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Grefrath: CDU-Bürgermeisterkandidat Stefan Schumeckers im Interview

Kommunalwahl : „Grefrath ein neues Image verpassen“

Stefan Schumeckers will Bürgermeister von Grefrath werden. Nun stellte sich der CDU-Kandidat den Fragen der WZ.

Die heiße Phase eines Wahlkampfes werden die letzten Wochen vor dem Wahltermin gerne genannt.  In diesem Jahr stehen in NRWs Kommunen Bürgermeister- und Ratswahlen an. So entscheidet sich am 13. September  –  oder im Falle einer Stichwahl am 27. September – unter anderem, welcher der drei Grefrather Bürgermeisterkandidaten zum 1. November die Leitung des Rathauses übernimmt. Die da wären: Stefan Schumeckers (CDU), Jens Ernesti, Mitglied der Grünen, der sich aber als überparteilicher Kandidat beworben hat und von den Grünen, der FDP sowie der Wählergemeinschaft GOVM unterstützt wird, und Roland Angenvoort (SPD). 2020 beschert den Bürgern durch Corona einen bislang ungewöhnlichen und reduzierten Wahlkampf. Die WZ hat mit allen Kandidaten Interviews geführt. Zum Auftakt lesen Sie das Interview mit CDU-Kandidat Stefan Schumeckers.

Herr Schumeckers, warum wollen Sie überhaupt Bürgermeister werden?

Stefan Schumeckers: Als Ur-Grefrather habe ich viel Herzblut für die Gemeinde. Als Architekt für die Stadt Viersen betreue ich viele kommunale Objekte. Und beobachte auch aus dieser Sicht das Geschehen in Grefrath. Hier muss etwas bewegt werden. Die Leute wollen was sehen. Und das ist schwierig in einer engen finanziellen Situation. Die städtebauliche Entwicklung Oedts, das Thema Rathaus und die Landesgartenschau interessiert mich sehr. Ich habe mich für Letzteres auch vor etwa zwei Jahren bei Wirtschaftsförderer Jens Ernesti als ehrenamtlicher Helfer beworben. Ich habe immer gesagt, ich bin mit ganzem Herzen Feuerwehrmann, aber für die Landesgartenschau könnte ich schwach werden und aufhören. Das könnte jetzt geschehen. Ein anderer Punkt: Man findet manchmal schwer Gehör. Zum Beispiel beim Rettungsdienstbedarfsplan. Dabei hat man Grefrath nicht so im Fokus gehabt. Als Außenstehender kann man da wenig bewegen. Und ich bin auch aus verschiedenen Richtungen angesprochen worden, ob ich mich nicht als Bürgermeister bewerben will. Politisch bin ich auf dieser Seite des Tisches sicherlich etwas unbedarfter als meine Mitbewerber, aber beruflich erfahren, vor die Politik zutreten und daher nicht unwissend. In den klassischen Bereichen, die man als Bürgermeister braucht, bin ich gut aufgestellt. Ich habe 20 Jahre Verwaltungserfahrung. Den Rest kann man auch erlernen.

Sie haben den Rettungsdienstbedarfsplan des Kreises Viersen erwähnt, der gerade verabschiedet wurde. Ist der Plan jetzt so, dass Grefrath damit leben kann?

Schumeckers: Der zukünftige Amtsinhaber sollte da trefflich drauf achten. Die Auswertungen müssen ständig kontrolliert werden. Insbesondere mit Blick auf Vinkrath. Und auch die Entwicklung, was mit der Rettungswache in Lobberich geschieht und wie weit sie Grefrath bedienen kann, muss beobachtet werden.

Sie sind erst vor Kurzem in die CDU eingetreten. Warum?

