Eisstadion: Steigt der Kreis ein?

Die Kreisverwaltung soll prüfen, wie man den Erhalt unterstützen könnte. Da sind sich vier Fraktionen einig.

Grefrath. Konsolidierung — unter dieser Überschrift stand in den vergangenen Jahren die Arbeit von Bernd Schoenmackers. Der Geschäftsführer der Sport- und Freizeit GmbH hatte seit seinem Dienstantritt 2012 die Aufgabe, aus roten schwarze Zahlen zu machen. Mit Erfolg: Wie die WZ Ende Februar exklusiv berichtete, fährt das Eisstadion inzwischen im operativen Geschäft leichte Gewinne ein, während es 2012 noch ein sattes Minus von mehr als 300 000 Euro gegeben hatte.

Mit diesem Konsolidierungsprozess ist die Zukunft der 1972 gebauten Anlage aber noch lange nicht gesichert. In den nächsten Jahren muss in vielen Bereichen Geld in die Hand genommen werden, um das Aushängeschild der Sport- und Freizeitgemeinde zukunftsfit zu machen. Um dafür an Geldtöpfe zu kommen, hat Schoenmackers gemeinsam mit Vertretern des Aufsichtsrats in den vergangenen Monaten intensive Gespräche mit den Fraktionen des Viersener Kreistags geführt. Und seitens der Politik im Kreishaus gibt es nun erste Signale, dass die Sporteinrichtung auf einen Zuschuss aus der Kreiskasse hoffen kann.

Die Fraktionen von CDU, SPD, FDP und Grünen werden einen gemeinsamen Antrag an Landrat Andreas Coenen (CDU) schicken. In diesem Antrag, der der WZ vorliegt, ist die Rede davon, dass das Eisstadion in den kommenden Jahren jeweils 150 000 Euro benötigt, um den Investitionsstau abbauen zu können.

Aus Sicht der Fraktionen ist das Grefrather Eisstadion als bedeutende Einrichtung im Kreis Viersen durchaus förderfähig: „Das Eisstadion hat über die Gemeinde Grefrath hinaus einen hohen Nutzen als Sport- und Freizeiteinrichtung für den gesamten Kreis Viersen. Auch der Schul- und Vereinssport wird hier für den Kreis Viersen angeboten. Die Anlage ist einzigartig am Niederrhein, die größte in NRW und die zweitgrößte in Deutschland. 250 000 Besucher jährlich, davon 180 000 Nutzer des Eislaufens — etliche im Rahmen des Schulsports — unterstreichen diese Bedeutung“, heißt es in der Begründung dafür, dass die Kreisverwaltung eine mögliche finanzielle Unterstützung prüfen soll.

Wie diese genau aussehen kann, ist aber noch völlig offen. Einen bloßen jährlichen Zuschuss stellen die Fraktionen bereits infrage, weil dieser den Haushalt „dauerhaft belasten“ würde. Zusätzlich könnte eine solche Zahlung als Dienstleistung umsatzsteuerpflichtig sein. Daher bringen CDU, SPD, FDP und Grüne eine Beteiligung an den Gesellschaften des Eissportzentrums ins Spiel: „Eine Kapitalerhöhung und Beteiligung des Kreises Viersen an den beiden Gesellschaften ist dagegen ergebnisneutral und betrifft lediglich die Liquidität.“

Diskutiert wird über eine Förderung des Eissport- und Eventparks schon seit einigen Monaten — in dieser Woche soll es durch den Prüfauftrag konkreter werden. Wie die WZ von allen beteiligten Fraktionen und von der Geschäftsführung erfuhr, sei der bisherige Prozess sehr einvernehmlich verlaufen. Die Grefrather SPD jedoch preschte gestern mit einer Pressemitteilung vor: Ein gemeinsamer Antrag auf Kreisebene sei in Vorbereitung. Wegen der Bedeutung des Eissportzentrums freut sich der Grefrather SPD-Fraktionschef Jochen Monhof, dass Bewegung in die Sache kommt: „Es ist folgerichtig, dass sich der Kreis Viersen an der langfristigen Absicherung beteiligt.“

Über den gestrigen Alleingang der Grefrather SPD zeigte sich Irene Wistuba, FDP-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, überrascht: „Das ist etwas verwunderlich, zumal wir derzeit den Antrag gemeinsam abstimmen.“ Nichtsdestotrotz sei die FDP der Sache an sich nicht abgeneigt. „So einen Prüfauftrag kann man nur für richtig halten“, so Wistuba. Die Liberalen seien aber mit Blick auf den Ausgang des Verfahren noch zurückhaltend. „Durch die Prüfung bekommen wir von der Verwaltung Zahlen und Fakten, anhand derer wir dann eine Entscheidung treffen werden.“

Auch der CDU-Fraktionschef im Kreistag, Peter Fischer, betont, dass es sich zunächst um einen Prüfauftrag handele. Erst müsse man die Fakten klären, bevor man eine Entscheidung fällen könne, wie man das Eisstadion, das über den Kreis hinaus eine große Bedeutung habe, langfristig erhalten könne. Man müsse klären, wie man als Kreis am wirkungsvollsten unterstützen und auch weitere Zuschüsse akquirieren könne. Es sei richtig, so ein großes Thema gemeinsam mit allen Fraktionen anzugehen.

Christian Kappenhagen, CDU-Ratsherr in Grefrath und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Sport- und Freizeit GmbH, sagt, dass man nun über ein Jahr lang konstruktive Gespräche dazu geführt habe. „Ich begrüße es sehr, dass nach Wegen gesucht wird, um den Investitionsstau aufzulösen“, so Kappenhagen. Insbesondere beim 400-Meter-Außenring müsse etwas getan werden.

Auch Bund und Land haben bereits Zuschüsse angekündigt.

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