Fragen an Kempener und Grefrather Geistliche

Zum Feiertag : Gedenken steht im Mittelpunkt

Tod und Trauer spielen im November in der christlichen Tradition eine besondere Rolle.

Den gestrigen Abend dürften diverse (jüngere) Niederrheiner im Gruselkostüm verbracht haben, als Vampir, Hexe oder Zombie. Denn längst ist das aus dem angelsächsischen Raum stammende Halloween eine feste Größe geworden. An diesem „neuen Brauch“ scheiden sich buchstäblich die Geister. Doch auch am Niederrhein gibt es Traditionen, in denen die Verstorbenen im Mittelpunkt stehen. Die katholische Kirche gedenkt seit ihrer frühen Zeit aller Heiligen – so bekam der 1. November diesen Namen. Um das Jahr 1000 nach Christus entstand zudem das Fest Allerseelen einen Tag später, an dem sozusagen für die „normalen“ Verstorbenen und ihr Seelenheil gebetet wird.

Am „Sternenfeld“ wird an verstorbene Kinder erinnert

Heutzutage wird mit diesen Tagen vor allem der Gang zum Friedhof verbunden. „Viele Menschen haben nach wie vor das Bedürfnis, an die Verstorbenen zu denken und sich grundsätzlich mit dem Tod auseinanderzusetzen“, stellt Propst Thomas Eicker immer wieder fest. So treffen sich am Allerheiligentag – „je nach Witterung“ – bis zu 120 Menschen auf dem Kempener Friedhof zum gemeinsamen Gebet. Drei Stationen werden besucht. Beginn ist um 14.30 Uhr am Hochkreuz, danach geht es zum „Sternenfeld“ mit seinem Erinnerungsstein. Hier liegen Kinder, die während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt gestorben sind. „Viele beklagen ein totes Kind in ihrer Familie“, sagt der katholische Geistliche. Zum Schluss des Nachmittags steht das Gedenken an die Toten der Weltkriege. Man sehe an diesen Tagen mehr Kerzen als sonst auf den Gräbern, sagt Eicker, der sogar von einem „Lichtermeer“ spricht. Auch auf das anonyme Gräberfeld würden Kerzen gestellt oder Blumen gelegt.

Für Stephan Wolters vom gleichnamigen Bestattungs- und Blumenhaus in Kempen herrsche dann eine besondere Atmosphäre. Gemeinsam mit seiner Frau Heike gehe er in diesen Tagen gerne über den Friedhof, der ohnehin „kein schauerlicher, sondern ein schöner Ort“ sei. Die eigentliche Arbeit hat laut Wolters bereits in den Tagen vorher stattgefunden, gemeint ist das Säubern und Schmücken der Gräber. Gestecke werden gekauft, Schalen bepflanzt. Der Gärtner nennt in diesem Zusammenhang beispielsweise Calluna und Silberblatt. „Am Tag selbst kommen die Angehörigen und treffen bei dieser Gelegenheit vielleicht noch Freunde und Bekannte.“

Am 2. November, Allerseelen, wird ab 19 Uhr in der Kirche Christ-König (Hagelkreuzviertel) ein Gottesdienst gefeiert, in dem die Namen der im vergangenen Jahr gestorbenen Gemeindemitglieder vorgelesen und dazu Kerzen entzündet werden.

Zum zweiten Mal
„Weihnachten ohne dich“

Dasselbe Ritual findet einige Wochen später auch in der evangelischen Kirche in Grefrath statt. Am letzten Sonntag des Kirchenjahres begehen die evangelischen Christen den „Totensonntag“. Pfarrerin Barbara Münzenberg bevorzugt allerdings den Begriff „Ewigkeitssonntag“. Ehepartner, Kinder und Enkel haben die Gelegenheit, in der Gemeinschaft an die Verstorbenen zu denken.

Eine besonders schwere Zeit für Menschen, die einen Verlust zu beklagen haben, sind oft die Wochen rund um Weihnachten. Deswegen bietet die evangelische Kirchengemeinde zum zweiten Mal die Veranstaltung „Weihnachten ohne dich“ an. Am Montag, 26. November, also einen Tag nach dem Totensonntag, wird ab 17 Uhr im Oedter Gemeindehaus gemeinsam Kaffee getrunken und gebastelt. Die Besucher sollen etwas haben, an dem sie sich „festhalten können“, wie Barbara Münzenberg sagt.

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