der Bühne sein werden, die bis zu 17 Programmpunkte zeigen werden. Und somit ihren Gästen ein fast vierstündiges Programm unter dem Motto „Die kfd reist durch die Zeit – mit Frohsinn, Spaß und Heiterkeit“ bieten können.

Männer haben keinen Zutritt

Die Frauen, die sich wöchentlich bei Hildegard Heller treffen, sind im kfd-Karneval alten Hasen, pardon Häsinnen. Denn Männer sind bei der Sitzung tabu und auf der Bühne höchstens als Musiker geduldet. Anke Melchers, die aus Süchteln nach Mülhausen eingeheiratet hat, ist schon seit 40 Jahren dabei. Ihre Spezialität sind Sketche und Büttenreden. An ihr erstes Thema kann sie sich noch gut erinnern: „Heute fahre ich nach Kevelaer, oh Maria, cha-cha-cha.“ Sie denkt immer noch gerne an die vielen Lacher, die sie dafür bekommen hat. Bei den Sketchen tritt sie auch mit Annemie Brehmer-Frohn auf. Die seit 30 Jahren beim kfd-Karneval mitmacht. Zusammen mit ihrem Mann ist sie von Düsseldorf nach Mülhausen gezogen, in ein altes Haus. Das sei damals schon was gewesen. „Die Leute haben sich gefragt, was die Jungen in einem alten Gemäuer wollen.“ Sie habe sich dann eine Karte für die kfd-Sitzung besorgt. „Dort saß ich neben einer alten Frau, die mir erzählte, dass sie früher auch aufgetreten sei.“ Brehmer-Frohn bot ihr an, im nächsten Jahr mit ihr zusammen aufzutreten. Sie habe dann nichts mehr gehört. „Zwei Monate vor Karneval stand die alte Bäuerin dann vor meiner Tür und fragte, was denn nun mit Karneval wäre.“ Dass sie bei einem Mülhausener Urgestein und Original in die karnevalistische Lehre ging und erstmal Mundart lernen musste, erfuhr sie dann später. Gertrud Werkes war ihre Lehrerin. Der erste gemeinsame Sketch hieß „Neue Mägde“.

Kulissenschieben und Schminken

Ulrike Ebus ist mit 14 Jahren „zugewandert“, weil sie eine Ausbildung im Kloster gemacht hat. Sie ist geblieben und hat unter anderem früher mit ihrem Mann die Bahnhofsgaststätte betrieben. Seit 30 Jahren ist sie beim Karneval der Mülhausener Frauen dabei. Sie ist vor allem dafür verantwortlich, dass die richtigen Requisiten für die jeweiligen Auftritte auf der Bühne sind und auch wieder verschwinden. „Ich bin Kulissenschieber“, scherzt sie. Denn so richtige Kulissen wie beim Theater gibt es bei der Sitzung nicht. „ich bin von weither nach Mülhausen gezogen“, sagt Hildegard Heller. „Von Oedt.“ Etwa seit 40 Jahren ist die Besitzerin des Mülhausener Friseursalons beim Karneval aktiv. Schminken, Perücken und Tanzen sind ihre Fachgebiete. „Obwohl wir keine richtigen Tänze mehr machen. Das ist dann eher Klamauk“, erklärt sie.

Fläschchen werden versteckt

Einen Tag vor Altweiber läuten die Katholischen Frauen in Mülhausen den Karneval ein. Das hat Tradition. Wie auch das Altweiberfrühstück. Früher fand beides im Saal Renkes statt. Heute wird der sogenannte Begräbniskaffee mit allem Zipp und Zapp für Magen und Stimmung im Restaurant des Niershorstflughafen bestellt. Annemie Brehmer-Frohn zögert und erzählt dann doch, weil es ja besonnene Vergangenheit ist. „Es wurden oft Runden gegeben. Dann wurde mit der Flasche auf den Tisch geklopft und getrunken. Ich konnte nur nicht viel vertragen. Also habe ich mir die noch geschlossene Flasche an den Mund gesetzt, so getan als ob und sie in meiner Tasche verschwinden lassen.“ Das sei lange gut gegangen. Bis sie den Trick einer „Leidensgenossin“ verraten habe, die aber dann eines Tages euphorisch aufgesprungen sei und die Flaschen aus ihrer Tasche gepurzelt seien...

