Die Herz-Bauch-Kopf-Burg

Die Zukunft des Wahrzeichens war ein großes Thema beim Neujahrsempfang der CDU.

Kempen. „Selbstverständlich wollen wir die Burg. Wir haben nun die einmalige Chance, Burgherr zu werden.“ Hätte es CDU-Fraktionschef Wilfried Bogedain beim Neujahrsempfang am Freitagabend bei diesen Sätzen belassen, hätte er wahrlich eine Nachricht produziert. Die beiden Sätze waren allerdings nur ein Teil seiner Aussage zur Zukunft der Kempener Burg — das, was sein „Herz und Bauch“ sagen. „Wenn wir aber den Kopf einschalten, dürfte klar sein, dass wir über die Übernahme der Burg durch die Stadt sehr ernsthaft nachdenken müssen“, so Bogedain. Es müsse sorgfältig geprüft werden, ob Kempen sich dieses Projekt im „zweistelligen Millionenbereich“ leisten will und kann.

Mit seiner kombinierten Herz-Bauch-Kopf-Aussage erneuerte Bogedain vor rund 400 Gästen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Vereinen, dass die CDU das Thema weiter „ergebnisoffen“ diskutiert und diskutieren wird. Insbesondere in rund zwei Wochen, wenn die Fraktion in Klausur geht. Kurz danach müssen die Christdemokraten mit den anderen Fraktionen eine Entscheidung treffen. Wie bereits berichtet, gibt es am 6. Februar eine Sondersitzung des Rates zur Burg. Danach muss die Stadt dem Kreis Viersen mitteilen, ob sie das Denkmal übernehmen will oder nicht.

Bogedains Ausführungen waren aber mehr als eine Erneuerung der christdemokratischen „Ergebnisoffenheit“. Sie waren ein eindeutiger Fingerzeig in die Richtung, dass die stärkste Fraktion im Rat das Projekt Burg mit VHS, Standesamt und Gastronomie für nicht realisierbar hält. So zumindest die Wahrnehmung an vielen Tischen und Stehtischen im Kolpinghaus.

Im Zusammenhang mit der Burg verwies der Fraktionsvorsitzende auf die vielen Pflichtaufgaben der Stadt. Insbesondere für Schulen und Kindergärten stünden in den nächsten Jahren Millionen-Investitionen an. Daher betonte Bogedain, dass es auch andere Wege als eine städtische Übernahme des Wahrzeichens gebe. Möglicherweise könne man als Kommune ein privatwirtschaftliches Engagement begleiten und „mit unseren Mitteln lenken“. „Und warum muss die Stadt eigentlich die Burg übernehmen? Warum kann sie nicht im Besitz des Kreises Viersen bleiben?“ Mit diesen Fragen nahm Bogedain Bezug auf entsprechende Anregungen, die die CDU aus der Bürgerschaft bekommen habe.

Abgesehen vom Thema Burg stehe die Stadt Kempen vor einem Jahr der Weichenstellungen. Vor einem Jahr, in dem man Visionen haben, aber nicht zu viel träumen dürfe. „Die CDU-Fraktion wird den Blick auf das Wesentliche richten und die Bodenhaftung nicht verlieren“, so Bogedain. Die großen Aufgaben und auch Sorgen seien aber kein Anlass für Pessimismus. Die CDU werde zuversichtlich ins politische Jahr 2018 gehen.

Damit griff Bogedain unbewusst das Kempener Selbstbewusstsein auf, das Kabarettist Stefan Verhasselt zuvor in seinem Gastauftritt bekräftigt hatte. Im Zusammenhang mit den vielen letzten Plätzen NRWs, die der neue CDU-Ministerpräsident Armin Laschet nun zu verbessern habe, betonte Verhasselt, dass Kempen doch außergewöhnlich gut dastehe: „In Kempen läuft es. Kempen ist wie Bayern — nur mit ohne Berge“, so der Niederrhein-Kabarettist.

Radiomoderator Verhasselt, der aus Straelen stammt, lange in St. Tönis gewohnt hat und seit gut drei Jahren in Kempen lebt, bescherte den Gästen einen amüsanten Einstieg ins neue Jahr. Aus Sicht eines „Neubürgers“ nannte er sein Kurzprogramm „Kempen Kabarettistisch“ — „KK“ eben. Mit vielen lokalen Feinheiten traf er den Humor der Anwesenden. Da wurde Hans-Peter van der Bloemen zum „Oberbürgermeister von St. Hubert“. Und das Kendeldorf wegen des vom Nabu verliehen Titels „fledermausfreundliches Dorf“ zu einem Ort mit nächtlicher Attraktion: zu „Fledermaus-City“. Auch Altstadt-Original Ferdi durfte nicht fehlen. WDR-Moderator Verhasselt machte ihn wegen seiner präzisen Wettervorhersagen kurzerhand zum Sven Plöger von Kempen.

Aufs Korn nahm der Kabarettist auch die Produktion von Fake News am Niederrhein — in Kempen: „Mit ,Hasse schon jehört?’ beginnt das Gespräch. Dann kommen die ganzen Fake News. Und am Ende heißt es ,sisse, sisse, isch hab et doch jewusst’.“ Bei allen Aussagen über Kempen und die Kempener stellte Verhasselt eine Besonderheit des niederrheinischen Wesens heraus: seine Herzlichkeit. Er sei in Kempen mit offenen Armen empfangen worden. Freundliche Menschen hätten ihn in diversen Vereinen aufgenommen oder ihm den „richtigen“ Bäcker empfohlen. Es scheint wohl zu stimmen: In Kempen leben Menschen mit Herz.