Erneute Kehrtwende in der Kempener Seniorenheim-Debatte

Kempener Altenheime : Broichhausen-Stift ohne Zukunft – Neubau am Schmeddersweg folgt

Nach einem Gespräch mit der Hospital-Stiftung lenkt die CDU ein. Am Schmeddersweg soll ein neues Altenheim entstehen. Eine Prüfung des Standortes East-Cambridgeshire-Park soll aber folgen. Das Technische Dezernat hält von dieser Idee aber nicht viel.

East-Cambridgeshire-Park statt Schmeddersweg – diese Kehrtwende der CDU in der Standortfrage für ein neues Kempener Altenheim hat vor einigen Wochen für großes Aufsehen gesorgt. Umso überraschender die Mitteilung, die am Dienstagmorgen in der Redaktion angekommen ist. „Die CDU-Fraktion stellt ihre Bedenken gegen den Bau eines neuen Altenheims am Schmeddersweg zurück und stimmt der Errichtung eines Neubaus des Von-Broichhausen-Stifts im Baugebiet Kempener Westen grundsätzlich zu“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von CDU und der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist. Dies sei das Ergebnis eines Gespräches zwischen Fraktion und Stiftungs-Geschäftsführer Jürgen Brockmeyer, das nach seinen Angaben am 10. April stattgefunden hat.

Gleichzeitig halte die CDU aber an ihrem Antrag fest, parallel auch die Alternative East-Cambridgeshire-Park als Standort eines Altenheims zu prüfen.

Erstmals wird der Heyerdrink öffentlich abgeschrieben

Mit der Veröffentlichung von Dienstag gibt die Stiftung erstmals bekannt, dass das Von-Broichhausen-Stift am Heyerdrink keine Zukunft mehr hat. „Eine Modernisierung ist finanziell nicht darstellbar“, so Brockmeyer auf Nachfrage der WZ. Daher sei nun mit Blick auf das Grundstück am Schmeddersweg von einem Ersatzneubau die Rede. Dieses Vorgehen habe auch mit den Fördermöglichkeiten eines solchen Projektes zu tun. „Wenn man begründen kann, dass ein bestehendes Haus nicht mehr saniert werden kann, entstehen für einen Neubau andere Fördermöglichkeiten“, so der Geschäftsführer.

Im Gespräch mit der CDU habe Brockmeyer eine „Eilbedürftigkeit“ erläutert: „Die Zeit drängt, mit dem Kreis als zuständiger Aufsichtsbehörde haben bereits erste Planungsgespräche stattgefunden“, wird Brockmeyer in der Pressemitteilung zitiert. Nicht nur die Erfüllung der Einzelzimmerquote, auch erheblicher Sanierungsbedarf seien am jetzigen Standort am Heyerdrink nicht lösbar. „Für eine sehr zeitnahe Errichtung eines Neubaus gibt es keine Alternative“, meint Brockmeyer. Die Stiftung verfüge über Grundbesitz am Schmeddersweg. An der Eignung dieses Standortes halte die Stiftung fest, vor allen Dingen sei er zeitnah bebaubar.

Dimension des Baus am Schmeddersweg ist offen

Nun bleibt abzuwarten, in welcher Dimension die Stiftung am Schmeddersweg bauen kann und wird. Im Von-Broichhausen-Stift gibt es laut Brockmeyer 145 stationäre Pflegeplätze. Wegen der Erfüllung der sogenannten Einzelzimmerquote werden aber nur noch 119 genutzt (die WZ berichtete). Vorgabe des Stiftungs-Kuratoriums sei es, die Zahl 145 „für Kempen erhalten“ zu können, so der Geschäftsführer. Details für den Schmeddersweg stünden aber noch nicht fest. Ebenso wenig dazu, was in ferner Zukunft mit dem Gelände am Heyerdrink passiere.

Kurzfristige Sicherung hat
nun für die CDU Priorität

„Eine kurzfristige und dauerhafte Sicherung der Heimpflegeplätze in Kempen hat absolute Priorität“, erklärt CDU-Fraktionsvorsitzender Wilfried Bogedain und begründet so das Einlenken seiner Fraktion. Ob sich ein Neubau eines Altenheims im East-Cambridgeshire-Park ohne Zeitverlust realisieren lasse, hänge davon ab, ob er sich kurzfristig politisch durchsetzen lasse und sich planerisch für eine Bebauung eigne. „Wir halten diese Fläche nach wie vor für sehr geeignet und einen verhältnismäßig geringen Eingriff in Grünfläche ausschließlich für den Bau eines Altenheims für vertretbar“, ergänzt Bogedain, der auch Mitglied des Stiftungs-Kuratoriums ist.

