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„Essen-Gehen“ und großzügige Geste in der Altstadt

Altstadt-Geflüster Mit ganz vielen Gastro-Themen stimmt das Geflüster schon auf die geplante Restaurant-Öffnung nächste Woche ein : „Essen-Gehen“ und großzügige Geste

Mit ganz vielen Gastro-Themen stimmt das Geflüster schon auf die geplante Restaurant-Öffnung nächste Woche ein.

Wenn diese Corona-Zeit etwas Gutes hat, dann ist es die Kreativität und Solidarität, die man immer wieder erlebt, findet der Altstadt-Flüsterer. In ungewöhnlichen Zeiten ergeben sich immer wieder ungewöhnliche Begegnungen. So trafen im Büro des Werberings Kempen nun zwei Menschen aufeinander, die sich sonst vielleicht nicht unbedingt begegnet wären. Da war eine Kempenerin, die in der Corona-Krise helfen wollte. Und ein junger Wirt, der zurzeit ohne Einnahmen dasteht. Und das kam so: In einem Fernseh-Gottesdienst hatte Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, von einer Frau in München berichtet, die die Miete für einen Buchhandel für einen Monat übernommen hatte, weil sie das gesparte Geld für den Osterurlaub eh nicht brauchen konnte. Die Idee fand eine Kempenerin, die ihren Namen aber nicht öffentlich machen möchte, so gut, dass sie auch etwas tun wollte. Sie habe als Lehrerin ein festes Gehalt und wollte einem Gastronomen mit 1000 Euro durch die schwere Zeit helfen. Der Werbering Kempen half bei der Vermittlung. „Der erste Gedanke war: Wir müssen das aufteilen. Aber hätten wir fünf Menschen 200 Euro gegeben, hätte das niemandem so richtig weitergeholfen“, erklärt der Werbering-Vorsitzende Armin Horst. Daher habe man zusammen mit der Spenderin entschieden, einen jungen Wirt zu unterstützen, der durch alle Raster fällt und keinen Cent öffentlicher Hilfe bekommt.

Seit Januar Chef im Mauli’s

Konstantin Wefers hatte die Kneipe Mauli‘s an der Peter- straße offiziell zum 1. Januar von seinem Bruder Christoph Wefers und dessen Partner Jens Baeseler übernommen, die das Falko am führen. Weil er erst so kurz selbstständig ist, bekomme er keine Förderung in der Corona-Zeit, so Armin Horst. Zudem hätten es Schankwirtschaften besonders schwer. Sie mussten schon eine Woche vorher schließen und haben nicht die Möglichkeiten Lieferservice anzubieten. Als Konstantin Wefers von der Spende erfuhr, konnte er es nicht glauben.  Er ist unglaublich dankbar. Nachdem er am 1. Januar gestartet war, lief es gut im Mauli’s. „Ich hatte gerade in neue Verkabelung und einen neuen Fernseher investiert“, erzählt der 33-jährige Wirt, der seinen Gästen in normalen Zeiten Fußball, Table Quiz, Musik und mehr im Mauli’s bietet.

Hoffnung auf Nachahmer

Die Spenderin selbst wollte eigentlich keine große Sache daraus machen. Für den Werbering ist es das aber: „Ihre Tat ist außergewöhnlich. Nach acht Wochen sind Sie die erste Privatperson in Kempen, die hingeht und so ein Zeichen setzt“, lobt Armin Horst. Er hofft, dass sich Nachahmer finden, die die lebendige Kempener Gastronomie, die einen guten Teil des Flairs der Altstadt ausmacht, unterstützen wollen. Konstantin Wefers würde sich freuen, die Unterstützerin im Mauli’s auf ein Getränk einladen zu dürfen. Eigentlich sei sie gar nicht so die Kneipen-Gängerin, gestand die Spenderin. Aber Corona-Zeiten bringen ja ungewöhnliche Kombinationen hervor.

Restaurants wollen öffnen

Dürfen die Restaurants nun am Montag öffnen oder nicht? Diese Frage sorgte am Freitag noch für Verunsicherung. Der Stadt lag bis Freitagmittag noch keine Verordnung dazu vor, verriet Stadtsprecher Christoph Dellmans dem Flüsterer. Aber da viele Gastronomen die Ankündigungen der Landesregierung vernommen haben, laufen die Vorbereitungen dafür auch Hochtouren. „Alle, die aufmachen dürfen, werden auch aufmachen“, kann der Werbering-Vorsitzende Armin Horst für Kempen berichten. Dabei müssen die Gastronomen diverse Vorgaben erfüllen. Das Abstandsgebot von 1,5 Metern gilt auch im Restaurant. So können die Gastronomen nicht mehr so viele Gäste bewirten wie sonst. Es dürfen immer nur Personen aus zwei Haushalten gemeinsam am Tisch sitzen. Die Kunden müssen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn sie kommen oder zum Beispiel zur Toilette gehen. Am Tisch können sie die Masken abnehmen. Das Personal muss permanent den Schutz tragen. Zudem müssen Desinfektionsmittelspender bereitstehen. Tische werden nach jedem Gast desinfiziert. Man sollte einen Tisch reservieren. Die Gäste müssen bereit sein, ihre Personalien zu hinterlassen, um im Fall einer Corona-Ausbreitung die Infektionskette nachverfolgen zu können.

