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„GOVM“: Unzufriedene aus Grefrath wollen anpacken

Kommunalwahl 2020 : „GOVM“: Unzufriedene wollen anpacken

Die für Grefrath angekündigte Wählergemeinschaft hat sich nun gegründet. Damit sie zur Kommunalwahl antreten darf, müssen nun 170 Unterstützer-Unterschriften gesammelt werden. Zum Start hat die Gemeinschaft zehn Mitglieder mit dem Vorsitzenden Eckhard Klausmann an der Spitze.

Aller Anfang ist schwer und manchmal auch klein. Aber vielleicht entsteht etwas Großes daraus. Das zumindest wünschen sich die zehn Gründungsmitglieder der neuen Grefrather Wählergemeinschaft GOVM. Der etwas sperrige Name spricht sich nach Angaben des Vereins „gowem“ aus und steht für die vier Ortsteile Grefrath, Oedt, Vinkrath und Mülhausen und gleichzeitig für die Herangehensweise der Gruppe: „gemeinsam, offen und vielfältig mehr erreichen“.

Ende November folgte die Ankündigung des Vorhabens. Nun, am Mittwochabend, fand die Gründungsversammlung statt. Diese wollte die neue Vereinigung ohne die Anwesenheit der Presse über die Bühne bringen. Im Nachgang stellten sich die neuen Kommunalpolitiker den Fragen der Journalisten. Die Initialzündung für GOVM kam von Eckhard Klausmann, bekannt aus der Grefrather Flüchtlingshilfe und von seiner Agentur zur Arbeitsvermittlung. „Ich habe viele Gespräche geführt und bin auf ähnliche Meinungen getroffen“, so Klausmann, der nun auch 1. Vorsitzender geworden ist. Im Kern finden sich die Mitglieder in den etablierten Parteien nicht mehr wieder. „Hinzu kommt die schlechte Kommunikation der Parteien in Grefrath“, so Beisitzer Jörg Kreckler. Die Politik müsse zuhören und mit den Bürgern reden. Diese Lücke, die in Grefrath bestehe, wolle GOVM nun füllen.

Am Anfang habe es drei Gründe gegeben, die Gemeinschaft ins Leben zu rufen, so Werner Balsen, der sich ab sofort um die Pressearbeit kümmert. „Wir sind für den Erhalt des Freibads, wir unterstützen das Projekt Landesgartenschau 2026 und wir setzen uns für Jens Ernesti als Bürgermeister ein“, so Balsen. Der Rentner ist erst seit einigen Monaten zurück in Grefrath. Davor war er als Korrespondent für eine Tageszeitung in Brüssel tätig. Wobei es eigentlich auch noch einen vierten – „ganz wichtigen“ – Grund gebe. Ziel von GOVM sei es, „dass die Stimmen der vielen Unzufriedenen eben nicht im rechten Lager landen“, fügt Balsen hinzu.

Die GOVM-Mitglieder wollen Kommunalpolitik fernab von parteipolitischen Interessen machen. Sie verstehen sich deshalb nicht als Partei. „Wichtig ist uns nur Grefrath. Wichtig ist uns, dass es hier vorwärts geht“, so Vorsitzender Klausmann. In vielen Gesprächen habe man festgestellt, dass die Bürger die Grefrather Baustellen kennen. Diese müssten nun bearbeitet werden.

Wie diese Baustellen – abseits von Freibad und Landesgartenschau –  aussehen, sei dann aber doch offen, so die 2. Vorsitzende Sarah Pasch auf Nachfrage. „Wir wollen jetzt erstmal konkret von den Grefrathern erfahren, wo der Schuh drückt.“ Anhand dieser Gespräche und Erfahrungen wolle sich GOVM ein Programm geben, Themen entwickeln und Lösungsvorschläge machen.

Inhaltlich ist also noch einiges in der Schwebe. Dafür sind die Mitglieder nun dabei, das Organisatorische zu regeln. „Im Vordergrund stand zunächst mal die Gründung“, so Schatzmeister Florian Deimel, womöglich manchem als Geschäftsstellenleiter der Sparkasse ein Begriff. Nun gehe es darum, möglichst viele Mitglieder zu werben und vor allem Unterstützer-Unterschriften zu sammeln. Denn weil GOVM eben keine Partei ist, die im Bundestag und/oder mehreren Landesparlamenten vertreten ist, müssen vor der Kommunalwahl 170 Unterschriften von Grefrather Bürgern gesammelt werden, um antreten zu können. Diese Zahl sei der aktuelle Stand. Womöglich ergeben sich noch leichte Änderungen, so Klausmann. Da befinde man sich noch im Austausch mit der Gemeindeverwaltung. Wenn bei diesem Unterfangen alles glatt gelaufen sei, will GOVM mit 16 Direktkandidaten die Grefrather Wahlbezirke besetzen. „Das ist das Ziel“, sagt Klausmann.

Politisch grenzt sich GOVM völlig von der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) ab. Mit allen anderen Parteien möchten die neuen Kommunalpolitiker gerne zusammenarbeiten. „Wenn gute Ideen da sind, spielt die Farbe der Partei keine Rolle. Uns geht es um die Sacharbeit, es geht um Grefrath“, so Eva Pomplun. Die frühere Wirtin der Kneipe „Zum Fürsten Blücher“ ist bereits in der Werbegemeinschaft „Grefrath InTakt“ aktiv und ist nun bei GOVM Beisitzerin.

Wichtig ist der neuen Gemeinschaft zudem, ganz Grefrath als Einheit zu sehen. „Ich denke, dass Bürgermeister Manfred Lommetz in den vergangenen Jahren in diesem Punkt viel erreicht hat“, so Jörg Kreckler. Der Oedter nehme wahr, dass es immer seltener heißt: „Ihr Grefrather! Ihr Oedter! Ihr Vinkrather! Ihr Mülhausener!“. In so einer kleinen Gemeinde mit weniger als 15 000 Einwohnern sei der Zusammenhalt „über die Grenze der Niers hinweg“ wichtig.

Eine Arbeit, die der nach eigenen Angaben unabhängige Bürgermeisterkandidat Ernesti aus Sicht von GOVM bestmöglich weiterführen könnte. Ernesti, der Mitglied der Grünen ist, verkörpere die Mischung, die man als Bürgermeister brauche. Aus seiner Arbeit als Wirtschaftsförderer wisse er, wie eine Verwaltung funktioniert. Gleichzeitig habe er einen notwendigen Blick von außen auf die Sache, so Klausmann.

Um bekannter werden, wird GOVM am 29. Januar eine Informationsveranstaltung in der Albert-Mooren-Halle anbieten. Beginn ist um 19 Uhr. Dann könne man mit den Mitgliedern ins Gespräch kommen, selbst Mitglied werden oder eine Unterstützter-Unterschrift leisten. Zudem sind danach regelmäßige Treffen mit den Bürgern in allen vier Ortsteilen geplant.