Grefrath: Nach Enten sind nun auch kranke Schwäne gefunden worden

Kranke Tiere : Vergiftungen an der Niers: Sind nun auch Schwäne betroffen?

Freiwillige Helfer kümmern sich neben Enten um weitere erkrankte Vögel. Von den Behörden fühlen sie sich zum Teil im Stich gelassen. Die Wasserqualität ist laut Niersverband in Ordnung.

Familie Pfeiffer aus Oedt hat sich in den vergangenen Tagen unter Tierfreunden einen Namen gemacht. Was die Pfeiffers auf der einen Seite freut, führt auf der anderen Seite dazu, dass Aufgaben und Verantwortung wachsen. So kam es am Wochenende dazu, dass bei den Oedtern drei Schwäne abgegeben worden sind, wie Birgit Pfeiffer im Gespräch mit der WZ berichtet. Nach ihren Angaben waren die Schwäne erkrankt und hatten die selben Symptome wie die rund 50 Stockenten, die seit dem vorletzten Wochenende am sogenannten Botulismus erkrankt oder gar gestorben sind (die WZ berichtete).

„Ein Schwan wurde an der Niers gefunden“, so Birgit Pfeiffer. Und zwar in der Nähe des Bereiches in Mülhausen, an dem in den vergangenen Tagen kranke und tote Enten gefunden worden waren. Die anderen beiden Schwäne seien der Oedter Familie aus Nettetal gebracht worden. Wie berichtet, hatte der Kreis Viersen mitgeteilt, dass es offenbar auch auf und an den Nette-Seen Probleme mit dem Botulismus gibt. „Beim größeren Schwan, der an der Niers lag, waren die Lähmungserscheinungen schon sehr weit fortgeschritten“, berichtet Birgit Pfeiffer, die die traurige Nachricht hinterher schiebt, dass das Tier bereits gestorben sei.

Die anderen beiden jüngeren Schwäne, die in Nettetal gefunden worden waren, seien aber schon auf dem Weg der Besserung. Um die Pflege kümmert sich Familie Pfeiffer aber nicht selbst. „Schwäne sind da schon eine andere Hausnummer als Enten“, so die Tierfreundin. Daher habe sie die Tiere gemeinsam mit ihrem Mann Dirk nach Hattingen in eine Auffangstation gebracht. Dort würden sich die beiden Jungschwäne gut erholen. Um dies zu erreichen, haben die Pfeiffers eine nächtliche Fahrt nach Westfalen angetreten.

Vor allem deshalb, weil sie sich von weiten Teilen der Behörden in Grefrath und Nettetal im Stich gelassen fühlen. Im Gespräch mit der WZ bestätigt Birgit Pfeiffer diesen Eindruck, den ihr Mann Dirk bereits am Wochenende via Facebook kundgetan hatte. Lediglich zur Unteren Wasserschutzbehörde des Kreises Viersen bestehe über den Verein „Notfelle Niederrhein“ ein guter Draht. Seitens des Kreises werde sich auch „wirklich gekümmert“, so Birgit Pfeiffer. Kontakte zum Grefrather Amt habe es gar nicht gegeben. Dort scheine man sich gar nicht für das Thema zu interessieren, so die Tierschützerin.

Noch schlimmer sei der Eindruck aus Nettetal. „Die Leute, die uns die beiden Schwäne gebracht haben, berichteten, dass das Ordnungsamt dort nichts unternommen hat“, so Pfeiffer. Die Bürger hätten das Ordnungsamt kontaktiert. „Sie haben nur die Antwort bekommen, die Tiere dort liegen zu lassen. Auf die Rückantwort, dass sich die Schwäne auf einer Straße befinden und möglicherweise überfahren werden könnten kam die Aussage ,Dann ist das eben so’.“

Von dieser Kommunikation zwischen Behörde und Bürgern ist der Pressestelle der Stadt Nettetal nichts bekannt. Auf Nachfrage der WZ hieß es am Montag, dass sich eine „ältere Dame aus Breyell“ am Samstagmorgen beim Ordnungsamt gemeldet hätte. Sie habe gesagt, dass sich zwei Schwäne auf ihrem Grundstück befänden. Zudem habe sie ergänzt, dass sie die Tiere schon mit Futter und Wasser versorgt habe. Laut Pressestelle hat ein Mitarbeiter des Nettetaler Ordnungsamt der Frau gesagt, sie solle abwarten, ob die Tiere nach einer Stärkung weiterziehen würden. „Die Frau hat unserem Mitarbeiter keineswegs vermittelt, dass es den Schwänen schlecht geht“, heißt es aus dem Presseamt. Nach diesem Gespräch habe es keine weitere Kontaktaufnahme seitens der Dame gegeben. Andere Bürger hätten sich nicht in Sachen Schwäne gemeldet.

