Grefrath: Gegen alles ist ein Kraut gewachsen

Grefrath: Gegen alles ist ein Kraut gewachsen

Zur heilenden Kraft der Kräuter gab es einen Lehrgang im Grefrather Freilichtmuseum. Die Besucher durften ein Elixier mitnehmen.

Grefrath. Die kalte Jahreszeit kann jetzt kommen — zumindest für die 15 Männer und Frauen, die am Sonntag unter Anleitung der „Kräuterhexe“ Jenny Hengsten auf dem Gelände des Freilichtmuseums Kräuter gesammelt und daraus anschließend in der Scheune der Hofanlage Waldniel ein „Kraft-elixier für den Winter“ produziert haben.

Foto: Kurt Lübke

Zwölf Frauen und drei Männer interessierten sich für das Elixier, das es so in keiner Apotheke zu kaufen gibt. Einer der Herrn war Andreas Kübel. Er war eigens aus Rheinberg angereist und es war sein erster Besuch im Grefrather Freilichtmuseum. Ob der Besucher jetzt beschwerdefrei durch den nächsten Winter kommen wird?

Fest steht, dass die „Kräuterhexe“ sehr viele Kenntnisse über Heilpflanzen vermittelte. Und sie machte gleich zu Beginn deutlich: „Es ist gegen alles ein Kraut gewachsen.“ Früher seien „Kräuterbuschen“ zusammengestellt worden, um während des Winters gegen Krankheiten gewappnet zu sein — aber auch gegen Unglück.

Kräuter unterm Dach hatten beispielsweise auch die Aufgabe eines Blitzableiters. Ihnen wurden aber auch magische Wirkungen nachgesagt. „Im Mittelalter wären wir verbrannt worden“, war sich eine Teilnehmerin sicher, die sich nach einem Gundermann bückte. „Das ist eines der wichtigsten Heil- und Würzkräuter“, erklärte Jenny Hengsten. Und sie verriet auch, warum gerade Maler den Gundermann liebten: „Er leitet Schwermetalle, wie sie in den Farben steckten, aus dem Körper.“

Als eine der wichtigsten Heilpflanzen wurde den 15 Teilnehmern die Brennnessel sehr ans Herz gelegt. „Die Pflanze nicht von oben nach unten berühren, sonst pikt es“, erklärte die „Kräuterhexe“. Das habe jedoch auch etwas Positives, denn die Brennnessel sei sehr gut gegen Rheuma.

Wie vielfältig einsetzbar Kräuter sind, wurde am Beispiel der Schafgarbe deutlich: Sie helfe gegen „Frauenleiden“. Und da sie auch blutstillend sei, nennt man sie auch Soldatenkraut. Die älteren Herren wurden hellhörig, als Jenny Hengsten die Qualitäten der Taubnessel pries: „Diese wirkt bei gutartigen Prostata-Beschwerden.“

Kräuter kämen auch in heidnischen Bräuchen vor, die auch die Christianisierung nicht hätte aus den Köpfen der Menschen verdrängen können. So wurden den Toten Kräuter in den Sarg mitgegeben. Und das Kräuter geweiht wurden, hatte damit zu tun, dass sich ihre Wirkung dadurch um ein Vielfaches steigern sollte.

In der Scheune tranken alle Teilnehmer gemeinsam einen Kräutertee, bevor das „Kraft-elixier für den Winter“ hergestellt wurde. Zutaten waren die stilecht in Körben gesammelten Kräuter, 500 Milliliter Wodka mit 40 Prozent Alkohol, der die Wirkstoffe aus den Pflanzen zieht und 50 Gramm Kandiszucker. Alles wurde in einen Glasballon gegeben. „Vier bis sechs Wochen an einen warmen Platz stellen, abseihen und dann täglich einen Schluck trinken“, lautete der Tipp von Jenny Hengsten. Das Elixier halte sich rund zwei Jahre.