Grefrath: Mit dem Niers-Flüsterer in der Natur unterwegs : Ruhiges Wasser und gespaltener Baum

Zum Start der Sommerzeit geht’s im heutigen Niers-Geflüster wieder auf eine Wanderung in der Natur – trotz Autolärms. Aber auch um Frühlingslieder und harte Arbeit.

Die Sommerzeit ist da, die Sonne tritt immer öfter und stärker in den Vordergrund: Das schreit förmlich nach Bewegung an der frischen Luft. Und die soll ja auch gut gegen die Frühjahrsmüdigkeit helfen. Also hat sich der Flüsterer wieder auf Wanderschaft begeben. Dieses Mal ist es eine kleine Tour, etwa ein Stündchen. Den Rundwanderweg empfehlen die Mariendonker Schwestern ihren Gästen. Ergo ist Start und Ziel am Benediktinerkloster in Mülhausen, Niederfeld 11. Sollten Sie sich mit Kindern auf den Weg machen – aber auch zum eigenen Vergnügen – können Sie im Vorfeld ein kleines, stabiles Holzfloß aus Naturmaterialien basteln, das später zu Wasser gelassen werden kann.

Neersdommer Mühle gibt
es seit dem 14. Jahrhundert

Und los geht’s. Sie lassen das Kloster rechts liegen, gehen über die kleine Brücke, die über die Schleck führt, und wenden sich direkt nach links und laufen auf die Neersdommer Mühle zu. Die im 18./19. Jahrhundert entstandene Hofanlage steht unter Denkmalschutz. Die Mühle selbst wird schon viel früher in einer Grenzbeschreibung des Jahres 1348 erwähnt. Eine Urkunde aus dem Jahr 1354 verrät, dass die Mühle dem Herzog von Geldern gehörte. Dieser verkaufte sie an seinen Lehnsmann Johan von Honselaer. 1522 kam die Neersdommer Mühle an das Erzstift Köln, das die Mühle dann nur noch auf Zeit verpachtet hat. Als die Franzosen am Niederrhein das Sagen hatten, wurde die Mühle konfisziert und an Peter Heinrich Stieger verkauft. Die letzte Erbin war Johanna Stieger, die den gesamten Besitz zwischen 1899 und 1904 den Mariendonker Benediktinerinnen vermachte. In ihrer Blütezeit besaß die Mühle mit ihren vier Mahlwerken große Bedeutung. Sie war Tag und Nacht im Einsatz. Ende des 19. Jahrhunderts ging es dann allgemein mit dem Mühlen-Geschäft abwärts. Der Mahlbetrieb wurde 1942 wie die Erzeugung von Strom und der Nutzung zur Bewässerung eingestellt. Ein Stückchen weiter die Straße entlang gibt es auf der rechten Seite eine Hinweistafel wie an dieser Stelle im Jahr 1786 die historischen Grenzen verliefen. Leider ist die Tafel etwas verwittert, so dass nicht alles gut zu lesen ist. Jetzt geht es den Neersdommer Weg noch etwas weiter bis zum Rastplatz Schlick und dem Hinweis auf den Naturerlebnispfad (Kennzeichnung X). Sie müssen links abbiegen und der Schleck folgen, die nach ein paar Metern in die Niers münden. Nun kommt das Floß zum Einsatz. Entweder, Sie lassen es in der Schleck starten und sehen, wie es in die Niers abbiegt und dort weiter segelt. Oder setzen es direkt ins Nierswasser. Sinnvoll ist es, sich nun einen langen Ast zu suchen, damit Sie das Gefährt, wenn es sich am Ufer verfängt, wieder wegstoßen können.

Es flattert und schwirrt
im Schutzgebiet

Der Weg folgt der Niers ein ganzes Stück. Auf der rechten Seite sind Felder und Wiesen. Ein Hingucker ist dort eine Weide, deren Stamm anscheinend von einem Blitz getroffen und bis kurz über dem Boden gespalten wurde. Die Stammteile mit Ästen haben sich nun rechts und links neben dem kurzen, intakten Stammstück flach hingelegt und treiben wieder aus. Das Ganze sieht nun aus wie ein surrealer Naturbaum. Links auf der Niers ziehen schon erste Schwäne ihre Runden und am gegenüberliegenden Ufer sitzen Enten auf ihren Nestern. Das Gebiet gehört zum Naturschutzgebiet Vorster Feld in Wachtendonk. Es gibt aus eine Aussichtsplattform, von der man gut aufs andere Ufer blicken kann – auf die typische Niersauen-Landschaft mit Schilf, Kleingewässern und Bruch- und Auenwäldern. Also Natur pur, in der jetzt schon Zitronenfalter und Pfauenauge neben Bienen und Co. herumflattern beziehungsweise schwirren.

