Die Stärken des stationären Buchhandels - ein Besuch bei Karl Groß in Grefrath

Ein Besuch bei Karl Groß in Grefrath : Ein Buchladen ist schneller als das Internet

Karl Groß liebt seine Arbeit als Buchhändler in Grefrath. Gegen Internet-Konkurrenz helfe nur Service, sagt der 66-Jährige.

Kann eine örtliche Buchhandlung wie die von Karl Groß an der Hohen Straße in Grefrath gegen Internetriesen wie Amazon bestehen? Ja, sie kann, das bedarf aber einiger Anstrengungen. Als Groß seinen Laden vor 26 Jahren eröffnete, war noch keine Rede von der digitalen Konkurrenz. Ein Argument, das gern vorgebracht wird, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Schall und Rauch, denn „der örtliche Buchhandel ist schneller“, Karl Groß. Heute bestellt, morgen geliefert. Dankbar ist Groß, dass bisher kein Politiker an der Preisbindung für Bücher gerüttelt hat. „Sonst wären wir am nächsten Tag weg“, gesteht er.

Ein Pfund, mit dem Buchhandlungen vor allem in kleinen Orten wuchern können, ist die persönliche Begegnung mit den Kunden. „Das ist mir sehr wichtig, ohne dass wir eine Sozialstation sein wollen“, sagt der Grefrather Buchhändler. Die Menschen treffen sich bei ihm, wollen unterhalten werden. Im Laden soll Kommunikation stattfinden. Groß erinnert sich an frühere Zeiten, in denen in Buchhandlungen feierliche Ruhe herrschte und keiner sich traute, laut zu reden. Das mag für Bibliotheken gelten, in denen die Besucher konzentriert arbeiten wollen. „Buchläden sind für mich eine Art von Improvisationstheater, in denen es gern auch humorvoll zugehen kann“, sagt Groß.

Eine aktuelle Empfehlung an seine Kunden: Karl Groß legt Eltern das Buch „Alles Familie“ von Alexandra Maxeiner über Patchwork-Familien ans Herz. Foto: heiner deckers

Er selbst weiß genau, auf welche Art und Weise er mit seinen Kunden umgehen muss. Es sei eine schöne Herausforderung, jeden Einzelnen mit dem zu ihm passenden Lesestoff zu versorgen. Es gebe auch Leute, die nicht angesprochen werden möchten, das respektiere Groß natürlich. Er hat viele Stammkunden, „das ist Gold wert“. Sie kommen, so Groß, meist aus dem Bereich des Bildungsbürgertums und sind für neue Ideen aufgeschlossen. In der Regel weiß er über die Lesegewohnheiten Bescheid: „Das ist Dorf, das genieße ich.“ Etwa der Mann, der ein Geburtsgeschenk für seine Frau sucht. Groß fragt nach dem Namen, und sagt: „Ich sehe das Bücherregal ihrer Frau vor mir.“ Und es herrscht eine ganz große Freude, wenn die Beschenkte später in den Laden kommt und das ausgewählte Buch lobt. Eine Bestätigung seiner Arbeit: „Manche Bücher funktionieren bei manchen Menschen nicht, das muss man berücksichtigen.“

Kundenbestellungen sind Anreiz für Erweiterung des Sortiments

Viele Leser kommen auch mit konkreten Vorstellungen, entscheiden sich für die ausgewählten Bücher und vielleicht auch noch für die eine oder andere Empfehlung. Groß: „Ich empfehle keine Bücher, die ich nicht wirklich gut finde.“ Wobei der Buchhändler stets auf der Suche nach neuen Inspirationen ist. Wenn morgens die Bestellungen seiner Kunden ankommen, schaut er sich das eine oder andere ihm unbekannte Buch genauer an, liest den Klappentext und bestellt vielleicht sogar das eine oder andere Exemplar für sein Sortiment.

Wie stellt er sein Bücherangebot denn überhaupt zusammen? Groß habe die ihm gut bekannten Vorlieben einiger Kunden im Auge, bestelle allerdings auf keinen Fall nur Bücher, die ihm selbst gefallen. Er orientiert sich mit Leseproben, weiß, wie welche Autoren bei ihm laufen, entdeckt aber auch neue für sich.

Nach wie vor macht die Arbeit dem 66-Jährigen großen Spaß: „Wobei man sich natürlich die Frage stellt: Wie lange macht man das noch?“ Inzwischen, nach den Festtagen, hat er auch selbst wieder mehr Zeit zu lesen. Das Weihnachtsgeschäft sei jedoch angenehm und harmonisch gewesen, ohne jegliche Hektik. hd