Grefrath: 258 Mitarbeiter müssen gehen

Grefrath: 258 Mitarbeiter müssen gehen

Das Insolvenzverfahren wird beim Grefrather Automobil-Zulieferer eröffnet. Dann wird auf 528 Stellen reduziert. Die Gespräche mit Interessenten gehen weiter.

Grefrath. Bei Henniges läuft alles nach Plan- und das ist ganz schlecht. Wie geplant wird das Insolvenzverfahren eröffnet. Die Folge: 258 Mitarbeiter quer durch alle Abteilungen haben am Samstag ihren letzten Arbeitstag bei dem Automobil-Zulieferer. Damit sinkt in dem Werk an der Grefrather Südumgehung die Zahl der Beschäftigten auf 528\. Dies gaben am Freitag der Betriebsrat und der vorläufige Insolvenzverwalter Wolf-Rüdiger von der Fecht nach tagelangen Verhandlungen bekannt.

Die Entlassenen können zur Beschäftigungs-Gesellschaft TEAG (Krefeld) wechseln, wo sie einen bis zu acht Monate laufenden Arbeitsvertrag bekommen. Dort gibt es neben Qualifizierungs-Maßnahmen noch 80 Prozent des bisherigen Netto-Gehalts. Mehr an finanziellen Hilfen oder gar Abfindungen haben die Betroffenen nicht zu erwarten. "Wir sind absolut pleite. Das Wenige, das noch ist, haben wir in die TEAG investiert", sagen Betriebsrats-Vorsitzender Heinz Koppmann und sein Kollege Stephan Winter.

Tagelang hatte der Betriebsrat mit von der Fecht gerungen, um möglichst viele Arbeitsplätze beim Hersteller von Gummidichtungen zu retten. Denn ursprünglich sollten nur 420 Mitarbeiter bleiben dürfen. Nun sind es 108 mehr. "Das ist die Stamm-Mannschaft. Mit der werden die restlichen Aufträge abgearbeitet", so der Betriebsrat. Das klingt nicht unbedingt nach langfristiger Perspektive...

Die kann es wohl nur geben, wenn ein neuer Investor gefunden wird. Mit mehreren ernsthaften Interessenten wird derzeit verhandelt, wird schon seit Wochen betont. Aber angebissen hat noch keiner. Die Einschätzung des Betriebsrates zur neuen Entlassungwelle: "Die Braut ist schöner gemacht worden..."

Wenn auch das nichts nützt- also kein Käufer gefunden wird- werden an der Südumgehung mittelfristig die Lichter ausgehen. Ohne Folgeaufträge wäre wohl 2011 Schluss. Entsprechend ist die Stimmung bei denen, die diesmal nicht entlassen wurden. "Aufatmen- aber mit angezogener Handbremse. Denn die Ungewissheit bleibt", beschreiben es Koppmann und Winter.

Viel schlechter sieht es bei den Entlassenen aus- verständlich. "Es herrscht vor allem großer Unmut darüber, wie den Leuten die Kündigung überbracht wurde", sagt Koppmann. Es habe keine zentrale Stelle oder Veranstaltung von Arbeitgeber-Seite gegeben. Winter: "Das war vollkommen unkoordiniert, vollkommen chaotisch."

Dass die Lage bei Henniges so desolat ist, macht der Betriebsrat an zwei Namen fest: Cerberus und Wynchurch. "Das sind amerikanische Investoren der Heuschrecken-Klasse", sagen Koppmann und Winter über die beiden letzten Eigentümer. Nur über Personalabbau hätten sie versucht, ihre Rendite zu erzielen. "Das sind die wahren Schuldigen", steht für den Betriebsrat fest.

Cerberus war ab Ende 2004 für drei Jahre Eigner, dann war Wynchurch am Ruder. Exakt nach einem Jahr wurde der Geldhahn zugedreht. Am 27\.November 2008 folgte der Gang zum Insolvenzrichter beim Krefelder Amtsgericht am Nordwall.

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