„Die Pläne für ein neues Rathaus sind vom Tisch“

„Die Pläne für ein neues Rathaus sind vom Tisch“

Ein Antrag der FDP kippt das Projekt. Gibt es jetzt eine neue Chance für das Spar-Konzept?

Grefrath. Der Bürgermeister hat die Notbremse gezogen. „Die Pläne für ein neues Rathaus sind vom Tisch — leider“, sagte Manfred Lommetz am Montag im Gespräch mit der Westdeutschen Zeitung. Dies habe er den Vorsitzenden der vier Fraktionen des Grefrather Gemeinderates mitgeteilt.

Dafür gebe es zwei Gründe: Die FDP verlangt vor einer Zustimmung zum Kauf des ehemaligen Entwicklungsgebäudes von Johnson Controls einen kleinteiligen Organisationsplan.

Und der aktuelle Besitzer der Immobilen am Bronkhorster Weg spielt nicht mehr mit: Johnson Controls will die bereits mehrfach verschobene Frist für die Abgabe eines Kaufangebots nicht erneut verlängern. Vielmehr will der Automobil-Zulieferer, der das Grefrather Werk Mitte 2015 schließen wird, das gesamte Areal mit der postalischen Anschrift Mülhausener Straße 35 unverzüglich an einen Investor übertragen.

In den vergangenen Monaten war ein neuer Organisationsplan für die Verwaltung erarbeitet worden. Dabei stand im Mittelpunkt, dass aus derzeit fünf künftig drei Fachbereiche werden — mit entsprechend weniger Amtsleitern. Auf dieser Grundlage wurde eine Raumplanung für das neue Rathaus in Angriff genommen. Und zwar inklusive Räumen für die Vereine „Mutter und mehr“ (Mum) sowie „Älter werden in der Gemeinde“ im Erdgeschoss.

Nun pochte die FDP darauf, eine Untersuchung bei einer externen Firma in Auftrag zu geben, welche Aufgaben und welches Pensum erledigt werden — und zwar aufgeschlüsselt für jeden Arbeitsplatz im Rathaus. Erst dann könne sie über den Kauf der Immobilie abstimmen.

„Das ist ein Projekt, das ich auch für sinnvoll halte. Aber so etwas könnte man parallel machen, während die Planung für ein neues Rathaus weiterläuft“, sagt Bürgermeister Lommetz. Denn solch eine Arbeitsplatz-Untersuchung dauere zwölf bis 18 Monate. Kosten: etwa 70 000 Euro.

Das weiß die Verwaltung deshalb so genau, weil sie im Sommer 2013 bereits Angebote für solch ein Projekt eingeholt hat. Aber den Auftrag auch zu vergeben scheiterte an der Haushaltssperre, die Kämmerer Wolfgang Rive im August vergangenen Jahres erlassen hatte. Und für deren teilweise Aufhebung wiederum sei die FDP nicht zu gewinnen gewesen, so der Bürgermeister.

Zurück in die Gegenwart: Manfred Lommetz hat den Kämmerer beauftragt, die neue Lage ins Haushaltssicherungskonzept (HSK) einzuarbeiten. Sprich neues Rathaus (Kauf, Umbau, Umzug: 2,15 Millionen Euro) raus, die Kosten für die Unterbringung von „Mum“ (Jahresmiete Laurentius-Haus: 27 000 Euro) und „Älter werden“ rein ins Zahlenwerk. Was allerdings dann noch aussteht ist die Sanierung der beiden derzeit genutzten Rathäuser in Grefrath und Oedt.

Im Mittelpunkt des HSK steht, das aktuelle Loch von 3,9 Millionen Euro im Gemeinde-Etat binnen zehn Jahren zumindest in eine schwarze Null zu verwandeln. Um dieses Ziel zu erreichen, hatten sich die Spitzen der vier Rats-Fraktionen zu Gesprächen über Einnahme-Verbesserungen und Ausgaben-Reduzierungen getroffen. Nachdem man sich über die meisten der rund 100 Punkte verständig hatte, platzte das bereits fertig geschnürte Paket an der Forderung der CDU, dass das neue Rathaus rausgenommen werden müsse. Die neue Situation könnte nun die Möglichkeit bieten, doch noch vor der Kommunalwahl am 25. Mai einen Grefrather Etat für 2014 auf den Weg zu bringen . . .

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