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Elbtonal Percussion in der Paterskirche in Kempen

Sonderkonzert : Wenn Kapitän Ahab mit Robert De Niros Stimme spricht

Das Quartett „Elbtonal Percussion“ spielt Klassik, Jazz und Weltmusik und mischt sie zu neuen Klangeffekten.

Schon mehrfach war „Elbtonal Percussion“ in Kempen. Jedes Mal stieß das Ensemble auf große Begeisterung, zuletzt im April 2017. Wie der Name des Quartetts vermuten lässt, handelt es sich um vier Schlagzeuger aus Hamburg. Zusammengefunden haben sie 1996 während ihres Studiums.

Andrej Kauffmann, Jan-Frederick Behrend, Stephan Krause und Sönke Schreiber sind nicht nur virtuose Schlagzeuger; sie verstehen sich auch auf stilistische Vielseitigkeit. Sie kennen sich aus in Klassik, Jazz und Weltmusik und mischen mit Vergnügen stilistische Elemente zu neuen Klangeffekten. Diesmal kombinierten sie ihr Können mit dem klanglichen Illustrieren einer spannenden, makabren Geschichte, dem Roman von der Jagd auf den weißen Wal Moby Dick.

„Moby-Dick“ erschien 1851 in London und New York. Der amerikanische Schriftsteller Herman Melville (1819-1891) schildert darin den Rachefeldzug des fanatischen Kapitäns Ahab. Vor Jahren hatte er im Kampf mit einem weißen Killerwal ein Bein verloren. Auf der Jagd nach ihm reißt Ahab bedenken- und gewissenlos sich selbst, sein Schiff und seine ganze Mannschaft in den Tod. Als Einziger überlebt der Ich-Erzähler. Angeregt zu diesem Buch wurde Melville sowohl durch zeitgenössische Berichte von Katastrophen bei Waljagden als auch durch eigene Erlebnisse. So wurde 1820 das Schiff „Essex“ von einem Wal gerammt und versank mit 20 Mann Besatzung im Pazifik. Melville hatte 1841 auf einem Walfänger angeheuert. Die Verhältnisse auf dem Schiff fand er so unzumutbar, dass er bei einer Zwischenlandung desertierte und nach Tahiti flüchtete.

Für den Textvortrag konnte mit Christian Brückner ein idealer Partner gefunden werden. In der Paterskirche las er den Romantext in einer neuen Übersetzung von Friedhelm Rathjen aus dem Jahre 2004. Brückner wurde mehrfach mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet, ist Grimme-Preisträger und erhielt für seine Hörbücher 2017 den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“.

Musik und Textbeiträge
wurden gleichwertig eingesetzt

Das Konzept der Veranstaltung war gut überlegt. Musik und Textbeiträge waren gleichwertig eingesetzt, beide hatten ihren Eigenwert. Die Musik war mehr als nur Zwischenspiel. Bei Werken wie „The Wave“ (Die Welle), komponiert von der 1937 geborenen japanischen Marimbaspielerin Keiko Abe, war der thematische Bezug ohnehin klar. Bei anderen war die Auswahl der Stücke ebenfalls dem Charakter der Erzählung angepasst. Elbtonal Percussion agierte mit der gewohnten Souveränität. Sofern der Besucher eine Komposition im Original kannte, merkte er, wie stark sie bearbeitet war. Bachs berühmte d-moll-Toccata war nicht nur anders instrumentiert, sie war auch im Charakter sehr verändert – mehr eine eigene Variation zum Bachschen Thema. Interessant klang es allemal.

Dass Brückner ein ausgezeichneter Rezitator ist, steht außer Frage. Leider war er – vor allem in den mittleren Reihen – nicht immer gut zu verstehen, besonders, wenn sein Vortrag lauter wurde. Das dürfte weniger an seiner Aussprache gelegen haben als an der Akustik der Paterskirche und an der Tontechnik. Mehrere Zuhörer informierten die Verantwortlichen in der Pause darüber. Offensichtlich wurde an der Aussteuerung etwas geändert; insgesamt war die Sprache im zweiten Teil etwas besser zu verstehen. Das Hören der Musik war dagegen von Anfang an problemlos. Höhepunkt war zweifellos der Schluss-Monolog des Kapitäns Ahab. Dabei kamen auch, anders als zuvor, Textrezitation und Musik gleichzeitig zum Einsatz. Die Veranstaltung fand diesmal nicht in einer der beliebten Reihen „Kammermusik“ oder „Musica antica e viva“ statt, sondern war ein Sonderkonzert der Kempener Stiftung „Bürger für Klassik“. Sie stieß auf große Resonanz. Die Paterskirche war ausverkauft, das Publikum war, wie der herzliche Beifall zeigte, von den künstlerischen Leistungen
begeistert.