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„Frauen haben anderen Blick auf die Welt“

„Frauen haben anderen Blick auf die Welt“

In dieser Serie über die Abtei Mariendonk geht es um Frauen in der Kirche und die Unterschiede zu den Männern.

Mülhausen. Um Frauen in der Kirche und im Kloster, um ihre Bedeutung und den Unterschied zu Männern in diesen Bereichen geht es in der heutigen Folge der Serie über die Abtei Mariendonk. Äbtissin Christiana äußerte sich im WZ-Gespräch zum Thema.

„Frauen haben anderen Blick auf die Welt“
Foto: Helmut Schmitz

Mit Blick auf die Geschichte der Klöster, die es organisiert etwa seit Ende des 3. und Anfang des 4. Jahrhunderts gibt, sagt sie: „Es gab kaum spezifisch auf Frauen zugeschnittene Ordensregeln, christliches Leben ist in seiner Grundlage für Männer und Frauen gleich.“ Frauen leben aber die Regeln etwas anders als Männer. „Man muss bedenken, dass das Mönchtum eine charismatische Laienbewegung ist. Da spielt es keine Rolle ob Mann oder Frau.“ Und noch etwas sei zu bedenken: der kulturelle Unterschied einzelner Länder.

Der Eintritt in ein Kloster konnte durchaus eine Flucht aus der Bevormundung der Familie hin zu mehr Selbstbestimmung sein. „Im Kloster konnte eine Frau arbeiten, einem Beruf nachgehen und ihre Fähigkeiten nutzen“, so Schwester Christiana. So erzählt sie von der Nonne Egeria, die im späten 4. Jahrhundert. auf Wallfahrt gegangen ist und als eine der ersten ein Buch über Israel geschrieben hat. Wie auch Hildegard von Bingen, die als Benediktinerin im naturwissenschaftlichen Bereich außerordentliche Leistungen erbracht hat.

Und sie meint auch die Frauen im 19. Jahrhundert, die im Kloster mehr Dinge tun konnten als im Privatleben. „Das waren sehr selbstständige Frauen.“ Sie erinnert daran, dass noch bis in die 1950er Jahre Frauen im Haus zu bleiben hatten, während die Männer im öffentlichen Leben standen. Es hat Zeiten gegeben, in denen Nonnen sehr frei waren, freier als Frauen in der Ehe und andere, in denen es in den Klöstern Gitter zwischen Schwestern und Besuchern gab. „Ich weiß nicht, ob ich in so einem Hause hätte leben können.“

Schwester Christiana erinnert daran, dass es noch heute in etlichen Ländern für Mädchen und Frauen lebensgefährlich sei, alleine auf die Straße zu gehen oder auch überhaupt als Mädchen geboren zu werden. „Ich finde, Frauen und Männer sollten zusammenarbeiten“, sagt sie. „Es gibt nun mal zwei Geschlechter. Es gibt Gemeinsamkeiten und es gibt Unterschiede. Zum Beispiel beim Blick auf die Welt.“ Da die katholische Kirche, was ihren Klerus angeht, eine reine Männerkirche sei, sollten Frauen in Leitungsverantwortung mitwirken.

Die Benediktinerin findet nicht, dass Frauen Papst, Bischof oder Priester sein sollten, aber sie sollten sich einbringen. So habe sich der Aachener Bischof Helmut Dieser zwei Mitarbeiterinnen an die Seite gestellt — anstelle eines Bischofsvikars. Und sie ist sich sicher: „Wenn Frauen näher gewesen wären, hätten sie den Missbrauch von Kindern schneller wahrgenommen.“

Die Lebensform eines Priesters beispielsweise mit einer Ehe aufzulockern, hält Schwester Christiana nicht für sinnvoll. „Ich persönlich denke da eher konservativ. Der Priester sollte in seiner sowieso schon mageren Freizeit ein geistlicher Mensch sein und mit Gott in Kontakt treten. Dazu hätte er, wenn er verheiratet wäre, keine Zeit mehr.“ Männer und Frauen hätten verschiedene Aufgaben. „Ich sehe darin aber keine Wertigkeit.“

Nicht zu vergessen seien noch zwei wesentliche Dinge. Sollte die katholische Kirche sich dafür entscheiden, Frauen die Weihe zu erteilen, dann „würden wir die Beziehung zur orthodoxen Kirche kappen. Die würde das auf keinen Fall mitmachen“. Und Deutschland sei nur ein kleines Licht auf der katholischen Landkarte. „Hier kann die Kirche nichts mehr dazu gewinnen. Deshalb richtet sie ihren Blick nach Afrika, Südamerika oder auch Asien. Und dort wären die Forderungen, die hier gestellt werden, gar nicht umsetzbar, sie würden auch nicht verstanden.“ Diese Internationalität sei auch der Grund, warum die katholische Kirche sich schwerer mit Lockerungen tut als die evangelische. Denn diese sei national aufgestellt.

Im Gespräch wirft Schwester Christiana ein, dass sie als Äbtissin ja auch ein hohes Amt bekleide. Ein Unterschied zwischen Männer- und Frauenklöstern sei allerdings: „In Frauenklöstern kann jede Schwester in jedes Amt gewählt werden, bei Männern dagegen können nur Priestermönche Abt werden.“ Auf die Frage, wer denn als nächster über ihr steht, sagt sie spontan: „Der Papst.“