Kreis Viersen hat Kenntnis
von zwei erkrankten Schwänen

Trotz der Meldungen seitens der Tierschützer via Facebook lagen dem Kreis Viersen am Montag zunächst keine weiteren Fälle von erkrankten oder gar toten Tiere vor. „Das Veterinäramt des Kreises Viersen hat keine weiteren Meldungen erhalten“, sagte Behördensprecher Markus Wöhrl am Montag gegen 15 Uhr auf Anfrage. Eine gute Stunde später teilte er aber mit, dass der Kreis Kenntnis von zwei erkrankten Schwänen (Jungtiere) habe. Diese würden von der Greifvogelhilfe Brüggen aufgepäppelt. Es könnte sich also durchaus um andere Vögel handeln, als diejenigen, die laut Tierschützern in Hattingen betreut werden. Ob der Kreis eine weitere Ursachenuntersuchung durchführen lässt, sei offen.

Grundsätzlich bekräftigte Wöhrl am Montag, dass die Wasserqualität der Niers in Ordnung sei. Der Niersverband sei in seinen Untersuchungen zum Ergebnis gekommen, dass nichts zu beanstanden sei. Auch wenn die Stockenten zum Teil auf der Niers gefunden worden seien, liege die Ursache in Nebengewässern. Dort habe sich der Botulismus-Erreger (Clostridien) verbreitet. „Das ist eine Verkettung von Umständen. Das Wasser erwärmt sich und nimmt weniger Sauerstoff auf. Die Algen wachsen, Bakterien vermehren sich“, hatte Barbara Heun-Münch, Geschäftsbereichsleiterin Tiergesundheit beim Veterinäruntersuchungsamt in Krefeld, bereits in der vergangenen Woche der „Rheinischen Post“ gesagt. Besonders in ruhigen und stehenden Gewässern könnten sich die Botulin-Toxine – vor allem bei Hitze – vermehren. Wasservögel reagierten darauf, Fische hingegen nicht, ebenso wenig Menschen, so die Expertin.

Der Kreis Viersen hatte nach den Enten-Funden eine Untersuchung beim Krefelder Amt in Auftrag gegeben, um die Vogelgrippe als Ursache ausschließen zu können. Der Kreis rät Hundebesitzern weiterhin, jeglichen Kontakt ihrer Tiere mit Kadavern oder erkrankten Vögeln zu vermeiden. „Wer verstorbene Enten findet, sollte sie grundsätzlich nur mit Handschuhen anfassen. Sofern ein Hautkontakt stattgefunden hat, sollte auf die übliche Hygiene geachtet werden. Im Nachgang sollten Hände und alle Gegenstände, die mit den Tieren in Berührung gekommen sind, gereinigt und mit handelsüblichen Mitteln desinfiziert werden. Tote Tiere müssen ordnungsgemäß an die Tierkörperbeseitigungsanstalt weitergeleitet werden. Dazu sollte die Feuerwehr verständigt werden“, heißt es in einer Mitteilung. Auch zur Rettung noch lebender Tiere habe die Feuerwehr die entsprechenden Kontaktdaten der örtlichen Behörden. Bürger, die Wasservögel finden, sollten also einfach die 112 anrufen.

Enten sind in Oedt schon
auf dem Weg der Besserung

In Sachen Stockenten hatte Birgit Pfeiffer am Montag übrigens gute Nachrichten. Ein Großteil der Tiere, die aufgepäppelt worden seien, habe man schon wieder auswildern können – mit Unterstützung des Vereins „Notfelle Niederrhein“. Lediglich vier Enten befänden sich noch in der Obhut von Familie Pfeiffer. „Und denen geht es auch von Tag zu Tag besser.“

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