Zeiten bleiben hart für Wirte

Armin Horst, der selbst lange das Restaurant Ellenpoort und die Kneipe Treppchen geführt hatte, hat nachgerechnet und hätte für seine Lokale durch die neuen Vorgaben maximal 60 Prozent des ursprünglichen Volumens zur Verfügung. Für die Gastronomen, die bereits durch die wochenlange Schließung finanziell gebeutelt sind, wird die Zeit also hart bleiben. All die Auflagen sind mit Mehrkosten verbunden. Die Lieferdienste, die mittlerweile viele Gastronomen eingerichtet haben, seien ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Werbering hofft daher darauf, dass es für Gastronomen eine Reduzierung der Mehrwertsteuer von sieben auf 19 Prozent möglich wird. Das wäre eine große Hilfe.

Es wird weiter geliefert

Jeder Euro Umsatz ist zurzeit für die Gastronomen besser als keiner. Und so bieten viele ihre Speisen auch außer Haus an. Wie das Ercklentz, Wirtshaus, Venga, Las Tapas und Kemp‘sche Huus, dazu mittlerweile auch Ela, Traberklause und Le Petit. Und viele wollen weitermachen. Zum Beispiel teilen Kemp‘sche Huus und Venga auf Facebook mit, dass sie öffnen und weiter liefern und zum Mitnehmen bereithalten. „Wir können es gar nicht recht glauben und doch sind wir unglaublich froh“, heißt es vom Venga. „Ab Montag dürfen wir die Türen wieder für Sie öffnen. Zurzeit sind wir mit Hochdruck damit beschäftigt, Ihren Aufenthalt bei uns so sicher wie möglich zu gestalten.“ Auf der Peterstraße will das Comix öffnen. Ab Dienstag gibt es dort wieder Burger, Spareribs und Co.

„Walking Dinner“

Und dann haben sich fünf Kempener Altstadt-Gastronomen auch noch etwas Besonderes einfallen lassen. Das Walking-Dinner feierte am Freitag Premiere und wird an diesem Samstag von 17 bis 20.30 Uhr fortgesetzt. „Wir wollen die Kempener in dieser schweren Zeit wieder für unsere Erlebnis-Gastronomie begeistern“, sagt Manfred Kohnen vom Le Petit, der die Idee hatte. Ercklentz, Ela, Kemp‘sche Huus, das Bistro Falko sowie Weinhaus Straeten machen mit. Walking-Dinner ist wörtlich mit Essen-Gehen zu übersetzen: Der Gast holt sich seinen Aperitif im Falko, spaziert zum Ela, wo die Vorspeise wartet. Weiter geht‘s zum Kemp‘sche Huus und zum Le Petit, wo die Köche Kulinarisches mit Esprit kredenzen. Abschließend serviert das Ercklentz ein Dessert. Damit das Walking Dinner nicht zu trocken gerät, schenkt das Weinhaus Straeten spritzige Weine aus. Wer dabei sein will, zahlt 37,50 Euro – 2,50 Euro  davon gehen an die Kempener Tafel. Reservieren in einem der Lokale ist gewünscht, aber kein Muss. Gelegen kommt der Aktion, dass jüngst die Entfernung, die zum Lokal vor dem Verzehr eingehalten werden muss, von 50 auf 25 Meter reduziert wurde.

Sushi in der Altstadt

Und wo wir gerade so gastronomisch sind: Lange hatte der Altstadt-Flüsterer durchs Schaufenster gespinst und die Arbeiten am Buttermarkt 9 beobachtet. Nun hat die DuQu Lounge, das Partner-Restaurant des Taka Sushi & Grill an der Unterweidener Straße zwischen Kempen und St. Tönis eröffnet. Im stylischen Ambiente kann man noch nicht Platz nehmen. Aber Sushi und Co. gibt es zum Mitnehmen. Und die regelmäßig – natürlich mit Abstand – wartenden Kunden, die man davor beobachten kann, lassen darauf schließen, dass sich die Altstadt auf das japanische Nationalgericht schon richtig gefreut hat.

Mal schnell in die Bücherei

Übrigens dürfen nicht nur die Gaststätten öffnen, sondern auch die Stadtbibliothek. Ab Donnerstag können da zu den üblichen Öffnungszeiten wieder Bücher, DVDs und Co. ausgeliehen werden. Es gibt aber einige besondere Hygiene-Vorgaben. Es dürfen nur maximal 15 Kunden hinein und diese dürfen auch nur zum Ausleihen für maximal 30 Minuten bleiben. Die Rückgabe erfolgt nur über die Rückgabebox. Abstand und Mundschutz sind auch hier Pflicht.

Ausstellung durch Glas

Bis 29. Juni kann man im Foyer des Rathauses am Buttermarkt die Fotoausstellung „Spuren der Geschichte: Von Kratzsteinen, Mauerankern und Fassadenköpfen“ ansehen. Der Autor Gerhard Kuhl, der im vorigen Jahr das gleichnamige Buch veröffentlicht hat, zeigt nun viele großformatige Bilder aus dem Buch. Zu sehen sind Aufnahmen von Kratzsteinen, Mauerankern und von vielen Fassadenköpfen aus Kempen. Auch zwei original Maueranker können betrachtet werden. Wie soll das gehen, wenn das Rathaus geschlossen ist?, werden einige fragen. Ganz einfach:  Sehen kann man die Ausstellung nur durch die Glasfront von draußen.