Schumeckers: Ich bin eingetreten, nachdem ich gefragt worden war, ob ich Bürgermeister werden will. Ich wäre auch als Parteiloser getragen worden. Ich wollte aber in diesem Sinne Flagge zeigen. Dort sind Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten kann. Auch wenn man eine Parteizugehörigkeit hat, kann man trotzdem als Bürgermeister über die einzelnen Parteien hinwegsehen. Vielleicht auch mal dagegen stimmen. Ich sehe das Amt als neutralen Posten. Nehmen wir mal meinen Beruf. Es gibt wahrscheinlich nur wenig Ingenieure, die Bürgermeister werden wollen. Als Ingenieur haben Sie eine andere Herangehensweise. Beispielsweise beim Thema Rathaus oder Freibad. Da sucht man erst nach Fakten, nimmt vielleicht auch ein paar Skizzen zur Hand. Zunächst wird ein Bedarf entwickelt, um dann mit einer Grundlage an Fakten ins Gespräch gehen.

Sehen Sie sich in der Lage, das auch ohne Rückenwind der CDU zu schaffen? Und nicht wieder zurückzufallen in die Zeit der Mäurers-Ära, als der Bürgermeister das gemacht hat, was die CDU gesagt hat?

Schumeckers: Ich will ein Bürgermeister für alle Grefrather sein.  Neue Ideen bringen neuen Schwung. Nehmen wir das Beispiel der Auftaktveranstaltung zur Landesgartenschau. Da sind so viele Ideen gekommen, auf die man selbst vielleicht nicht kommt. Oder der Grefrather Marktplatz. Er ist städtebaulich schön, aber es muss wieder ein bisschen Leben eingehaucht werden. Mit einem Workshop könnte man Ideen generieren, ohne den Haushalt zu sehr zu belasten. Mit einfachen Veränderungen beispielsweise an den Fassaden oder einem Gastronomie-Pavillon in der Mitte und einer entsprechenden Verkehrsführung kann man schon viel erreichen

Kommen wir zum Thema Bauen. Was sehen Sie da für Grefrath, was muss angepackt werden?

Schumeckers: Die Schulen. Hier war ich die letzten Jahre maßgeblich als leitender Ingenieur tätig. Ich sehe ganz klar die Ertüchtigung der Schulzentren. In Grefrath gibt es den Bedarf an einem Lehrerzimmer. Ich habe die Idee aufgebracht, im ehemaligen Lehrschwimmbecken eine Mensa einzurichten. Das würde den Rückbau zu Klassenräumen ermöglichen und Platzprobleme lösen. Ebenfalls könnte man das Dachgeschoss ausbauen: einen Treppenturm ansetzen und wir haben im Bestand zusätzliche raumkapazitäten geschaffen. Rathäuser sind ein weiterer Punkt. Geht für mich so gar nicht. Ich würde beide in Oedt und Grefrath behalten. In Oedt bleibt das Heimatmuseum. Welche Ämter dann wo untergebracht werden, müsste noch entschieden werden. In Grefrath würde ich den Altbau so belassen, die Anbauten weg und ein zweigeschossiges Gebäude als Funktionsbau errichten – vielleicht im Holzbausystem. Ich würde die Außenanlage auch mit anpacken. Wir haben dort ja noch das Jugendheim und die Feuerwehr. Das ist schon eine kleine kommunale Insel. Das ist beherrschbar. Für die Baumaßnahme könnte man als Unterbringung für das Personal Container nehmen oder vielleicht bei Johnson Controls für die Zeit einziehen.

Was heißt beherrschbar?

Schumeckers: Wir haben das große Glück, dass Grefrath noch Geld hat. Doch das ist nicht abrufbar, weil das Personal fehlt. Also müssen wir erstmal aufstocken. Die neue Struktur der Amtsleiter, die Manfred Lommetz eingeführt hat, würde ich so belassen. Das Ordnungsamt hat zu wenig Leute.  Bauen wird immer komplexer, dafür brauche ich Ingenieure und die Bezahlung für Ingenieure. Es gibt so viele Regularien und Verfahren. Dazu kommt noch das Fördermittelmanagement. Das sind so viele Hürden. Das können die vorhandenen Leute einfach nicht schaffen. Für das, was wir vorhaben, geht es nicht. Vielleicht müssen dann auch andere Wege beschritten werden. Eventuell bei der Haustechnik. Da könnte man einen Vertrag mit den Gemeindewerken schließen. So hätte ich wieder Ressourcen geschaffen.

