Die Zahl der Wohnungslosen steigt

Der SKM hat seinen Jahresbericht 2017 vorgelegt. Die Zahl der Neuklienten ist so hoch wie nie.

Kempen/Kreis Viersen. Es ist ein Beispiel von vielen: Uwe Sch. (51) wohnte in einer Gemeinde im Kreis Viersen. Weil er seine Miete nicht bezahlen konnte, war Anfang 2017 gegen ihn ein Räumungsurteil ergangen. Mitte des Jahres musste er die Wohnung verlassen. Hilfe fand er über die Geschäftsstelle des Katholischen Vereins für soziale Dienste in der Region Kempen-Viersen (SKM).

In der Zentralen Beratungsstelle wurde ihm geholfen. Er erhielt eine Postadresse, wurde in eine städtische Übernachtungsstelle vermittelt und erhielt finanzielle Unterstützung. Da er mit den vielen bürokratischen Angelegenheiten überfordert war, hilft ihm eine vom Amtsgericht beauftragte gesetzliche Betreuerin. Mittlerweile wurde für ihn ein Zimmer gefunden, und für seinen Lebensweg hat er eine bessere Ausgangssituation.

Es sind Fälle wie dieser, mit der sich die Zentrale Beratungsstelle für Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten befasst. Der SKM hat nun seinen Bericht 2017 vorgelegt und zieht dieses Fazit: „Immer mehr Menschen sind wohnungslos“. Das gilt demnach für ganz Deutschland, die Zahl der Besucher in den Anlaufstellen in Kempen an der Kirchstraße, direkt an der Propsteikirche, und in Viersen belegten diese Entwicklung auch für den Kreis Viersen.

Insgesamt wurden rund 520 Ratsuchende in den beiden Beratungsstellen gezählt. Die Anzahl der Neuklienten sei mit 250 (etwa 13 Prozent mehr) so hoch wie nie gewesen. Um nahezu 20 Prozent stieg die Zahl derjenigen, die konkret wohnungslos waren: von 278 auf 332. Mehr als 73 Prozent aller Klienten seien bei Kontaktbeginn wohnungslos gewesen. „In 189 Fällen konnte wegen Klärung der vorliegenden sozialen Probleme die Beratung im Laufe des Jahres beendet werden“, heißt es vom Verein.

125 Personen ohne Bleibe konnte eine Wohnung vermittelt werden. Die Rede ist von 60 Mietverträgen, „allerdings angesichts des Wohnungsmangels nicht nur im Kreis Viersen, sondern teilweise auch in Krefeld und Mönchengladbach“. Rund 370 Ratsuchende waren bei ihrem ersten Besuch der Beratungsstelle arbeitslos. 158 Personen davon waren völlig mittellos.

In knapp 300 Fällen unterstützte die Beratungsstelle die Ratsuchenden bei der Beantragung und Durchsetzung der zustehenden sozialen Leistungen, um zum einen den Lebensunterhalt zu gewährleisten, zum anderen die Voraussetzungen zum Anmietungen einer Wohnung zu schaffen. Weitere Hilfen im finanziellen Bereich waren Geldverwaltungen, Schuldenberatungen oder die Vermittlung zur Insolvenz- und Schuldnerberatung.

Problematisch stellt sich aus Sicht des SKM „nach wie vor die Aufhebung von Arbeitslosigkeit dar“. Vor dem Hintergrund fehlender Ausbildung und fehlenden Arbeitsplätzen hätten lediglich 28 Personen einen „marktkonformen“ Arbeits- oder Ausbildungsplatz gefunden — und den auch teilweise nur für eine kurze Zeit.

Und auch diese Zahl hat der Verein erfasst: Trotz der hohen Flüchtlingszahl sei der Anteil der ratsuchenden Ausländer (sowohl EU-Bürger als aus Menschen aus anderen Staaten) mit nicht ganz 19 Prozent des Gesamtklientels weitgehend konstant geblieben. Er habe sich damit nicht vom durchschnittlichen Anteil von Ausländern an der Gesamtbevölkerung im Kreis unterschieden. Red

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