Der Unternehmerkreis Kempen besteht seit fünf Jahren

Der Unternehmerkreis Kempen besteht seit fünf Jahren : „Kempen gemeinsam stärken“

Interview Der Unternehmerkreis besteht seit fünf Jahren. Der Vorstand sieht den Verein als Impulsgeber für die Stadt.

Bereits nach fünf Jahren ist der Unternehmerkreis Kempen, kurz UKK, eine Institution in der hiesigen Wirtschaft. Anlässlich des „kleinen Geburtstages“ nahm der Vorstand, vertreten durch die Vize-Vorsitzende Karin Drabben sowie die Beisitzer Holger Aretz und Stephan Sachse, zu Fragen der WZ Stellung.

Im September wird der Unternehmerkreis fünf Jahre alt. Wie lautet Ihr Fazit?

Karin Drabben: Wir sind zufrieden mit der Entwicklung: Der Unternehmerkreis vertritt zurzeit etwa 65 Kempener Unternehmen mit ihren rund 3500 Mitarbeitern. Der Anlass zum gemeinsamen Treffen der Unternehmerinnen und Unternehmer in Kempen war der Wunsch, seinen „Nachbarn“ oder auch die unterschiedlichen Branchen am Standort kennenzulernen, den Kontakt mit der Stadtverwaltung – aus unserer Sicht ebenfalls ein Unternehmen in Kempen – aufzunehmen und sich auszutauschen. Wir sind der Auffassung, dass nur das Gespräch miteinander ganzheitliche Lösungen bewirken kann. Unser erklärtes Ziel ist es, gemeinsam den Standort Kempen zu stärken und nach vorne zu bringen. Bereits nach einem Jahr waren wir, die Unternehmerschaft, zum Thema Ausbau des digitalen Netzes im regen Austausch mit der Stadtspitze. Weitere Themen folgten. Mittlerweile haben wir zu den vier Mal jährlich stattfindenden Business-Frühstücken zwei weitere Veranstaltungen aufgelegt: den „Kempener Wirtschaftsdialog“ und den „Blick hinter die Kulissen“.

Wo läuft es gut für die Wirtschaft in Kempen, wo hakt es Ihrer Meinung nach?

Karin Drabben: Wir freuen uns sehr darüber, dass bei der Stadt jetzt die Wirtschaftsfördererung um eine Vollzeitstelle verstärkt wurde. Durch das Jugendamt, insbesondere Michael Klee und Nicole Drese-Hampe, erfahren wir bei der Entwicklung der Kinderbetreuungsplätze eine große Unterstützung. Beim  Wirtschaftsdialog standen uns Bürgermeister Volker Rübo und der Technische Beigeordnete Marcus Beyer sowie Michael Aach von der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft für den Kreis Viersen zum Gespräch zur Verfügung. Allen ist bewusst, dass in Kempen bezahlbarer Wohnraum fehlt und wir Konzepte benötigen, um bereits ansässigen Unternehmen die Möglichkeit zum Wachsen zu ermöglichen. Die Verknüpfung von Schule, Ausbildung und Beruf ist eine wichtige Aufgabe, um sowohl junge Menschen am Standort zu behalten und gleichzeitig gegen den Fachkräftemangel zu arbeiten. Unserer Auffassung nach ist eine funktionierende Wirtschaft der Dreh- und Angelpunkt für eine lebenswerte Stadt, mit ihrem Angebot an Bildung, Wohnen, Kunst und Kultur. Ohne die Einnahmen aus der Wirtschaft ist der Ausbau der Schulen und des Straßennetzes nicht möglich. Gleichzeitig bieten die Unternehmen Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie die Zusammenarbeit mit den Schulen.

Sie treffen sich viermal im Jahr zu einen Business-Frühstück. Welche Themen werden dort behandelt?

