Elf neue Stolpersteine für die Altstadt

Elf neue Stolpersteine für die Altstadt

Nächste Woche Donnerstag werden die Gedenktafeln unter anderem für Mitglieder der Familie Hirsch verlegt.

Kempen. Nächste Woche Donnerstag — am 24\. November — werden in der Kempener Altstadt elf neue „Stolpersteine“ verlegt. Der Kölner Künstler Gunter Demnig, der das Stolperstein-Projekt geschaffen hat, wird die Gedenktafeln ab 9 Uhr installieren. Die erste an der Ecke Ellenstraße/Möhlenwall für den 20-jährigen Josef Voss, der 1941 wegen einer leichten geistigen Behinderung in der Gaskammer der Todesklinik Hadamar ermordet wurde. Vor dem Haus Peterstraße 3 wird eine Platte an den Friseur Heinrich Wolff erinnern, der ins Zuchthaus kam, weil er sich kritisch über den von den Nazis angezettelten Krieg geäußert hatte.

Im Zentrum der Veranstaltung wird jedoch die jüdische Familie Hirsch stehen, die an der Peterstraße 23 (heute: neues Kolpinghaus) eine florierende Metzgerei betrieb. Sieben ihrer Nachfahren werden als Gäste der Stadt nach Kempen kommen. Die Steine für ihre verfolgten und ermordeten Vorfahren hat die Kempener Familie Renkes übernommen, die damals ihrer Nachbarsfamilie Hirsch nach Kräften beigestanden hat.

Von den neun Mitgliedern der jüdischen Familie sind fünf von den Nationalsozialisten ermordet worden: Der Inhaber der Metzgerei Isidor Hirsch, seine Frau und seine Schwester Hannchen, alle drei bei den Kempenern hoch angesehen, starben Anfang Oktober 1942 im Vernichtungslager Treblinka durch Gas. Isidor und Johanna Hirschs Sohn Dr. Walter Hirsch, am Thomaeum ein höchst begabter Schüler und später ein brillanter Lehrer, kam im August 1942 in Auschwitz um. Seine Schwester Emmy wurde mit ihrem Sohn, dem vierjährigen Fred, und ihrem Mann Hans Watermann im Vernichtungslager Sobibór ermordet.

Vier anderen gelang die Flucht. Ernst Hirsch, der als Buchhaltungs-Leiter in Webereien in Mönchengladbach und Rheydt arbeitete, schaffte 1938 die Flucht nach Neuseeland und holte im Juli 1939 seine jüngere Schwester Martha nach. Jetzt wird seine Enkelin Leora mit ihrem Mann Peter Jaspers nach Kempen kommen.

Die Brüder Paul und Leo Hirsch, seit 1934 Inhaber der väterlichen Metzgerei, setzten noch einen Tag, nachdem die deutsche Wehrmacht bereits in Polen einmarschiert war, von Vlissingen nach England über, wo sie eine Farm erwarben. Auch von ihnen kommen Nachfahren zur Verlegung: aus Israel Leos Tochter Hannah Gillman; aus England sein Sohn Freddie Hirsch mit seiner Frau Glenda. Ebenfalls aus England wird Pauls Tochter Edith mit ihrem Mann Martin Andresier anreisen.

Zu Beginn der Verlegung wird die Initiatorin des Kempener Projekts, Ute Gremmel-Geuchen, auf Deutsch und Englisch eine kurze Begrüßung sprechen.

Bei jedem einzelnen Stein werden Schüler des Luise-von-Duesberg-Gymnasiums, des Thomaeums, des Berufskollegs und der Realschule auf Deutsch und Englisch Biografien der Opfer verlesen, an die an diesen Stellen erinnert wird.

Musikalisch umrahmt wird die Verlegung von jiddischen Liedern, vorgetragen von der Chorklasse des Thomaeums unter David Nethen.

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