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Endlich geht es wieder los in Schiefbahn: Kamps Pitter macht auf

NRW : Einblick in historische Zeiten

Nach Monaten des Stillstands kann das Willicher Heimatmuseum wieder seine Pforten öffnen. Im Juli gibt es die erste Veranstaltung.

Vor ein paar Wochen wäre das vorherrschende Gefühl von Ernst Kuhlen eher Melancholie als Freude gewesen, wenn er durch die Räumlichkeiten und den Hof des Heimatmusems „Kamps Pitter“ mit seinen ganzen Maschinen und historischen Exponaten vom Mammutgebiss bis zum ersten Farbfernseher gegangen wäre.

Denn Besucher, die haben er und seine Stellvertreterin Edith Marx von den „Heimat- und Geschichtsfreunden Willich e.V.“ schon seit einiger Zeit nicht mehr auf dem Gelände begrüßen dürfen. „Im März 2000 hatten wir hier die letzten Veranstaltungen“, erinnert sich Marx noch an den Weltfrauentag mit Kinofilm und proppevollem Saal und den Mundart-Nachmittag mit 35 Personen. Danach war dann unvermittelt Schluss, was die Aktiven des Vereins als Träger des Heimatmuseums dazu veranlasste, die Zeit irgendwie sinnvoll zu nutzen.

Zeit im Museum
sinnvoll genutzt

In dieser Zeit arbeiteten die Archivare in Zweierteams. Ein neuer Server wurde beschafft. Dazu wurden diverse Restaurationsarbeiten durchgeführt, fast jeden Tag Maschinen und Geräte repariert. „Wir haben auch die Außenbeleuchtung modernisiert - das sind jetzt alte Gaslaternen die wir auf elektrisch umgebaut haben und auf neue Pfosten gestellt haben“, erzählt Ernst Kuhlen. Und für eine neue Audio-Anlage im Veranstaltungshaus läuft noch ein Antrag.

Im Oktober lief sonst immer der traditionelle Kappes-Tag, wo man gemeinsam den Weißkohl schabte, stampfte und in großen Tontöpfen – den „Döppen“ – mit Salz einlegte. Diesmal  legte man dreißig Köpfe ein und gab das Sauerkraut an die aktiven Mitglieder unter Corona-Bedingungen aus.

Großartig Not leiden musste der Verein und das Museum nicht - der Betriebskostenzuschuss seitens der Stadt und die Tatsache, dass man die wenigen Einnahmen nicht großartig ausgab, waren der Grund dafür. „Viele Vereine hingen am Fliegenfänger, wir nicht“, ist Kuhlen froh, dass man die Zeit bis heute halbwegs glimpflich überstanden hat. Und so ganz langsam kann man angesichts der zurückgehenden Corona-Zahlen auch wieder an eine Öffnung denken, was Kuhlen und Marx doch zuversichtlich stimmt.

Die allererste Veranstaltung im Jahr 2021 wird der „offene Sonntag“ am 11. Juli von 14 bis 18 Uhr die Ausstellung „Alltagsgegenstände des Mittelalters“ des Vereinsmitglieds Stephan Wester sein. Der 62-Jährige interessiert sich schon seit langem für die 1000jährige Geschichtsperiode, die nicht nur von dem 100jährigen Krieg, den Kreuzzügen oder der Pest geprägt war, sondern auch für wegweisende Entwicklungen auf den Weg in die Moderne.

Dementsprechend bringt Wester gut 100 bis 150 Alltagsgegenstände mit, die in der Ausstellung  „Mittelalter zum Anfassen“ möglich machen - wie ein Küchen-Quirl, Wachstafeln, Leder und Pergament, mittelalterliche Nähnadeln oder Messer, Pfeile oder Fallen für die Jagd, Sachen zum Angeln oder auch Feuersteine, die man in einer Feuerschale ausprobieren kann.

Darüber hinaus wird das „KampsPitter“ im Rahmen der Raderlebniswoche des Kreises Viersen vom 8. bis 15. August  jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet sein. Und die beliebte Sonderausstellung „Die Geschichte der VerseidAG“ mit Bildern und Exponate zur Geschichte der Seidenwebereien in Schiefbahn und Anrath von 1889 bis heute, die wegen Corona ein zweites Mal nicht stattfinden konnte, steht am 12. September zwischen 14 und 18 Uhr im Fokus. Sie soll bis 2022 im Museum stehen bleiben.

Ernst Kuhlen und Eva Marx hoffen, dass die Veranstaltungen auf eine gute Resonanz stoßen. „Wir freuen uns natürlich, wenn wir hier wieder Betrieb kriegen“, sagt Kuhlen.“ Vorsichtig bleiben will man aber auf jeden Fall. „Aktuell müssten wir keine Einschränkungen machen - aber die drei bekannten G´s - genesen, geimpft, getestet - bleiben auf jeden Fall.“ Und ob man mit Online-Anmeldungen arbeiten wird, das werde man kurzfristig bekanntgeben.