Die WZ öffnet Türen: Ein „Zimmer“ ist fast immer belegt

Die WZ öffnet Türen : Ein „Zimmer“ ist fast immer belegt

Im Rahmen der Adventsserie besucht die WZ die Kempener Wache der Bundespolizei — inklusive der kargen Zellen an der Arnoldstraße.

Kempen. Die vielleicht ungewöhnlichste Toilette Kempens steht an der Arnoldstraße 13 j, genauer gesagt im Untergeschoss des Bundespolizeireviers. Die Besonderheit dieses „stillen Örtchens“ ist, dass die Nutzer die Spülung nicht selbst betätigen können. Das geht nur von einem Nebenraum aus und wird von Beamten erledigt. Die Begründung ist recht unappetitlich und hat einen ernsten Hintergrund: Manche Drogenschmuggler verstecken die süchtig machende Ware in lebensgefährlicher Manier im Körper. So wollen sie beispielsweise Kokain in Kondomen („Bubbles“) via Flieger von Lateinamerika nach Europa schaffen. Nach Kempen werden auch Verdächtige gebracht, die am Flughafen Weeze aufgegriffen werden.

Glauben die Fahnder nun, dass etwas Verbotenes im Verdauungstrakt über die Grenze gebracht wurde, ist nach dem Stuhlgang ein amtlicher Kontrollblick in die Kloschüssel fällig, ehe die Fäkalien (und womöglich die Drogen) auf Nimmerwiedersehen im Kanal verschwinden.

Adventsserie: Die WZ öffnet Türen

Das Spezial-WC gehört zum Zellenbereich des Reviers. Für die aktuelle Serie der WZ öffneten Polizeihauptmeister und Pressesprecher Heinz Onstein aus Kleve sowie Polizeihauptkommissar Dieter Brouwers aus Niederkrüchten die gut gesicherten Türen. Die beiden nebeneinander liegenden Zellen haben jeweils drei Schlösser — und eine Sicherheitskette. Sie soll verhindern, dass der Insasse dem Beamten plötzlich die schwere Tür vors Gesicht schlage, erklärt Brouwers.

Die beiden Räume dahinter, während des WZ-Besuchs unbenutzt, sind funktional, nüchtern, trist. Die jeweils zehn Quadratmeter, vorgesehen für nur eine Person, sind komplett gefliest. Die Auflage der Pritsche ist das einzige Material im Raum, das auf Druck nachgibt. Scharfe Kanten sucht man vergebens. Einmal-Decken sollen auf möglichst hygienische Weise wärmen.

Gedämpft kommt Tageslicht durchs Milchglasfenster. Von außen kann die Deckenbeleuchtung an- und ausgeschaltet sowie gedimmt werden. Mittels Gegensprechanlage kann der Eingesperrte Kontakt mit seinen Bewachern aufnehmen. „Alle halbe Stunde gibt es ohnehin eine Inaugenscheinnahme“ , erklärt der Hauptkommissar. Ein winziger Spion erlaubt den Blick in die Zelle. Eine Videoüberwachung gibt es nur auf dem Flur, nicht aber in den Zellen. Eine weitere Standard-Maßnahme ist, den Insassen vorab Schnürsenkel und Gürtel abzunehmen, damit sie sich selbst und anderen nichts antun.

Fast immer ist mindestens eine Zelle belegt. Dabei handelt es sich entweder um eine vorläufige Festnahme — wenn bereits eine Straftat wie beispielsweise Drogenschmuggel vorliegt —, oder um einen Gewahrsam zur Gefahrenabwehr. Ein Beispiel dafür ist das Festsetzen eines Fußball-Hooligans, der einem Platzverweis nicht nachgekommen ist.

Maximal 48 Stunden kann die Bundespolizei Menschen auf diese Weise festhalten. „Spätestens dann müssen sie entlassen werden oder einem anderen Gewahrsam wie U-Haft, JVA oder Abschiebehaft zugeführt werden“, erklärt Dieter Brouwers. Vorgabe sei eine möglichst kurze Verweildauer.

Und wenn’s doch mal länger dauert und der Magen knurrt? Wenn die Insassen Geld dabei haben, „gehen wir für sie einkaufen“, sagt Brouwers. Dann gibt’s unter anderem Burger vom Schnell-Imbiss oder ein Sandwich vom Bäcker. Ist kein Geld vorhanden, was laut den Beamten meistens der Fall ist, kommt die „Verpflegung von Amts wegen“ aus der Kantine des Kempener Hospitals. Mit diesem hat die Bundespolizei einen entsprechenden Vertrag.