Verwaltung hält die CDU-Ideen nicht für realistisch

Aus dem Rathaus gibt es indes wenig Unterstützung für die CDU-Idee. In der am Montag veröffentlichten Vorlage für die Sitzung des Planungsausschusses am 29. April erscheint dem Technischen Dezernat die Entwicklung einer Baufläche im Park als schwierig. Damit erhält Bürgermeister Volker Rübo Unterstützung. Er hatte sich auch in seiner Funktion als Kuratoriumsvorsitzender der Altenheim-Stiftung skeptisch zum Vorschlag „seiner“ Fraktion geäußert (die WZ berichtete).

Die Verwaltung sieht im „Cambridge-Park“ ein Areal mit einem „hohen städtebaulichen Wert“. Der Park sei „unter funktionalen, sozialen, gestalterischen, ökologischen und insbesondere klimatischen Aspekten sehr bedeutsam“. Gleiches gelte übrigens für das Gelände mit mehreren Kleingärten an Steinpfad und Mülgauweg. Auch diese Flächen sind Bestandteil des CDU-Antrags, um dort möglicherweise einen Bau für „soziale Zwecke“ (Senioreneinrichtung oder Kita) realisieren zu können.

„Die innenstadtnahe Lage macht die Flächen zwar auch für Maßnahmen der (baulichen) Innenentwicklung interessant“, so das Technische Dezernat. „Vor dem Hintergrund der zu erwartenden klimatischen Veränderungen kommt den innerstädtischen Grünflächen allerdings eine stetig zunehmende Bedeutung zu. Deshalb besteht Konsens darüber, dass sich die – grundsätzlich wünschenswerte – Nachverdichtung in innerstädtischen Bereichen auf bisher bebauten Flächen bzw. Brachflächen vollziehen soll, nicht jedoch auf den Grünflächen.“

Vor allem der East-Cambridgeshire-Park habe über die klimatischen und ökologischen Funktionen hinaus große Bedeutung für das Stadtbild sowie für die Wohn- und Freizeitqualität der umliegenden Wohngebiete, heißt es weiter in der Vorlage. Eine Bebauung dieser Flächen werde auch dadurch erschwert, dass nahezu die gesamte Fläche mit Altablagerungen belastet sei. Das führe nicht nur zu erheblichen Kostensteigerungen bei der Erschließung von Bauflächen, es sei auch mit erheblichen zeitlichen Verzögerungen zu rechnen, weil zunächst das Gefahrenpotential zu sondieren und Sanierungskonzepte zu entwickeln seien.

Auch eine bauliche Entwicklung auf dem Areal Mülgauweg/Steinpfad ist aus Sicht der Verwaltung unrealistisch: Dieses rücke seit Jahrzehnten immer mal wieder in den Fokus der städtebaulichen Planungen. „Auch hier spricht die innenstadtnahe Lage für eine bauliche Nutzung der Flächen. Dagegen spricht ihre ökologische Wertigkeit, insbesondere unter den Gesichtspunkten Stadtklima und Artenschutz“, so die Vorlage. Eine Bebauung dieser Fläche wäre nur durch Projekte gerechtfertigt, die für die Stadt Kempen eine herausragende städtebauliche Bedeutung haben. „Projekte dieser Bedeutung sind zurzeit nicht erkennbar.“

Trotz der Bedenken sichert das Technische Dezernat der CDU-Fraktion jedoch zu, sich mit den beiden Arealen und den entsprechenden Nutzungsideen zu befassen. „Die gewünschte bauliche Entwicklung im East-Cambridgeshire-Park sieht eine konkrete Nutzung vor, die relativ zeitnah umgesetzt werden soll. Die zuvor beschriebenen Belange weisen aber auf einen schwierigen und langwierigen Prozess hin. Daher schlägt die Verwaltung vor, dass vor einem planerischen Grundsatzbeschluss eine Zusammenstellung aller planerischen Belange erarbeitet werden soll“, lautet das Fazit der Beschlussvorlage.

Die Sitzung beginnt am Montag, 29.April, um 18 Uhr im Rathaus. Weitere Informationen zur Tagesordnung gibt es auf der Homepage der Stadt Kempen:

kempen.de

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