Brauchtum : Die Martinsstadt Kempen wartet ab

Beim Martinsverein plant man derzeit noch mit einem normalen Umzug am 10. November.

Weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und ein Event auch für viele Besucher ist der jährliche St. Martinszug in der Kempener Altstadt. Gerade die große Zahl an Besuchern dürfte in diesem Corona-geprägten Jahr aber zum großen Problem werden. Denn so wie bereits in vielen Städten die Karnevalsumzüge abgesagt wurden, ist auch beim Schulkinderzug am 10. und beim Kindergartenzug am 9. November in Kempen keineswegs sicher, ob diese stattfinden können.

In Nachbarkommunen, zum Beispiel in Vorst und St. Tönis, sucht man bereits nach Alternativen zu den klassischen, gemeinsamen Umzügen der Schulen und Kitas. Beim Kempener Martinsverein ist man so weit noch nicht. Im Gegenteil: „Aktuell sind wir fest entschlossen, den Zug in der alten Form durchzuführen“, sagt Rainer Hamm, Vorsitzender des St.-Martin-Vereins Kempen. Man sei aber natürlich bereit, gegebenenfalls Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Welche das sein könnten, wisse man aber derzeit nicht.

In den Schulen soll auf
jeden Fall gebastelt werden

Überhaupt habe man aktuell noch keinerlei Auskunft vonseiten der Stadt, ob man ziehen dürfe. „Darum tun wir erstmal so, als würden wir ziehen“, so Hamm. Die Schulen seien informiert, es möge gebastelt werden. Denn: „Es wird eine Fackelausstellung geben und wir werden in jedem Fall auch Tüten packen“, verspricht Hamm. Wenn man die Haustür-Sammlung nicht im gewohnten Umfang durchführen könne, dann sei das eben so. „Dafür müssen wir im Fall einer Absage auch keine Kapelle buchen“, sagt er mit Blick auf die Finanzen des Vereins.

Prinzipiell könne man den Umzug auch kurzfristig noch ohne große Probleme abblasen, so der Vorsitzende: „Selbst wenn wir Mitte Oktober absagen, würde nichts Schlimmes passieren. Wir haben ja keine Büttenredner oder ähnliches engagiert.“ Grundsätzlich sehe er die Chance für einen gemeinsamen Zug. „Die Kinder, die zusammen stehen, haben auch in der Schule Kontakt“, so Hamm.

Was die Menschenansammlungen entlang des Zugweges angeht sagt er: „Wir sind der Meinung, wir sind ja kein Oktoberfest, wo stundenlang geschunkelt wird, sondern die Menschen stehen nur eine halbe Stunde lang zusammen im Freien.“

Der Stadt liegt noch kein
Antrag für die Veranstaltung vor

Seitens der Stadt Kempen hat man das Thema im Hinterkopf, so Ordnungsdezernent Jörg Geulmann im Gespräch mit der WZ. „Uns ist bewusst, welche Bedeutung das Martinsfest für Kempen hat.“ Derzeit liege seitens des Martinsvereins, der Veranstalter ist, aber noch kein Antrag für die Durchführung vor, so Geulmann. Wenn dieser Antrag eingereicht sei, werde sich die Verwaltung konkret mit den Möglichkeiten für eine Durchführung des Zuges befassen.

In Corona-Zeiten dürften die Bedingungen aber wesentlich strikter sein als üblich. „Dazu gehört in diesem Jahr dann auch ein umfangreiches Hygienekonzept, das mit dem Gesundheitsamt des Kreises Viersen abzustimmen ist“, sagt Geulmann. Ferner gehe es um ein umfangreiches Sicherheitskonzept nach den Anforderungen der geltenden Corona-Schutzverordnung. „Ob diese umfangreichen Konzepte bei den geltenden Bedingungen für einen Zug mit 30 000 Besuchern genehmigt werden können, halte ich derzeit für unwahrscheinlich“, so der Beigeordnete. So wie bei allen Veranstaltungen müsse man halt abwarten, wie sich die Corona-Pandemie in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt. „Grundsätzlich stehen wir allen Ideen des Martinsvereins offen gegenüber.“