Autobahnlärm kontra Naturerlebnis

Das mit der Natur pur hört zumindest akustisch langsam auf, denn der Wanderweg nähert sich der A 40. Während die Niers ruhig unter der Autobahnbrücke hindurchfließt, geht es für den Wanderer nach rechts ab und der Autobahn entlang. Links Straße, rechts Felder, dann kommt ein kleines Wäldchen und schließlich wieder der Neersdommer Weg, in den Sie rechts abbiegen. Am Horizont ist die Abtei zu entdecken. Der letzte Abschnitt, an einigen gepflegten Gehöften und schließlich wieder der Neersdommer Mühle vorbei, ist das Ziel erreicht.

Oedter Heimatverein
auf Vogelpirsch

Das heutige Niers-Geflüster verdient sicherlich das Prädikat naturverbunden. Denn es geht weiter mit Vögeln.  Zur Erkundung derselbigen lädt der Oedter Heimatverein für Samstag, 13. April, ein. Frei nach dem Motto „Der frühe Beobachter sieht den Vogel“ geht es bereits um 5.30 Uhr ab dem Schulparkplatz Am Schwarzen Graben los. Mit von der Partie ist Biologin Stefanie Pleines von der Biologischen Station Krickenbecker Seen. Nach der Wanderung geht es zum gemeinsamen Frühstück in Tonis Bauerncafé. Auf dem Programm steht auch noch das Singen von Frühlingslieder mit Gitarren-Begleitung. Anmeldung beim Vorsitzenden des Heimatvereins, Karl A. Willmen, Tel. 02158/6315.

Dauerausstellung
vom Flachs zum Leinen

Um die Flachsverarbeitung am Niederrhein geht es im Freilichtmuseum. Und zwar in der neuen Dauerausstellung „Vom Flachs zum Leinen“, die in der Hofanlage Hagen zu sehen ist. Der Anbau von Flachs hat am Niederrhein eine lange Tradition, die von der Antike über das Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts reicht. Die Verarbeitung zum Leinen bestimmte früher das Leben vieler Menschen in der Region. Schon lange Bestandteil des Freilichtmuseums ist die  ehemalige Flachsdarre der Hofanlage Hagen. Dort sind die verschiedenen Arbeitsschritte von der Ernte bis zur Gewinnung der wertvollen Faser dargestellt. Diese Entwicklung der Pflanze zeigt das Museum in vier Vitrinen. Ergänzt wird die Präsentation durch eine Schautafel für Kinder: Elf Illustrationen und altersgerechte Texte veranschaulichen den jüngeren Besuchern die Verarbeitung der Pflanze.

Museumsweberin
zeigt. wie’s geht

Der zweite Ausstellungsbereich befindet sich in einem landwirtschaftlichen Speichergebäude der Hofanlage Hagen. Anhand von Schautafeln und Ausstellungsstücken wird dort die Verarbeitung der Flachsfaser mit dem Spinnrad zu Garn und schließlich mit dem Webstuhl zu Leinenstoff gezeigt. „Auf dem Land diente die Arbeit als Nebenerwerb zur Sicherung der Existenz. In den Städten arbeiteten Spinnerinnen und Weber hauptberuflich in den Leinenfabriken“, erklärt Kevin Gröwig, stellvertretender Leiter des Freilichtmuseums. Unmittelbar an den Ausstellungsbereich ist nun die Schauweberei des Freilichtmuseums angegliedert. Museumsweberin Silke Heks gewährt dort den Besuchern einen Blick auf ihre Arbeit und verkauft die im Museum gewebten Stücke. In der sogenannten Miertz-Kate ist vor allem das soziale Leben der Heimarbeiter im Leinengewerbe dargestellt.