Holger Aretz: Bei unseren Frühstücken widmen wir uns in der Regel einem aktuellen Thema, das zu Beginn im Form eines zirka 15- bis 25-minütigen Kurzvortrags von einem Experten beleuchtet wird. Der Schwerpunkt liegt allerdings im anschließenden Netzwerken, wo sich die Teilnehmer zu diesem und anderen Themen in lockerer Atmosphäre bei Kaffee und Brötchen austauschen. Dies entspricht auch einer der hauptsächlichen Gründungsideen des UKK: Unternehmern aus Kempen, Vertretern der Stadt sowie wirtschaftsfördernden Strukturen und Bildungseinrichtungen eine Plattform zu bieten, auf der sie sich kennenlernen, austauschen und Synergien bilden können. Schwerpunktthemen der letzten Frühstücke waren beispielweise grenzüberschreitende Ausbildungsverhältnisse, Öffentliche Zuschüsse für kleine und mittelständische Unternehmen, Fachkräftegewinnung sowie die Marke Niederrhein.

Der UKK bemüht sich seit einigen Jahren um einen Betriebskindergarten für seine Mitglieder-Familien. Wie weit sind die Pläne gediehen?

Karin Drabben: Für uns als Unternehmerinnen und Unternehmer sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wertvoll und wichtig. Wir möchten daher, dass sie Familie und Beruf miteinander verbinden können und möchten unseren Mitarbeitern Betreuungsplätze für ihre Kinder anbieten – auch wenn sie nicht in Kempen wohnen. Bei unserer letzten Umfrage im April 2019 stellten wir fest, dass von den mehr als 50 befragten Unternehmen sieben einen Betreuungsbedarf von 29 Kindern verzeichnen. Kurzfristig haben wir eine Tagesmutter gefunden, die seit dem 1. August vier Kinder sofort aufnehmen kann und es an die Unternehmerschaft weitervermittelt. Wir werden dieses Angebot ergänzend ausbauen. Zeitgleich beschäftigen wir uns mit der Errichtung der ersten Großtagespflege. Die Klärung der nächsten rechtlichen Schritte steht jetzt auf der Agenda.

In der Vergangenheit hat Ihr Verein, zusammen mit dem Jugendamt der Stadt Kempen, ein „Beruf-Speed-Dating“ zur Orientierung von Schülerinnen und Schülern organisiert. Konnten Sie konkrete Erfolge verbuchen und wird diese Reihe fortgesetzt?

Stephan Sachse: Unser Ziel ist es, junge Menschen in Kempen zu halten. Wir wollen die Unternehmen sowie die Schülerinnen und Schüler noch weiter zusammenzubringen, so dass für beide Seiten ein Mehrwert entsteht. Die Praxis zeigt, dass beide aber oft zu wenig voneinander wissen. Ein Projekt zur Vernetzung war beispielsweise das Berufs-Speed-Dating, dass wir zusammen mit dem Jugendamt durchgeführt haben. In diesem Jahr beteiligen wir uns am Tag der offenen Tür des Rhein-Maas-Berufskollegs: Am 16. November haben die Schülerinnen und Schüler sowie die Unternehmen nun die Chance, sich an einem Samstag außerhalb der Schulzeit kennenzulernen und sich über Berufsmöglichkeiten auszutauschen.

Das Speed-Dating wird es also nicht mehr geben. Wie kam es zu diesem Entschluss?

Karin Drabben: Es ist kein Entschluss gegen das Speed-Dating. Es ist eher einer für das Format im Rhein-Maas-Berufskolleg. Wir sind davon überzeugt, dass wir die Interessen der Unternehmen und die der Schülerinnen und Schüler beim Tag der offenen Tür gut unter einen Hut bekommen. Organisatorisch hat das zudem für uns Vorteile, weil wir mit bestehenden und gewachsenen Strukturen arbeiten können. Der Termin ist zudem ein Samstag. Auch das ist gut, weil wir als Unternehmerinnen und Unternehmer dann wirklich Zeit haben. Dass wir als UKK nun mit dem Berufskolleg kooperieren, ist auch mit dem Jugendamt der Stadt so besprochen. Wir freuen uns auf die Veranstaltung.

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