Der Zettelsammler aus Kempen

Kabarettist und Moderator Stefan Verhasselt ist Niederrheiner durch und durch. Derzeit arbeitet er an einem neuen Programm, wie er im Interview mit der WZ berichtet.

Kempen/Niederrhein. Er ist ein Niederrheiner durch und durch: Stefan Verhasselt kam vor 52 Jahren in Straelen zur Welt, lebte viele Jahre in Tönisvorst, arbeitete für Radio 90.1 in Mönchengladbach sowie Welle Niederrhein in Krefeld. Seit sechs Jahren ist er Kempener. Dort sieht man ihn oft in seinem Lieblingslokal, während er am Laptop Texte für seine Radio-Moderationen — Verhasselt arbeitet seit 1998 für WDR 4 — oder Kabarett-Auftritte schreibt. Die WZ hat ihn zum Interview in der Redaktion an der Moosgasse getroffen.

Stefan, wie gefällt Dir eigentlich das neue Programm von WDR 4? Bist Du froh, endlich nicht nur deutsche Schlager ansagen zu müssen?

Stefan Verhasselt: Ich war musikalisch nie auf eine bestimmte Richtung festgelegt. Schlager habe ich auch gerne gemacht, schließlich war Dieter Thomas Heck ein erstes Vorbild für mich. Moderne Popmusik und die Lockerheit in der Moderation lernte ich vor allem über Radio Veronica in Hilversum kennen. Da war ich ein großer Fan.

Mit dem Kabarett hast Du 2006 angefangen. Hast Du das jemals bereut — zum Beispiel, als Du in Deinen Anfängen nur vor einer Handvoll Leuten spielen musstest?

Verhasselt: Stimmt, einmal bin ich in Witten vor vielleicht 20, 30 Leuten aufgetreten. Die waren ganz stumm, da habe ich wie vor einer schwarzen Wand gespielt. Doch nach der Vorstellung waren die ganz nett und haben nach Autogrammen gefragt. Der ehemalige Unterhaltungschef des WDR, Axel Beyer, hat mir mal gesagt: „Bei jedem Auftritt lernst Du dazu.“ Das galt für Witten — und das gilt auch heute noch.

Ich habe selbst einmal erlebt, wie begeistert Dein Publikum mitgeht. Macht das nicht viel mehr Spaß als beim Radio alleine vor einem Mikrofon zu sitzen?

Verhasselt (grinst): Ich sitze gar nicht, sondern ich stehe. Und alleine bin ich auch nicht, denn die Morgensendung moderiere ich von 6 bis 10 Uhr im Dortmunder Studio gemeinsam mit Cathrin Brackmann. Aber Du hast natürlich recht: Die direkte Reaktion des Publikums zu spüren, ist noch einmal etwas ganz Besonderes.

Du reist mit Deinem Kabarett-Programm, das sich mit den Besonderheiten der Niederrheiner beschäftigt, erfolgreich durch NRW. Funktionieren die Gags überall?

Verhasselt: Ja, sogar bei meiner „Bäder-Tour“, wo ich unter anderem auf Norderney auftrete. Dort kommen dann sogar Besucher aus ganz Deutschland.

Dein Ziel ist es, den alltäglichen Wahnsinn humorvoll aufzuspießen. Wie entstehen die Gags?

Verhasselt: Ich habe immer kleine Zettel dabei, auf denen ich lustige Dinge, die ich beobachte, und den täglichen Verzäll, den ich höre, notiere. Sogar im Urlaub. Daraus entsteht dann später mein Programm.

In einem WZ-Interview hast Du 2013 erzählt, dass Du Material genug für ein viertes Programm hast. Damit bist Du längst auf der Bühne. Hörst Du mit dem Kabarett demnächst also auf?

Verhasselt: Ich habe schon eine weitere Sammlung mit ganz vielen Zetteln. Sogar der Titel meines fünften Programms steht schon. Mitte 2019 soll es auf die Bühne kommen.

Arbeitest Du auch aktuelle Themen ins laufende Programm ein?

Verhasselt: Klar. Merkel und Schulz, Erdogan und die Türkei — so etwas kommt vor.

Wie sehen Deine weiteren Pläne aus?

Verhasselt: Ich möchte ein Buchprojekt verwirklichen, auf das ich von einem Verlag angesprochen worden bin. Eigentlich wollte ich damit längst angefangen haben, doch dann wurde mein Vater plötzlich krank und ist im Sommer schließlich mit 85 Jahren gestorben. Von ihm habe ich meinen Humor geerbt. Ich erinnere mich auch noch, wie er mich in meinen Anfängen bei Radio Veronica in Hilversum abgeholt hat. Keine Ahnung, wie es ihm gelungen ist, bis direkt vor die Eingangstür zu fahren. Nach seinem Tod hatte ich den Kopf für ein Buchprojekt nicht frei.

Wie würdest Du den Niederrheiner charakterisieren?

Verhasselt: Er weiß sehr, sehr viel, ist weltoffen, mischt sich auch gut und gerne ein.

Und wie Dich selbst?

Verhasselt (zögert): Weltoffen — ja. Auch gesellig — und manchmal ungeduldig. Einmischen würde ich mich aber nicht mehr immer. Ich weiß mittlerweile auch mal die zweite oder dritte Reihe zu schätzen.