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Impulse Seelsorger und ihre Gedanken zur Corona-Krise – heute von Elisabeth Vratz: Ein Leben wie in der Warteschleife

Impulse Seelsorger und ihre Gedanken zur Corona-Krise – heute von Elisabeth Vratz : Ein Leben wie in der Warteschleife

Impulse Seelsorger und ihre Gedanken zur Corona-Krise – heute von Elisabeth Vratz.

„Zwar haben wir in der Schule damit gerechnet, dass eine Auszeit kommt, aber als es soweit war, ging alles super schnell. Wir waren einfach weg.“ So verlebten die Abiturienten 2020 ihren letzten Schultag ganz unbemerkt.

Zuerst fühlte es sich für viele Schüler nach Sonderferien an, aber das hat sich geändert. Per Mail und in Chatforen steht digitales Lernen an. Bei manchen häufen sich die Aufgaben. Von Entschleunigung kann keine Rede sein. Andere atmen auf und werden nur wenig gefordert. Eines aber schildern viele: Die Eigenverantwortung steigt, denn die Motivation zum Lernen fällt nicht immer leicht. Dabei wird das Miteinander in Familie und im Freundeskreis, ja auch darüber hinaus, bewusster wahrgenommen und wichtiger. Vor allem, da die Lieblingsfilme zum wiederholten Male geschaut, die Spiele gespielt und die Bücher gelesen sind. Immer nur Chatten und Skypen ersetzt nicht Fußballspielen oder Quatschen mit Freundinnen. Eltern, die zur Arbeit müssen, erleben auch dort einen veränderten Alltag: „Ich kann meine eigentlichen Aufgaben nicht mehr tun. Es ist wie in einer Warteschleife.“

So langsam wird das Nervenkostüm dünner. „Ich werde auf mich selbst zurückgeworfen. Ich kann mir und meinen Gedanken viel weniger ausweichen.“ Die tägliche Nachrichtenflut zur Krise verunsichert zunehmend. Sicherheiten geraten ins Wanken. Nun, jeder hat ein anderes Sicherheitsgefühl. Eltern, die als Selbständige arbeiten, werden vor andere existentielle Sorgen gestellt als Menschen, die mit festem Gehalt im Home Office arbeiten können. Nicht zu sprechen von all den Dienstleistern und medizinischen Fachkräften, die – meist für einen geringen Lohn – einen unverzichtbaren Dienst tun.

Egal welchem Sicherheitstyp jemand bisher entsprach, in diesen Zeiten können wir alle zur Sicherheit des anderen beitragen: Beschränkung der eigenen Freiheit zum Wohle aller, vor allem der Alten und Kranken. Anders geht es jetzt nicht.

Schaffen wir es, den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren, wenn sich gerade die Sicherheiten in unser aller Leben neu sortieren? – Lassen wir die Fragen und Gedanken zu, um aus dem ohnmächtigen Warten herauszukommen. Machen wir uns auf die Suche, nur dann werden wir auch finden (Lesetipp: Matthäus 7, 7-11).

Elisabeth Vratz ist Pastoralreferentin in der Schulseelsorge der Marienschule Krefeld.