Ein Feiertag und die Kultur des Trauerns in Kempen

Allerheiligen : Grabgestecke sind vielfältiger geworden

Vor Allerheiligen ist im Blumen- und Bestattungshaus Wolters viel los. Was gewünscht ist, hat sich über die Jahre stark verändert.

„In unserer Familie gab es schon immer die Zeitrechnung vor Allerheiligen und nach Allerheiligen“, sagt Stephan Wolters. Der Hintergrund ist klar: Vor dem Feiertag war die Zeit knapp, weil gerade in Sachen Grabpflege, dem Anlegen von Schmuckbeeten und Allerheiligen-Gestecken eine große Nachfrage besteht. Danach wurde es in diesem Bereich ruhiger. Und das ist bis heute so geblieben. Der Tag habe nichts von seiner Bedeutung verloren, sagt der Inhaber des Blumenhauses und Bestattungshauses Wolters in Kempen. Nicht nur für ältere Menschen ist es wichtig, dass sich das Grab von gestorbenen Angehörigen am 1. November besonders gepflegt und mit einem Grablicht als auch Gesteck oder Blumen versehen präsentiert. Viele Familien besuchen an Allerheiligen den Friedhof, um einmal innezuhalten und der Toten zu gedenken. Sie halten an der Tradition fest.

Wobei es eigentlich der 2. November ist, der genau dieses Thema anspricht. Der Tag nach Allerheiligen ist nämlich der Allerseelentag, an dem aller gestorbenen Menschen gedacht wird. Allerdings hat sich Allerheiligen vor langer Zeit als der Friedhofstag schlechthin herauskristallisiert.

Die Gestecke seien früher
weniger einfallsreich gewesen

„Es ist immer wieder ein berührenden Anblick, wenn man am Abend des 1. Novembers über den Friedhof geht und nahezu auf jeden Grab eine Kerze steht und für einen Lichtschein in der Dunkelheit sorgt“, sagt Heike Wolters-Judisch. Für sie ist dies das Zeichen, dass die Menschen wirklich der Gestorbenen gedenken und sie nicht vergessen haben. Nach wie vor ist es auch ein klassischer Brauch, dass ein Gesteck auf dem Grab niedergelegt wird. Dabei gibt es bei diesem Grabschmuck mittlerweile eine breite Palette. Das war früher nicht der Fall. „Wenn meine Mutter in meiner Kindheit Gestecke vorbereitete, handelte es sich zumeist um Kreuze, die eher in dunklen Farbtönen gehalten wurden“, erzählt Stephan Wolters. Das hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. Gestecke in Kreuzform gibt es zwar nach wie vor, aber Herzen, Pflanzringe, eckige und runde Formen machen das Gros aus. Jeder nimmt die Form, die ihm am besten gefällt, schließlich ist die Auswahl groß.

Der Einsatz von Zapfen, Moos und weiteren Naturmaterialien ist bei den Gestecken sehr beliebt – egal, ob es sich um eine kleine Variante oder ein größeres Modell handelt. Zu den typischen Bepflanzungen zählen die Sommer- und die Winterheide. Erstere blüht derzeit und verleiht Gestecken viel Farbe. Die Winterheide zeigt ihre blühende Pracht dagegen erst im Januar und Februar. „Sie blüht auch im Schnee, was natürlich ein schöner Hingucker ist“, sagt Heike Wolters-Judisch.

Die Stiefmütterchen stammen heute meist aus Treibhauszucht

Waren einst die Stiefmütterchen die Klassiker bei der Grabbepflanzung, so haben sie an Bedeutung verloren. Das liegt aber eher daran, dass diese früher im Freiland gezogen wurden und entsprechend robust waren. Heute handelt es sich nahezu komplett um Züchtungen aus Treibhäusern, was im Umkehrschluss bedeutet: Stehen sie draußen, sind sie temperaturanfälliger und halten nicht so lange. Ein Trend geht zum sogenannten Herbstzauber. Dabei handelt es sich um verschiedene Staudenarten, die durch ihre bunten Blätter auffallen. Zu den beliebtesten gehören unter anderem Heuchera, Heidegewächse und Sedumarten. Der Vorteil der Stauden ist, dass sie über Monate auf dem Grab stehenbleiben können und so für ein schönes Bild sorgen. „Setzt man noch etwas Blühendes dazwischen, sieht ein Grab immer freundliche aus“, sagt Stephan Wolters.

Der Blumenstrauß ist an Allerheiligen zwar nicht so gefragt wie ein Gesteck, aber auch bei der Blütenpracht gibt es einen Klassiker: Es handelt sich um die großblumigen Chrysanthemen. Sie werden an Allerheiligen gerne für die Vase genommen. „Mit Blumen, egal in welcher Form, kann man eine Grabstätte freundlich gestalten – nicht nur zu Allerheiligen“, sagt Heike Wolters-Judisch.