Demonstrationszug in Grefrath Mehr als 400 Menschen für Toleranz und gegen Ausgrenzung

Grefrath · In Grefrath sind am Samstag die Menschen für Toleranz und gegen Ausgrenzung auf die Straße gegangen.

Mehr als 400 Teilnehmer waren bei der Kundgebung auf dem Grefrather Marktplatz, um zu demonstrieren.

Mehr als 400 Teilnehmer waren bei der Kundgebung auf dem Grefrather Marktplatz, um zu demonstrieren.

Foto: Norbert Prümen

(akn) Dichtgedrängt stehen die Teilnehmer der Kundgebung auf dem Grefrather Marktplatz. Ein Bündnis aus 30 Vereinen, den Kirchen und Parteien setzen am Samstag ein starkes Zeichen gegen Rassismus und Intoleranz. Veranstalter ist die Kulturinitiative Grefrath (KinG). Die Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft des Grefrather Bürgermeisters Stefan Schumeckers (CDU).

Markus Türk, Vorsitzender der Initiative, geht gleich zu Beginn auf das gemeinsame Anliegen der Teilnehmer ein, ein Zeichen zu setzen „für Demokratie, für unser Grundgesetz, für die Werte, die unser Land stark gemacht haben, wir stehen auf gegen Rechtsextremismus und Ausgrenzung, gegen Hass, Hetze und Lügen“, betont er in seiner Eröffnungsrede vor mehr als 400 Kundgebungsteilnehmern.

Teilnehmer aller Generationen sind gekommen, zum Teil mit Plakaten, auf denen zu lesen ist: „Denke und handele so, als wenn die AfD etwas dagegen hätte“ oder sie übersetzen AfD mit „Aus für Demokratie!“ Dieser rote Faden zieht sich durch alle Reden. Die Erinnerung an 1933 und an die Folgejahre der Diktatur ist präsent.

„Wehret den Anfängen!“, ist auch das Anliegen von Winfried Hüren (86), der noch in der Nazi-Zeit geboren, doch vom Grundgesetz geprägt wurde, wie er in seiner sehr beeindruckenden und persönlich gehaltenen Rede betont. „Die AfD vergiftet das Klima im Bundestag und greift die Demokratie an“, betont Hüren und ruft zur Teilnahme an der Europawahl auf.

Irmgard Tophoven, die seit Jahrzehnten die Verbrechen der Nazis an den jüdischen Menschen in Grefrath und Oedt erforscht und bei zahlreichen Veranstaltungen die Erinnerungskultur pflegt, erhebt ihre Stimme gegen den Rechtsextremismus und warnt vor jeder Form der Ausgrenzung. Sie sagt, „jetzt ist die Zeit, den Mund aufzutun.“

Es ist ganz still, als Mohamad Alabrash (24) seine Flüchtlingsgeschichte erzählt. Der Migrant aus Syrien lebt seit kurzer Zeit in Grefrath, hat Deutsch gelernt und ist gut integriert. Die Schilderung über seine Flucht über das Mittelmeer und der weitere Weg nach Deutschland löst bei den Zuhörern große Betroffenheit aus.

Jung und Alt kommen zusammen, um die Demokratie zu schützen und sie an diesem sonnenreichen Wochenende zu feiern. Das Grundgesetz ist gerade 75 Jahre alt geworden, und das beginnt mit der Würde des Menschen. Darauf verweisen auch Johanna Becher (26) und Lilian Arnhold (13) vom Grefrather Jugendtheater. Sie zeigen auf, wie Wörter ausgrenzen können und rufen zur Toleranz auf.

Begleitet von der „Dorenburgers Free Marching Band“ unter ihrem Leiter Markus Türk zieht der mehrere Hundert Meter lange Zug durch die Straßen von Grefrath, vorbei an den Häusern der zuerst ausgegrenzten, dann verfolgten und ermordeten jüdischen Familien, durch die Ortsmitte zum Markt, wo sich der Zug schließlich auflöst.

Grefrath ist aufgestanden und hat mit dieser beeindruckenden Veranstaltung ein deutliches Zeichen für Demokratie und Toleranz und gegen Rechtsextremismus und Ausgrenzung gesetzt.

(akn)
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