Gemeinderat: Bis nach Mitternacht gefeiert

Gemeinderat: Bis nach Mitternacht gefeiert

Neu-Bürgermeister Manfred Lommetz hat sich bei seiner Vereidigung bürgernah gegeben. Nach dem offiziellen Teil im Rathaus ging es in die „Villa Girmes“.

Oedt. In der Niersgemeinde hat eine neue politische Zeitrechnung begonnen: Am Montagabend wurde mit Manfred Lommetz der erste parteilose Bürgermeister Grefraths vereidigt. Und noch ein Novum: Nach dem offiziellen Teil wurde nebenan in der "Villa Girmes" bis kurz nach Mitternacht gefeiert. Und zwar nicht im erlauchten Kreis geladener Gäste, sondern nach dem Prinzip der offenen Tür: Ausdrücklich hatte Lommetz die Bevölkerung eingeladen.

Nach der Vereidigung durch Alterspräsident Helmut Dickmanns (die WZ berichtete) gab es eine Art Antrittsrede von Lommetz, der bisher in keinem politischen Gremium war: "Einem Gemeinderat gegenüber zu sitzen, ist für mich absolutes Neuland. Deshalb bin ich dankbar für jeden Tipp- von jeder Fraktion. Und von allen Bürgern."

Auch machte der 55-Jährige keinen Hehl daraus, dass die Zeiten hart sind: "Wir befinden uns in einer finanziellen Notlage. Wir haben wenig Wind in den Segeln." Dann wendete er sich mit einem abgewandelten Zitat von John F. Kennedy an die Bürger: "Fragt nicht, was die Gemeinde für Euch tun kann. Stellt Euch zunächst die Frage. Was kann ich für meine Gemeinde tun?" Abschließend meinte er: "Ich hoffe, wir ziehen alle an einem Strang- und bitte darum." Und bekam erneut donnernden Applaus.

Nach dem offiziellen Vereidigungs-, Verpflichtungs- und Entlass-Marathon im Rathaus ging es zum geselligen Teil in die benachbarte "Villa Girmes". Auf eigene Kosten hatte der neue Bürgermeister eingeladen- und etwa 300Besucher nahmen diese Einladung gerne an. Darunter waren der größte Teil der Rathaus-Belegschaft, ehemalige und aktuelle Politiker, Mitglieder von Sport-, Heimat- und anderen Vereinen, Geschäftsleute und so mancher ganz normale Bürger.

Nur einer wollte an diesem Abend partout nicht dabei sein: Alt-Bürgermeister Herbert Kättner. "Das eine ist die Stunde des alten Bürgermeisters, das andere die des neuen", hatte er am Montagvormittag bei seiner eigenen Verabschiedung auf die entsprechende Frage der WZ geantwortet.

Dass alter und neuer Bürgermeister nicht aufeinandertreffen, dafür hatte Kättner im Vorfeld selbst gesorgt: Manfred Lommetz hatte keine Einladung für den Abschied seines Vorgängers bekommen. Stattdessen saß der Rechtsanwalt während der Vormittags-Zeremonie in seiner Kanzlei- keine 100 Meter vom Oedter Rathaus entfernt...

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