Interview mit Leiter Achim Wolters : „Viele Beratungsfälle mussten unterbrochen werden“

Interview Beratungsstellen-Leiter Achim Wolter über die aktuellen Einschränkungen in der täglichen Arbeit.

Auch die Katholische Beratungsstelle des regionalen Caritasverbandes am Kauertzweg in Kempen ist von den Einschränkungen der Corona-Pandemie betroffen. Die Einrichtung bietet seit 60 Jahren Beratung für Eltern, Kinder und Jugendliche an. In der aktuellen Situation wurden die Beratungsangebote auf Telefon- oder Online-Dienstleistungen umgestellt. Hintergründe erläutert der Leiter der Beratungsstelle, Achim Wolters.

Wie lief die Organisation der Beratungsstelle vor der Corona-Krise ab?

Achim Wolters: Normalerweise bieten wir persönliche Beratungsgespräche an. Das heißt, dass die Beraterinnen und Berater mit den Ratsuchenden hier in den Räumen unserer Einrichtung vis-à-vis sprechen. Das kann mit Eltern sein, mit Kindern, Jugendlichen oder ganzen Familien. Dazu haben wir im Rahmen unserer Präventionsarbeit auch Trainings- und Gruppenangebote in unserem Programm, zum Beispiel Kinder- oder Elterngruppen zu Erziehungsfragen oder bei Trennung und Scheidung. Das Angebot ist vielfältig. Aber immer beruht Beratung bei uns in erster Linie auf persönlichem Kontakt.

Wie läuft die Arbeit bei der Beratungsstelle jetzt in der Corona-Krise ab?

Wolters: Wir müssen uns umstellen, weil persönliche Kontakte aufgrund der besonderen Situation ausgeschlossen sind. Das heißt: Unsere Beratungsstelle ist für Besucher bis mindestens zum 19. April geschlossen. Wir haben nach Wegen gesucht, um weiterhin für Familien erreichbar zu sein. Das geht in erster Linie weiterhin über telefonische Kontakte. Wir werden zudem stärker als bisher auch eine Online-Beratung anbieten. Außerdem stellen wir auf unserer Homepage – immer wieder aktualisiert – nützliche Informationen, Anregungen und Impulse zusammen, die helfen können, dass Eltern und Familien die Herausforderungen der derzeitigen Krisensituation besser meistern können.

Funktioniert die Alternative bisher gut?

Wolters: Sowohl die Telefon- als auch die Online-Beratung läuft bereits gut. Gerade die Online-Beratung ist mit vereinfachten Zugangswegen ausgestattet und bietet da gerade eine ganz gute Alternative. Wir haben viele Beratungsfälle, die jetzt unterbrochen wurden und viele Ratsuchende, die bei uns noch auf der Warteliste stehen. Die haben wir informiert, entweder telefonisch oder indem wir sie angeschrieben und auf die alternativen Formate hingewiesen haben. Das gilt auch für neue Klienten, wir wollen auch da kommunizieren, dass es diese Möglichkeiten gibt.

Wie regeln Sie die Kindergruppen und das Elterntraining?

Wolters: Ein Elterntraining, in dem es um Familien in Trennung ging, haben wir unterbrechen müssen. Wir werden es aber zu gegebener Zeit fortsetzen und die Modalitäten mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern absprechen. Wir planen für die Zeit nach den Osterferien zwei Kindergruppen in unserem Beratungsschwerpunkt Trennung und Scheidung und Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil. Aber den Start werden wir nach jetzigem Stand verschieben müssen. Denn es braucht organisatorisch einen Vorlauf, den wir jetzt nicht in ausreichendem Maße haben.

Wie viele Berater beziehungsweise Ansprechpartner haben Sie aktuell?

Wolters: Wir haben aktuell hier vor Ort das Sekretariat, das die Erreichbarkeit gewährleistet, und dazu ein Team von zwei Psychologinnen und drei Sozialpädagogen jeweils mit Zusatzausbildungen, die aber nicht alle gleichzeitig hier sind. Wir müssen uns wegen der Pandemie derzeit ein bisschen aus dem Weg gehen. Wir wollen gewährleisten, dass das Sekretariat stets erreichbar ist und nach Möglichkeit zwei Fachberater beziehungsweise Fachberaterinnen anwesend sind.

Gibt es schon erste Erfahrungen seit der Umstellung der Beratungsangebote?

Wolters: Was im Einzelfall gut funktioniert, ist die Telefonberatung. Ob jetzt vermehrt die Online-Beratung genutzt wird, werden wir sehen. Wenn, dann wird auch diese sicherlich gut funktionieren. Es gibt aber auch Bereiche und Konstellationen, wo die Beratung nicht oder nur sehr eingeschränkt funktionieren kann. Wenn es um Mediation oder moderierte Elterngespräche im Zusammenhang mit Trennung und Scheidung geht, ist das über die alternativen Formate schwierig. Und auch wenn es um den begleitenden Umgang geht, den wir im Programm haben, ist der nicht realisierbar und auch nicht über alternative Formate möglich. Auch für Gruppenangebote gibt es keine Alternativen.

Kinder und Online-Beratung: Funktioniert das?

Wolters: Jugendliche und Kinder sind ja durchaus medienaffin und mit den neuen Dingen vertraut. Ich denke, das wird kein Hinderungsgrund sein. Es gibt getrennte Zugänge über QR-Codes für Eltern und für Kinder und Jugendliche, bei denen die Gesprächspartner auch anders angesprochen werden, wenn sie sich da einloggen.