Gibt es noch andere Bereiche, die Sie ändern wollen?

Schumeckers: Ganz massiv muss man an die Wirtschaftsförderung ran. Wir haben viele Flächen wie Nato-Gelände, Johnson Controls und das Girmes-Gelände, wo Entwicklungen stattfinden, beziehungsweise stattfinden sollten. Flächen, die zwar nicht in unserer Hand sind, aber dennoch  muss man sehen, was dort bewegt werden kann.

Muss die Wirtschaftsförderung anders strukturiert werden? Würden Sie den Part als Bürgermeister übernehmen wollen?

Schumeckers: Die Wirtschaftsförderung ist gut beim Bürgermeister angesiedelt. Ich würde aber auf jeden Fall am Wirtschaftsförderer festhalten. Denn es gehört auch Marketing dazu und Pressearbeit. Und da fehlt was. Der Gemeinde muss ein neues Image verpasst werden. Ich sehe das Freilichtmuseum, das Freibad, das Eissportzentrum. Ich sehe dort eine autarke Sport- und Freizeitinsel. Das muss mehr in den Fokus gerückt werden. Beispielsweise mit einer gemeinsamen Gastronomie. Ich habe da schon eine Vorstellung: mit einer Terrasse, die die drei Bereiche abdeckt und einer Gastronomie.

Sehen Sie eine Möglichkeit, den Grefrather Ortskern bei dieser Freizeitinsel mit einzubinden?

Schumeckers: Das sind zwei verschiedene Orte, die man nicht verbinden kann. Wir müssen die Leute anders in den Ortskern bekommen. Wir haben bestimmt fünf ausgewiesene Radwege, die aber alle irgendwie um Grefrath herumführen. Die Radler werden nirgendwo am Radweg aufgenommen. Mit Hinweisen auf das Eisstadion, auf den Schwingbodenpark, den Flugplatz oder den Ort. Wir machen die Leute nicht neugierig. Tafeln am Radweg wären eine einfache Lösung. Denn Schilder werden immer gelesen. Wir müssen die Leute vom Radweg in den Ort holen.

Was haben Sie im weiteren Wahlkampf geplant? Wie wollen Sie die Leute erreichen?

Schumeckers: Ich kann unbedarft an den Wahlkampf herangehen, weil ich keine Erfahrung darin habe.  Ich kannte als Grefrather die Person, die ich gewählt habe. Bei mir ist es jetzt so: Es gibt Leute, die mich kennen und welche, die noch nie von mir gehört haben. Ich habe eine Homepage mit einer Bewerbung an den Bürger eingerichtet. Es kommen nach und nach kleine Filmchen zu bestimmten Themen hinzu. Es wird aber noch einzelne Veranstaltungen geben, zum Beispiel einen Stand auf dem Markt. Es gibt Plakate und eine Broschüre. Dazu habe ich Vereine angeschrieben und die Gastronomie.

Haben Sie eine Vorstellung, wie die Wahl ausgehen wird, ob es eine Stichwahl geben wird?

Schumeckers: Das ist ein Blick in die Glaskugel. Aber bei drei Kandidaten ist eine Stichwahl naheliegend.

Wie würden Sie mit der AfD umgehen, wenn Sie in den Rat gewählt wird?

Schumeckers: Sie wäre demokratisch gewählt. Ich würde sie aber im besonderen Fokus haben und jede Aussage überprüfen, ob sie demokratisch vertretbar ist. Ich würde alles zweimal lesen, prüfen und persönlich zweimal bewerten.

Wie geht es für Sie weiter, wenn Sie nicht Bürgermeister werden sollten?

Schumeckers: Dann geht es wie bisher mit meinen drei Säulen weiter: stellvertretende Amtsleitung bei der Feuerwehr in Viersen, Projektingenieur für größere Baumaßnahmen bei der Stadt Viersen und mein Ingenieurbüro.

Wenn Sie die Wahl gewinnen, was geschieht dann mit Ihrem Büro?

Schumeckers: Das würde dann auslaufen. Einige Projekte müsste ich allerdings zu Ende führen, da ich dort Sachverständiger bin.