Diskriminierung erkennen - darum geht es bei einem Projekt am Thomaeum

Kempener Projekt : Thomaeum: Kein Platz für Rassisten

Achtklässler des Gymnasiums lernen, wie sie Diskriminierung erkennen und zeigen: Sie sind gegen Ausgrenzung.

Ausgrenzung beginnt beim Mittagessen. Juden und Muslime haben andere Essgewohnheiten als Christen. Manche sind unabhängig vom Glauben schlicht Vegetarier und andere wollen auf ihr Stück Fleisch nicht verzichten. Wenn alle an einen Tisch möchten, muss an alle Bedürfnisse gedacht werden, sonst fühlt sich einer ausgeschlossen. Bei einem „konfliktsensitiven Buffet“ gibt es keinen Streit. Achtklässler des Gymnasiums Thomaeum wissen seit Montag, wie so ein Menü aussieht. Die Zusammenstellung aus Hähnchen, Frikadellen, Brot und Nudelsalat ist Teil des Projekts „Vielfalt zum Anfassen - SchülerInnen gegen Antisemitismus“. Drei Pädagogen sensibilisieren – gefördert vom Landesministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration – zum Thema Rassismus.

Am Thomaeum klappt das Miteinander der Schüler gut

Politiklehrer Florian Erdmann holte die Referenten nach Kempen. „Aktuelle Studien zeigen, dass 20 Prozent der Bevölkerung rechtsnationales Gedankengut haben“, sagt Erdmann. Bei den Schülern soll es gar nicht erst so weit kommen. „Wir wollen junge Menschen auf ihre Rolle in der Demokratie vorbereiten.“ Die Schule wolle so ein Zeichen gegen Rassismus setzen.

Referent Ismail Gunija sowie seine Kollegen Mohamed Labari als Vertreter der muslimischen Gemeinde und Michael Moses Sandler als Vertreter der Jüdischen Gemeinde Bernau in Berlin bemühen sich, Diskriminierung an alltäglichen Beispielen zu erklären. „Wir wollen zeigen, dass jeder Opfer werden kann“, sagt Gunija. Mit den Schülern schaut er sich unter anderem verletzende Karikaturen an. So sollen sie lernen, beleidigende Elemente zu erkennen und die Herkunft eines Bildes zu hinterfragen.

Viele Schüler erleben Fremdenfeindlichkeit der Eltern

Über die sozialen Medien würden Jugendliche täglich mit etlichen Fotos konfrontiert, sagt Gunija. Dabei erhofft er sich einen kritischeren Umgang. Gerade Achtklässler seien mit 13, 14 Jahren anfällig für rassistische Gedanken. Manche Jugendliche stünden in einem Spannungsfeld zwischen dem, was zu Hause vorgelebt werde und dem Miteinander, das sie in der Schule erleben.

Dennoch zeichnet Gunija ein optimistisches Bild. Schüler seien in der Regel offen dafür, über Rassismus zu reden. „Ein buntes Zusammenleben ist für junge Leute selbstverständlicher“, sagt Gunija. Auch die achte Klasse des Thomaeums besuchen Kinder mit Migrationshintergrund, etwa Jungen aus Sri Lanka und dem Irak. Referent Gunija erlebt einen starken Zusammenhalt. In manchen Duisburger Problembezirken oder dem Essener Norden begegnet er bei seinen Seminaren häufig extremen Konflikten.

Das Problem geht über körperliche Gewalt hinaus

Die Mutter von Schülerin Valentina kommt aus Kolumbien. Rassismus gegen sich habe sie zum Glück noch nie erlebt. Dennoch habe sie an der Schule durchaus diskriminierende Sprüche mitbekommen. Daher sei sie froh, dass das Projekt stattfindet. „Ich wusste bislang nicht, dass Rassismus sich so stark in Comics oder Karikaturen zeigen kann“, sagt die 14-Jährige. Auch habe sie gelernt, dass es nicht nur um körperliche Gewalt geht. „Auch Worte oder Ausgrenzung können Menschen verletzen“, sagt Valentina.

Ihr Mitschüler Maximilian ist nach der Projektstunde erschrocken, wie stark Rassismus in Deutschland ausgeprägt ist. Der 13-Jährige findet es wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Es sind ja so viele Flüchtlinge gekommen“, sagt Maximilian und ergänzt einen Wunsch: „Die Leute sollen nicht diskriminiert werden, die sollen es schön haben hier.“ An den Kempener Schülern scheitert das wohl nicht.

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