Aussetzer auf der Bühne

Die gute Stimmung an Altweiber beflügelt die kfd-Damen, so dass sie bei diesem Termin bereits das Thema für die nächste Session kreieren. Nach Weihnachten geht es dann in die kreative Detailplanung. Obwohl Annemie Brehmer-Frohn, Ulrike Ebus, Hildegard Heller und Anke Melchers mal mehr, mal weniger Lampenfieber vor der Sitzung haben, fühlen sie sich dann auf der Bühne Zuhause. „Die Verkleidung hilft“, sagt Brehmer-Frohn. Sie lieben ihre Auftritte und den Erfolg. „Meistens merken die Zuschauer die Patzer nicht“, sagen sie. Es sei denn, frau hat einen Hänger. Wie Anke Melchers als Vogel, der Flugunterricht bekommt. „Auf einmal war der Text weg und ich hing da so mit ausgebreiteten Armen.“ Ihr sei es wie eine Ewigkeit vorgekommen. „Wir filmen unsere Sitzungen. Später habe ich auf der DVD gesehen, dass es nur ganz kurz war, bis ich wieder weiterwusste.“ Gute Tradition hat auch der jährliche Orden, den die Frauen entwerfen und an die Akteure und Helfer verteilen. „Das machen wir alles selbst. Wie Kostüme, Requisiten und ähnliches“, sind die Frauen stolz. Dennoch würden sie gerne mehr Nachwuchskräfte haben. Wer sich dafür interessiert, kann sich bei Hildegard Heller melden, Tel. 02158/5182. Dort gibt es auch noch Karten (15 Euro für Mitglieder, 18 für Nichtmitglieder) für die Sitzung in der Oedter Albert-Mooren-Halle. Beginn 15.11 Uhr. Dafür gibt es Kaffee, Kuchen und ein halbes Brötchen. Dazu hoffen die Katholischen Frauen auf Spenden, diese sind immer für einen guten Zweck. In diesem Jahr ist er für den „Abend der leuchtenden Augen“ von Ayse Berdibey gedacht. Bis zu 700 Euro sei schon bei den Sitzungen eingenommen worden, ist Brehmer-Frohn stolz.

Wandern und Grünkohlessen

Auch wenn die jecke Jahreszeit Fahrt aufnimmt, es gibt auch andere Vergnügungen. Raus in die Natur zieht es den Heimatverein Grefrath. Er lädt für Samstag, 1. Februar, zu einer Wanderung durchs Kempener Land und die Niersauen zur Gaststätte Buschbäckerhof in Vinkrath ein. Treffpunkt ist um 14.30 Uhr am Bergerplatz. Von dort geht es mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Klixdorf. Im Anschluss an die etwa zweistündige Wanderung besteht ab etwa 17 Uhr die Möglichkeit zum Grünkohlessen im Buschbäckerhof. Anmeldungen dafür sind bis 29. Januar per E-Mail: info@heimatverein-grefrath.de oder telefonisch bei Frank Planken, Tel. 0172/5141 477 möglich. Die Kosten für das Grünkohlessen: 9,50 Euro.

Ausflug ins Bergwerk

Ebenfalls einen Ausflug hat der Oedter Heimatverein geplant. Die Teilnehmer zieht es am 15. Februar zum Besucherbergwerk „Grube Wolfarth“ in Hellenthal-Rescheid. Nach der Führung gibt es im Ort ein gemeinsames Mittagessen im Restaurant „Zum Bergmannstreff“. Die Kosten für Fahrt, Eintritt, Führung und Mittagessen betragen 45 Euro. Nach dem Essen gibt es noch einen Abstecher zum „Ardenner Kultur Boulevard“ an der belgischen Grenze. Rückkehr nach Oedt wird gegen 18 Uhr sein. Anmeldungen nimmt der Vorsitzende des Heimatvereins, Karl A. Willmen, unter Tel. 02158/6315 entgegen.

Pferd galoppiert über Leinwand

Im heutigen Niers-Geflüster wird auch an Kinder gedacht. Denn die Evangelische Kirchengemeinde Grefrath lädt für Sonntag, 26. Januar, 17 Uhr, zum Kirchenkino in den Jugendkeller der evangelischen Versöhnungskirche in Oedt am Bergweg 2 ein. Gezeigt wird der zweite Teil des Kinoerfolgs mit dem Pferd namens Ostwind. Der Eintritt ist wie immer frei. Um Anmeldung wird bis Freitag bei Karin Rosenstengel gebeten, Tel. 02158/405 678 oder per E-Mail an:

rosenstengel-jugendarbeit@web.de

So wird Dinkelbrot gebacken

Und zum Schluss gibt es noch einen Tipp für selbstgebackenes Dinkelbrot. Hardy Kreutschmann, Grefrather Bäckermeister und Hersteller des Dorenburg-Brotes, verrät Tipps und Kniffe seines Handwerks. Er vermittelt Wissenswertes rund um die verwendeten Zutaten. So fügt er beispielsweise Waldstaudenroggen, geröstete Sonnenblumenkerne und Lupinenschrot zum Teig hinzu, um den fein nussigen Geschmack des Dinkels abzurunden. Abschließend werden die Brotteiglinge im historischen Steinbackofen des Freilichtmuseums gebacken. Das Seminar findet dort am Samstag, 1. Februar, ab 10 Uhr, Freilichtmuseum 1, statt. Der Kurs dauert rund fünf Stunden und kostet 25 Euro. Wer teilnehmen möchte, kann sich anmelden unter der Tel. 02158/91730 oder per Mail:

freilichtmuseum@kreis-viersen.de