Draftex: Enttäuscht über Abfindung

Eine Mitarbeiterin berichtet von ihren Gefühlen nach der Entlassung.

Grefrath. Die Enttäuschung ist so groß. 24 Jahre hat Angelika Müller (Name von der Redaktion geändert) bei Draftex gearbeitet. Nun erhielt sie in der vergangenen Woche die Nachricht, dass dies nun vorbei sein soll. Wie berichtet, werden zum April 64 Angestellte, fast alle langjährig und in Vollzeit bei Draftex beschäftigt, entlassen.

Nun sitzt Angelika Müller an ihrem Esstisch und hat das Papier mit den Zahlen vor sich liegen, die sie so empören. „Das ist keine Abfindung. Das sind Almosen“, sagt die Frau, die ihren richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung sehen möchte. Weniger als 10 000 Euro steht als Abfindungssumme auf diesem Zettel. Sie könnte in eine Transfergesellschaft wechseln, dann bekäme sie für ein Jahr monatlich knapp 1400 Euro — 80 Prozent ihres monatlichen Netto-Lohns — sowie einmalig 5765 Euro. Und das für 24 Jahre Arbeit. „Ich habe nie verschlafen, habe jede Überstunde gemacht“, sagt die 60-Jährige, die unter anderem in der Produktion und in anderen Bereichen gearbeitet hat. Bei Draftex werden Gummibänder und -dichtungen für den „Premium Car Sector“ gefertigt.

Zwar ist die Enttäuschung nun so groß, aber man merkt Angelika Müller auch eine gewisse Zerrissenheit an. Sie möchte nicht schlecht über die Firma sprechen, die ihr 24 Jahre lang eine Arbeitsstelle geboten hat. Mit den Kollegen habe sie immer gut zusammengearbeitet. „Ich bin nicht böse, dass mir gekündigt wurde“, sagt sie. Und trotzdem ist da diese Verärgerung über die Abfindung.

24 Jahre. Eine lange Zeit, in der Müller auch die Hochzeiten des Unternehmens erlebt hat. Als Draftex noch sechs Standorte und insgesamt rund 3500 Mitarbeiter hatte. Diese Zeiten sind schon länger vorbei. Zwei Insolvenzen und verschiedene Wechsel im Management habe Angelika Müller schon miterlebt. In schlechten Zeiten habe sie sogar drei Monate lange ohne Geld gearbeitet. Mittlerweile ist Stomil Sanok GmbH die Muttergesellschaft. Zuletzt hatte es im vergangenen Jahr 77 Entlassungen gegeben. In den vergangenen Monaten war es ruhiger geworden in der Produktion. Teile der Halle stünden leer oder würden als Lager gebraucht.

„Ich wollte nicht arbeitslos werden. Ich habe immer gerne gearbeitet“, sagt sie. Eine Hoffnung auf eine neue Stelle macht sie sich in ihrem Alter aber nicht.

Die Stimmung in der Belegschaft war, kurz nachdem die Entlassungen verkündet wurden, natürlich bedrückend. 358 Mitarbeiter sind es aktuell noch. Für die Betroffenen war es ein Schock, ein Gefühl der Ohnmacht. Was ist nun am besten zu tun? Angelika Müller bespricht sich mit einem Anwalt, überlegt, vors Arbeitsgericht zu gehen. Die Unsicherheit ist groß. Auch drüber, wie es mit Draftex weitergeht. Auch für die verbliebenen Mitarbeiter gibt es eine große Unsicherheit. Zu Ende September werden weitere 30 Kündigungen ausgesprochen. Das steht schon fest. Wenn es trifft, ist noch nicht bekannt.