Erich Kästner Realschule: Keine Moral predigen

Erich Kästner Realschule: Keine Moral predigen

Ein Fachmann gab beim Elternabend an der Realschule Tipps. Vertrauen und klare Grenzen seien nötig.

Kempen. Das Thema Drogen bewegt an der Erich Kästner Realschule nach wie vor Eltern. Vor rund drei Wochen war bekannt geworden, dass Schüler auf dem Gelände an der Pestalozzistraße Marihuana konsumiert und damit gehandelt haben (die WZ berichtete). Die Schule hat aus diesem Anlass nun zu einem Elternabend unter dem Titel „Sucht und Drogen“ mit Referent Michael Hartges von der Suchtberatung Viersen eingeladen. Rund 100 Erziehungsberechtigte waren gekommen.

„Wir reden hier nicht von etwas Weltfremdem“, erklärte Hartges und stellte als Beleg dafür die Frage, wer im Raum jemanden in seinem Umfeld kenne, der schlecht mit Genussmitteln umgehe. Fast alle Hände gingen nach oben.

Um die Balance zwischen Genuss und Sucht halten zu können, brauche man Stärke, Urvertrauen, aber auch klare Grenzen von Seiten der Eltern, erklärte der Suchtberater: „Wer sich geliebt fühlt, kann eher die Balance halten.“ Außerdem müsse man ein Vorbild sein.

Wichtig sei es zudem, über diese Themen zu sprechen. Was die Kinder zu Hause über die Vorfälle an ihrer Schule gesagt haben, wollte Hartges wissen. „Dass das kein Einzelfall ist“, sagte ein Vater. Eine Mutter meinte: „Meine Kinder haben gesagt: ‚Klar, wissen wir das.‘ Ich finde das erschreckend.“

Von großer Bedeutung sei es zuzuhören, die Kinder ausreden zu lassen und nicht sofort zu bewerten, schon gar nicht zu moralisieren, riet Hartges. Aber man solle auch klare Grenzen in Bezug auf Drogen setzen. „Als Vater sage ich an einem bestimmten Punkt: Nein. Das trage ich nicht mit.“

Gleichzeitig sollten die Eltern informiert sein. Jedes Kind, ob es kifft oder nicht, sage irgendwann zu seinen Eltern: „Alkohol ist doch viel schlimmer als Cannabis.“ Da gelte es klare Regeln vorzugeben. Eine lange Diskussion bringe nichts. Drogen seien illegal und daran müssen sich auch Jugendliche halten.

Eine Mutter interessierte, wie an der Schule mit dem Vorfall umgegangen werde. „Wir haben das Thema durchweg offensiv angesprochen. Allerdings in unterschiedlicher Qualität, weil die Bedarfslagen in den Klassen sehr unterschiedlich waren“, erklärte Schulleiter Uwe Hötter.

Die Jugendlichen würden das sehr unterschiedlich verarbeiten. Einige Schüler seien sehr betroffen. Man habe schnell reagiert, aber sei auch noch lange nicht fertig. Es wird weiter an Konzepten gearbeitet. Auch mit der Polizei stehe man im engen Kontakt. Ein Schüler müsse die Schule verlassen und würde ab Montag eine andere Schule besuchen.

„Das ist kein Phänomen dieser Schule“, machte Hartges deutlich. Drogen seien in allen Schulformen, in allen Schichten ein Problem. Selbst an der streng geführten Privatschule komme das vor. An der Kempener Realschule werde seit Jahren engagierte soziale Arbeit gemacht, lobte Hartges.

Eine Mutter war es zum Schluss wichtig, die Schule in Schutz zu nehmen: „Wer erzieht denn die Kinder? Das sind die Eltern. Ich kann das nicht alles auf die Schule abwälzen.“

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