Eisschnelllauf: Grefrath ist kein Bundesstützpunkt mehr

Grefrather Eisstadion : Der „beherrschbare“ Stützpunkt-Verlust

Das Eisstadion ist kein Bundesstützpunkt mehr für Eisschnelllauf. Die Hilfe vom Land bleibt aber erhalten.

Zuerst die gute oder die schlechte Nachricht? Diese Frage dürfte der eine oder andere schon einmal gestellt bekommen haben. Nun stellt sie sich mit Blick auf das Grefrather Eissportzentrum. Beginnen wir mit der schlechten: Erstmals in der Geschichte der Anlage, die 1972 gebaut worden ist, ist das Eisstadion für den Eisschnelllauf kein Bundesstützpunkt mehr. Am Freitag teilten Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Vereinsvertreter diese Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) mit. Nach den aus Sicht der Eisschnellläufer enttäuschenden Winterspielen in Pyeonchang habe der Verband die Entscheidung getroffen, die Stützpunkte neu zu bewerten und die Kriterien höher zu stufen. Mit dem Ergebnis, dass die Anzahl der Läufer mit olympischen Ambitionen eine größere Rolle spielt. Dies sei letztlich geschehen, weil der DOSB den Eisschnellläufern weniger Geld zur Verfügung stellen wird: weniger finanzielle Mittel – weniger Stützpunkte

Nun verbleiben die Bundesstützpunkte in Berlin, Erfurt, Inzell, Chemnitz und Dresden. Neben Grefrath haben auch München und Rostock den Status verloren. In diesen drei Städten und Gemeinden seien deutlich weniger Sportler mit Bundesambitionen im Training als an den anderen Standorten, so der DOSB.

  So wie Vertreter anderer Sportverbände kritisiert Bernd Luley, Eisschnelllauf-Obmann in NRW, das Vorgehen des DOSB: „Dort, wo wir im internationalen Spitzensport den Anschluss nicht halten können, braucht es besondere Anstrengungen, gerade in der Nachwuchsarbeit, um den Anschluss wieder herzustellen. Genau diese Arbeit wird besonders in Grefrath mit viel Engagement und Erfolg geleistet. Die Standortentscheidung sehen wir daher sehr kritisch, zumal es in NRW dann keinen einzigen Bundesstützpunkt Eisschnelllauf mehr gibt.“

Aus Sicht der Geschäftsführung des Eissport- und Eventparks ist die Nachricht „alles andere als erfreulich“, wie es Bernd Schoenmackers im Gespräch mit der WZ ausdrückt. „Die Folgen sind für den Betrieb aber absolut beherrschbar.“ Das Eissportzentrum habe ohnehin nie einen sogenannten Betriebskostenzuschuss erhalten. Finanzielle Mitte aufgrund des Status als Bundesstützpunkt würden nur bei investiven Maßnahmen fließen. „Und da haben wir noch einiges in trockene Tücher gebracht – sowohl rück- als auch ausblickend“, so Schoenmackers.

Die 400-Meter-Bahn wird ab
April für 450 000 Euro saniert

Als erstes zu nennen ist da die Sanierung der Oberfläche der 400-Meter-Bahn, mit der voraussichtlich im April begonnen wird. Die Maßnahme kostet laut Schoenmackers 450 000 Euro. Vom Bund erhalte man den Maximalzuschuss von 20 Prozent. Dies sei die Obergrenze bei Förderungen aus dem Bundesstützpunkt-Topf. Wesentlich lukrativer und wichtiger für die Zukunft der Einrichtung in Grefrath seien Landeszuschüsse und damit der Status als Landesstützpunkt. So würde die Bahn-Sanierung beispielsweise aus Düsseldorf mit 50 Prozent gefördert. Unterm Strich sieht die Auswirkung des Bundes-Verlustes so aus, dass man bei künftigen Projekten auf einen Zuschuss von maximal 20 Prozent verzichten muss, so der Geschäftsführer.

Nun aber zur guten Nachricht: Die bereits als wesentlich wichtiger beschriebenen Landeszuschüsse werden den Grefrathern langfristig erhalten bleiben. Vor den Weihnachtsferien sei bereits die Nachricht eingetroffen, dass Grefrath weiterhin Landestützpunkt im Eisschnelllauf bleibt. Nach Angaben des Eissportzentrums sollen die Investitionen seitens des Olympiastützpunktes Rhein-Ruhr, des Landessportbundes und der Staatskanzlei sogar intensiviert werden. Details sollen in Kürze bei einem gemeinsamen Termin erörtert werden, wie Schoenmackers auf Nachfrage bestätigt. Jüngste Investitionen seitens des Landes seien die Modernisierung des Kraftraums sowie neue technische Ausstattungen für Starts und Wettkämpfe gewesen. Über das Land sei zu dem weiterhin eine Vollzeit-Trainerstelle gesichert. Und auch bei der Anschaffung neuer Banden für den 400-Meter-Ring stehe ein Zuschuss aus Düsseldorf ins Haus.

Auch aus Sicht des Aufsichtsratsvorsitzenden der Sport- und Freizeit GmbH, Christian Kappenhagen (CDU), stellt der Verlust des Bundesstützpunktes keine Bedrohung dar. Man müsse diese Neuordnung zur Kenntnis nehmen. „Dennoch werden wir den Eisschnelllauf-Nachwuchs in Grefrath weiterhin maximal fördern, um gute Sportler am Stützpunkt zu halten und in Zukunft wieder die Anforderungen an einen Bundesstützpunkt zu erfüllen“, wird Kappenhagen in einer Pressemitteilung zitiert. Man werde nach Wegen suchen, um die notwendigen Trainingszeiten zu sichern und gleichzeitig den „erfolgreichen Konsolidierungskurs“ zu halten.

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